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Wetter, anderswo

Aktuelles Wetter in Carcassonne:


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Hier gilt ganz normales Urheberrecht. Alle von mir erstellten Texte und Bilder sind mein geistiges Eigentum. Wer sich daran vergreift, ohne vorher gefragt und "Ja" zur Antwort bekommen zu haben, bekommt Haue oder Sonstwas. Also: Nicht abschreiben, nicht copypasten. Gerne nichtkommerziell zitieren und verlinken. Im Zweifel einfach fragen. sopran (at) gmx.net Mit Kommentaren verfahre ich selbstherrlich. Die allerallermeisten sind willkommen.

anderswo

Mittwoch, 13. Februar 2008

Langeweilebloggen

Dass hier keiner mehr liest, muss mich nicht wundern, wenn ich nichts schreibe. Aufschieben, weil erst anderes getan werden müsste, was aufgeschoben wird, weil erst anderes getan werden müsste, was wiederum auf... Sie verstehen, jedenfalls manche von Ihnen. Bald wird zu dem Thema ("Prokrastination") ein Buch fertig geschrieben sein, jedenfalls wenn die Autoren das Aufschieben überwunden haben werden. Ich ahne, dass das Buch mein Problem nicht lösen wird. Nicht einmal will.

Ich blogge, weil ich 20 Minuten Internet für drei Euro gelöst habe, hier auf dem Flughafen Toulouse/Blagnac. Der City-Hopper, der die Vier und mich nach Düsseldorf schaffen soll, ist noch nicht einmal gelandet, die Vier will lieber m&m's aus dem Automaten statt mitgebrachte Schokokekse und Rosinen. Sobald man im Boardingbereich ist, erhält man keine Informationen mehr zur Menge der Verspätung.

Die Vier soll Ausschau halten nach einem Flugzeug mit einem gelben Vogel auf dem Schwanz. "Was ist beim Flugzeug der Schwanz?"

Sonntag, 9. Dezember 2007

Winter anderswo

In Carcassonne gibt es jetzt einen Weihnachtsmarkt, eine funktionierende Rodelbahn und eine zerschmolzene Eisbahn. In der Sonne sitzen wir beim Café, neben uns ein paar Paletten mit Eis, immer wieder halten Passanten die Hand an die Säcke, so auch ich, Eis, ja, wirklich. Dass die armen Kinder hier im Süden auch mal Schnee sehen oder was? sage ich. Dabei müssen sie nur eine Stunde fahren, dann Schnee satt. Nein: Eine Stunde fahren, drei Stunden bergauf wandern, dann Schnee satt.

Sie hat gerade das Haus verlassen, vorher noch Holz nachgelegt und Orangenschalen auf den Ofen, als der Sturm losbricht. Weihnachtsdekoration fliegt über die Straße, und es regnet durch den Kamin. Hoffentlich ist ihr nichts passiert da draußen! Lose Dachziegel gibt es genug, aber der Weg von meinem Haus zu ihrem ist nicht länger als 60 Meter. Der Regen wird die Ratten aus der nagelneuen Kanalisation treiben. Die Ratten werden hoffentlich die ausgelegten Rattengiftkekse einsammeln, in ihre Rattenwohnungen tragen und alle zusammen ein großes Fest feiern.

Heute abend kommen Gäste, wir kochen Thailändisch, Zitronengras, Chilischoten, Kaffir-Limettenblätter habe ich importiert. Die Orangenschalen fangen an zu duften, sie kommt fast trocken zurück. Schlechtes Wetter ist doch etwas Schönes!

Dienstag, 28. August 2007

...

Wird in der ersten Klasse bei der Lufthansa eigentlich auch so viel gequasselt? Testen die Fluggäste genauso viel Parföng im Dutyfree? "Bitte lassen Sie die letzte Reihe links frei, da kommt noch ein Cello", sagt die sehr freundliche Flugbegleiterin bei Germanwings. Kein Problem nich, wer will da schon sitzen. Außer diesem Paar, das mir schon bei der Sicherheitskontrolle auffiel. Er im beigen Hemd. Beige, das steht nur Negern, weiß doch jeder. So wie gelb. "Steht mir gut, oder?" fragt er die Pissnelke an seiner Seite. Aus Pissnelken werden am 35. Geburtstag Schnepfen, aber das dauert bei ihr noch. "Thuper", thäuthelt sie. Bei ihr piept's wohl. Überall Metall. Ein Ornamentum auf dem Sternum, allerlei Nietchen an Stiefelchen und Höschen. Kichernd und tänzelnd lässt sie sich abtasten, beor sie ihr Popöchen wieder dem Beigen zuwendet. Der reagiert mit einem Grabsch am Arsch.

Klar: Die mir am Flughafen als erstes Auffallen, werden nachher neben mir sitzen. Ich sollte da besser aufpassen. Aber wie? Augen zu?

(Die Tippfehler kommen von Extremversyphung der Internetcafécomputertastatur hier in der Oranienstraße. Bei K. im Haus der frohen Zukunft hakte das Netz. "Das ist mir wirklich unangenehm, Internet haben wir sonst mehr, als man essen kann".)

Der Cellist kommt mit seinem Carboncellokoffer, wunderbares Teil, wenn das Tochtercello abbezahlt ist, kann sie anfangen, für so einen Koffer zu sparen, ein paar Monate ihres ersten Lehrgeldes kann sie dafür schon verwenden. Er ist nicht ganz zufrieden mit dem Platz, aber geht schon. "Jetzt diskutieren Sie nicht auch noch rum", nölt der Beige, "sonst kommen wir hier nie weg." Was für ein Unsinn.

"Halten Sie Ihr Maul", sagt der Cellist, "ich reise seit 35 Jahren mit meinem Cello".

- - -
- - -

"Hat er gesagt, ich soll mein Maul halten?" fragt der Beige seine Freundin. "Öhm, nö, weißnich."

Ruhe bis zur Landung. Dann schmettert der junge Mann dem freundlichen Bordpersonal zum Abschied entgegen:
"NÄCHSTES MAL BITTE OHNE CELLO."

Mittwoch, 25. Juli 2007

Müde

Diese zwölfstündigen Nachtfahrten ziehen immer allerlei Gedanken an, die mir blogbar erscheinen, solange ich drinstecke. Dank der zugeführten -ine und des mitgeführten beleuchteten Kugelschreibers bin ich so multitaskingfähig, dass ich sogar was notieren kann beim Fahren. Jetzt bin zu müde für Selbstkritik und lege hier nur das Gekritzelte ab. Ich dachte viel an Wasser und musste auch dauernd welches lassen, denn die -ine (nur harmlose, keine Amphetam-) entwässern, machen durstig usw. Ich höre Zweiraumwohnung, Jens Friebe, Element of Crime, Erdmöbel. Denke über mein Verhältnis zum Wasser nach. Der weiße Hai ist übrigens ein sehr lustiger Film, schauen Sie sich den unter mit dem Vorsatz noch mal an. Der Polizeichef von Nantucket oder wie's da heißt schwafelt was von seiner besonderen Abneigung gegen Wasser. Das habe doch sicher irgendeinen medizinischen Namen, wird er gefragt. "Wasserscheu" antwortet er. Nachher muss er auf dieser Nussschale (wir raten richtig, welcher von den drei Freaks auf der Nussschale am Ende draufgeht) immer die stinkenden Fischabfälle vom Heck werfen, um den Hai anzulocken.

Ich bin also wasserscheu. Oder doch kaltwasserscheu. Oder zumindest scheu vor ungeplanten Wasserkontakten. Also nehme ich ein Boot zwischen mich und das Wasser, und alles ist in Ordnung. Deshalb falle ich ja auch nicht rein. Aus Feigheit.

Überfahre auf der Autobahn "La Galaure", fahrbar? Sie fehlt mir, sowieso, aber dann neben mir mit dem gelben "700 rivières"-Buch, um jeden Bach nachzuschlagen. Faba? "La Mauvaise", und "La femme sans tête" und "Le Sansfond" sind bestimmt nicht fahrbar, wohl aber Meuse, Marne, Moselle. Ich rechne jederzeit aus, wie der Wasserweg nach Anderswo wäre. Immer über die Rhone, den Rhone. Flussab in die Camargue, ein Stück über das Mittelmeer oder den Rhône-Sête-Kanal zum Canal du Midi, und von Villepinte kann man auch laufen. Von der Marne und der Mosel aus müsste man über den Canal de l'Est zur Saône, die mündet bei Lyon in den Rhone usw. Egal. Wäre keine schöne Tour.

Anrufen kann ich sie dann auch nicht mehr, um zwei Uhr, und das gelbe 700-Flüsse-Buch liegt im verliehenen Haus. An der Autobahn mal wieder ein Wasserscheide-Bild. Am Oberalppass in der Schweiz, wo wir neulich waren, entscheidet der große Verteiler, welcher Regentropfen durch Inn und Donau ins Schwarze Meer muss, in den Rhein Richtung Nordsee oder gleich über die Rhone zum Mittelmeer. Darf.

Mein Vater fragte uns im Auto ab: "Die deutschen MIttelgebirge und durch welche Flüsse werden sie geteilt?" Geografisches Denken in Flüssen. Es gab eine alte Tante an der Mosel. Vor der Regulierung, nach der Regulierung. Hochwassergeschichten.

Auf der Rückbank schlafen die Töchter. Ich bin seit letzten Herbst nicht hier gefahren.

Wie soll ich jemals wieder alleine einschlafen? Ich werde kompensieren und ein Boot kaufen. Boot is the new Objektive is the new Schuhe.

Cattenom.

Dienstag, 24. Juli 2007

Abreise

Der vorige Sommer war der heißeste. Ich bin froh, dass das Abschiednehmen nach einem halben Jahr nicht leichter geworden ist. Muss packen. Bloggen ein andermal wieder. Vielleicht morgen.

Dienstag, 3. Juli 2007

Expedition I & II

Expedition I

Zur Poste. Hat nur noch eine halbe Stunde auf, dann geht es vielleicht schneller.

Expedition II

Hierhin.

Ich melde mich hier für ein paar Tage ab, paddeln, klettern, wandern.

Mittwoch, 20. Juni 2007

Leseverhinderungsmeldung (Klagenfurt 2007)

Ich war also die Tage unglaublich beschäftigt und bin nicht zum Lesen gekommen. Ich musste mich bei ipernity einrichten, ein paar Freunde zum Housewarming dorthin einladen und meine Verluste am Riesenmaschinen-Aktienmarkt verfolgen. Zur Zeit gehöre ich zu den Top10-Traders, aber das ist nur meinem besonnenen Verhalten zu verdanken. Nachdem ich Silke Scheuermann an die Spitze gekauft hatte, habe ich alles mit einem Mausklick wieder abgestoßen. Aus Versehen.

Jetzt setze ich weiter wacker auf Albrecht (kann schreiben), Grill (verquirlt Eichhörnchen-DNA, deshalb Freak-Bonus), Marinic (hat das Wort entdeckt). Vielleicht möchte noch jemand einsteigen und die Kandidaten ein bisschen hochkaufen. Ich würde das dankbar zur Kenntnis nehmen.

Die am ersten Tag gewonnene Kohle habe ich natürlich gleich auf dem Feststoffmarkt angelegt. Was mich nämlich weiter beschäftigte war die Eingebung, dringend noch weitere Boote zu benötigen. Aufblasbare nämlich. Die vorhandenen sind superst, passen aber nicht in den Fahrradanhänger und sind für Wildgewässer zu lang. Ich brauchte schon ein paar Tage, die zehn erforderlichen Kaufargumente zusammen zu tragen, die die Ausgabe vor mir rechtfertigen sollten. Argumente sieben bis zehn sind ein unüberwindliches HABENWOLLEN. Argumente eins bis sechs dagegen sind sehr vernünftig.

Zwischendurch reiste ich noch in das im Volksmund (deutscher Reiseführermund) "Klein-Carcassonne" geheißene Dörfchen Camon, um dort ein Konzert zu singen. War supischnafte, ich vor allem. In der Kirche stand ein Leichenwagen, den ich Ihnen nicht entvorhalten möchte:

Camon, Ariège

Gestern dann schon wieder Probe, zum Lesen kam ich aber auch da nicht. Diese Franzosen können so ausdauernd durcheinander quasseln, dass man kaum noch zum üben kommt, nicht genau so durcheinander zu singen. Vor allem die Deutschen. Ach, das Alter macht unduldsam.

A propos Alter: Die Mongolière von nebenan kommt gerade weder zum Lesen noch zum Bloggen, denn sie bereitet eine runde Geburtstagsparty vor. Schaun Sie doch mal rein! Bestimmt passieren ihr in dem Zusammenhang wieder ein paar schöne Haushaltspannen. Jedenfalls läuft hier Tag für Tag irgendwelcher Besuch aus Deutschland ein, ab heute abend habe ich Einquartierungen.

Ich muss auch noch Säge üben.

So. Jetzt auf zum See. Lesen.

Sonntag, 17. Juni 2007

Scheißersatzdecoder

68 Erstes
34 Neun Live
35 N24
36 ZDF Doku
38 ZDF Theater
39 TV CH (da kommt gerade ARD-Presseclub)
40 Sat1 wechselt die Satellitenfrequenz und dann?
41 DSF
42 Kabel 1
43 Kabel
44 RTL
45 VOX (ich habe bei diesem Promidinner noch nie einen Promi gesehen)
46 Super RTL
47 ProSieben
48 RTL2
49 Eins Festival
50 ZDF info
51 Eins Muxx Da wird gepaddelt. Wildwasserzweier auf dem Spielplatz
52 MDR
53 ORB/rbb
54 Eurosport bleibt schwarz
55 rbb
56 KiKa, aber erst um 6_00 wieder
57 Eins extra
58 3Sat
59 ZDF (das haben ich eigentlich gesucht, gleich kommt Barnaby)
60 SWR
61 Phönix
62 Südwest B
63 Bloomberg
64 N3
65 BR Alpha
66 hessen fe
67 SR schwarz
68 Sabinsen
71 Bayern
150 Schwimmen im Stummfilm
205 Astra Vis französisch
207 arte (deutsch)
209 Homeshop

WO IST DAS KALMÜCKENFERNSEHEN?

Donnerstag, 7. Juni 2007

...

D'la fenêtre d'en haut
De la fenêtre du grenier
Où je vais étudier
La vie simple et tranquille
Loin de la ville
Nos enfants grandiront
Nous vieillirons

(Charles Trenet)

fenetre

Nach dem 12-Uhr-Läuten macht die kleine Glocke weiter. Das Totenläuten. Ältere Damen fahren in Kleinwagen vor und tragen Kuchen ins Nachbarhaus, eingewickelt in karierte Geschirrtücher. Wieder ein "Avis de Sepultre" an der herzförmigen Platane.

Fernand aus dem Nachbarhaus, zwischen dem Mongolierenhaus und meinem, hatte noch im Winter manchmal auf der Bank vor dem Haus gesessen, wenn die Sonne schien. "Pas chaud, hein?" Ab und zu ging er langsam ein paar Schritte aus dem Dorf hinaus. Setzte sich hier auf eine Treppenstufe, dort auf die Brückenmauer. Ruhte lange aus. Erhob sich mühsam. Tat wieder ein paar Schritte.

Er entschuldigte sich, wenn er nicht rechtzeitig auf seinem Posten vor dem Haus war, um den Ausparkenden anzuzeigen, ob die Straße frei war. Schon seit ein paar Wochen parke ich nun nach Gehör aus. Eines Tages hatte ein Krankenwagen mit einem kleinen Scheppern rückwärts gegen den Bordstein gesetzt. Fernand war wieder einmal gestürzt, wollte nicht mehr aufstehen, das Zittern, der Parkinson, die lähmenden Medikamente. Camille, seine Frau, konnte ihn nicht mehr versorgen. Seitdem nur noch die von der Straße eindringenden Neuigkeiten. Noch ein Schlauch, eine Sonde, eine Maschine.

"Noch zwei, drei Wochen", sagte Camille vor ein paar Tagen, das haben sie im Krankenhaus gesagt, und: "Je suis preparée". Vorgestern wurde alles abgeschaltet. Nein, das sei ja kein Leben mehr gewesen für Fernand, sagte sie, als wir heute morgen bises wechselten. "Je vous remercie", aber jetzt müsse sie noch schnell zur Post. Morgen ist Beerdigung. Wir werden vorher Blumen von einem Feldrand pflücken. Wird geklatscht werden?

Auf der Bank vor meinem Haus sitzen in diesem Sommer zum ersten Mal die Frauen, die es sich früher nur gelegentlich zu den Füßen der Männer auf dem Bordstein bequem machten.

Freitag, 1. Juni 2007

...

Paulus schrieb an die Apatschen: Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen.
(Robert Gernhardt)

Die herzförmige Platane hat über Pfingsten Blätter bekommen. Gestern morgen trug sie einen Anschlag, einen "Avis Sepultre". Man treffe sich um 15 Uhr auf dem Friedhof. Das Wetter schlägt am frühen Nachmittag um. Beerdigungswetter mit Dauerplatzregen. Tout Cenne ist auf den Beinen, zumindest alle Schirme des Dorfs. "Meine Schirme sind schon auf dem Friedhof", sagt die alte Madame S., die nur Mann und Sohn schickt. Ich stehe unter dem der Voisine Mongoliere, er ist schwarz. Dazu die Künstler- und Alternativen-Szene der Umgebung, Mitschülereltern. Viele schwarze Lederjacken, lange bunte Röcke. Der Verstorbene war der Gitarrenlehrer meines Sohnes. Mit seiner Band trat er auch auf den Dorffesten der Umgebung auf. Sein eigener Sohn geht mit der Vier in die Schule. Hirnschlag über Nacht.

Freunde tragen den Sarg, sie singen Chansons. Am Grab betet der Pfarrer den 23. Psalm. Wenn ich die Wortfetzen, die durch den Regen dringen, richtig verstehe. Nach einer längeren Pause klatschen alle. Beifall für den Toten? Eine freundliche Geste. Es wird geweint und gelacht, wie immer auf Beerdigungen. Immer wird auch gelacht. Ein Schwarzer singt alleine "Swing low sweet chariot".

Der Regen lässt nach, als wir auf dem Heimweg sind. Ich möchte, wenn ich tot gehe, auch in einem Dorf leben.

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