Kempowski
Alberto Balsam erinnert mich im Forum Höfliche Paparazzi an Walter Kempowski.B., mein Freund, war letzte Woche in Bergisch Gladbach bei einer Lesung, ich hab mir das gespart, Herr Kempowski hat keine gute Vorlesestimme, und ich hatte eine konkrete Vorstellung von der Zuhörerschaft. Es wurden wohl im Anschluss typische Fragen gestellt, wie: warum er das Echolot nicht mit Kommentaren versehen habe. Wenn die Russen im Autopsiebericht Hitlers einfach das Loch im Kopf verschweigen, da müsste man doch in eine Fußnote schreiben, dass das gar nicht stimmt.
Als fragte man Yves Klein, warum er nicht mal was schönes Braunes auf seine Bilder macht.
Bei aller Schrullig- und Nörgeligkeit über die Missachtung der Kritik -
Recht hat er schon. In letzter Zeit haben das ein paar junge In-Autoren
(Stuckrad-Barre in "Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft" und der ganz gute Gerhard Henschel) eingesehen. Kempowski konnte man lange nur unter vorgehaltener Hand gut finden, meint er, weil er die DDR nicht so gut fand. Oder reduziert auf Komödie, Zitate, Versatzstücke. Anders als der nur stellenweise amüsante subjektive Quatsch von später (Hundstage, Letzte Grüße) ist die "Deutsche Chronik" wirklich ganz große Literatur. Und das Echolot die Fortsetzung mit anderen Mitteln. Die einzige Geschichte, die er erzählen kann, ist seine eigene Geschichte. Und weil die erzählt ist, lässt er nun andere zu Wort kommen, das finde ich angenehm... demütig.
Renate lebt übrigens als Hundetrainerin in Californien.
sopran - Mi, 4. Mai, 09:39



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