Dom
"Weihrauch sparet nicht noch Myrrhe"*, so ohrwürmt es unablässig in meinem Kopf, dabei sitze ich zum Singen bereit: Doppelchörige Rheinberger-Messe, für die wir im "Hohen Dom zu Köln" zu schwach besetzt sind. Man sollte es für erhebend halten, das Singen im Dom, aber es ist ein Tort. Wie kriegen sie nur diese viele kalte Luft in das voluminöse Gebäude? Von draußen sicher nicht, sonst wäre es draußen wärmer. Und drinnen auch. Der ukrainische Mädchenchor ist in Tracht gekommen, mit Kniestrümpfen. Darüber Anoraks und Fellstiefelchen. Auch in Kiew wird es im Winter kalt sein. "Sind das die Maxim-Biller-Treter?" fragt mich der Bariton und zeigt auf meine neuen Stiefel. Ja, das sind sie, aber noch vor der Kommunion ist die Kälte durch die Felleinlagen in meine Füße gedrungen. Das Singen selber: Akustik mangelhaft, kein Nachhall, kein Vermischen, jeder singt allein. Dazu das enorme Grundgeräusch des Domes, zu dem sich alle Geräusche von außen (Weihnachtsmarkt, Hauptbahnhof, Domplatte) vermischen. Uns ist ein Liturgieberater zugewiesen worden, der uns Zeichen gibt, wann aufstehen, wann hinsetzen, wann Glaubensbekenntnis vorbeten.Im abschließenden Hirtenwort wird die Absicht erklärt, die Mission in Südamerika den Indios nun wieder mit "Fantasie und Engagement" beizubringen. Bis dahin hatte sich die katholische Kirche von ihrer harmlosen Seite gezeigt. Gegen "Macht hoch die Tür" lässt sich nun wirklich nichts sagen.
*Bitte raten Sie das Originallied in die Kommentare!
sopran - Mi, 19. Dez, 15:50



Weihnachtsmarktkrach geht grade noch. Hatten kürzlich einen russischen Sänger als Hintergrund für alle leisen Stellen und Pausen.
Habe versehentlich mal für Mission in Indien gebenefizt. Man kann ja dann nicht weg aus einem Chor, nur weil man vorher nicht zugehört hat.
Wir sahen neulich ein paar Golzow-Filme, und darin üben die Kinder mit dem Musiklehrer besagtes Lied. Immer wieder den Anfang.