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Tatort #675: Nachtgeflüster (WDR)

Zehn Jahre Köln-Tatort mit Schenk und Ballauf. Wenn da mal nicht ein paar Gestalten aus der Vergangenheit auftauchen. Ich werde sie nicht erkennen, weil ich das noch nicht so lang mit der Aufmerksamkeit verfolge. Achdoch. Die süße Anna Loos.

Wer jetzt lieber den Themenabend Jacques Tati (20.40 Uhr auf Arte) oder das über die Ost-Fotografinnen (21.15 Uhr auf 3Sat) sehen möchte: Nur zu. Ich erzähl das Ende weiter.

Es beginnt hübsch, Nachtaufnahmen von Köln, das Henkelmännchen (= Köln-Arena), der blaue Müllsack (= Musicalzelt am Bahnhof) usw. Tot im Auto: Klaus Martin aus Porz. Unter welcher Brücke? Mülheimer? Rodenkirchener? Prima Name schon mal. Eine Hundeausführerin führt zwanzig Hunde aus. Morgengrauen wohl, alles so gelblich. Mal wieder ein Bildkünstler am Werk, schöne Standbilder, komischer Weißabgleich. Werden Filme überhaupt weißabgeglichen?

Die Kofferraumperspektive auf die Polizisten und den Pathologen schick. Aber aus dem Kofferraum guckt ja keiner. Der Kollege Polizist Krauss ist tot. Autoradio läuft. Am Reihenhäuschen ein Fimo-Schild "Familie Krauss", aber keiner zuhauss. Und das Laub im Garten nicht gefegt, anders als auf den Nachbarhandtüchern. Familie wohl schon ausgezogen.

Äh, der Tote liegt nicht im Kofferraum, da lag nur die Uniform, aber die guckt ja auch nicht, und der hieß dann wohl nicht Klaus Martin sondern Krauss, Martin.

Der Tag schreitet fort, aber es bleibt gelblich. Liegt es am Herbst, oder ist der Fernseher kaputt?

Krauss hatte was mit einer Kollegin, Frau mit Kindern ausgezogen, Haus voll Mahnungen.
Wichtige Frage: Bier oder Bionade?
"Die ist doch ganz süß", würde ich jetzt über die Polizistin sagen, mit der der Tote was hatte, und wer würde zustimmen? The Vicar? Der Bass? Die Solosopranistin? The Vicar ist in England, die anderen noch in der Ukraine.

Sie war der Trennungsgrund, seit einem Dreivierteljahr waren sie zusammen, "so passiert", vor einem halben Jahr dann Frau und Kinder nach Berlin. An der Decke im Foyer (Polizeipräsidium? Das Echte?) hängen Riesenballonlampen eine ander anderen. Kleiner als in Ludwigs Museumscafé. "Wenn die runterfallen, titschen sie wieder hoch", sagte F. am Donnerstag, als wir die schlimme Balthus-Ausstellung sahen und dann viel zu spät die wunderbare aber viel zu eng gehängte Chargesheimer-Ausstellung entdeckten. So eine Hetze. Und schon ist wieder Nacht in Kölle. Da, das Renzo-Piano-Ei von Peek & Cloppenburg.

In der Pommesbude hört Ballauf dann im Radio bei "Melissa" (Westentaschen-Domina, nä, Domian) ein Geständnis. Verzerrte Stimme. "Der Polizist heute morgen, das war ich." Im Döner nebenan sitzt die Polizistin mit Schimscheck, dem Dönerfreund vom toten Krauss zusammen. Aber auf zum Sender: Freddy Schenk mal wieder Dreck am Stecken, wa? Blonde Haare auf dem Mantel, Frau denkt, er wär mit Ballauf unterwegs, Ballauf denkt, er wär zu Hause, Handy aus. Nein, schon im WDR Sender. 18. Stock, hat der WDR sowas? Im WDR würden sie Paternoster fahren, das ist doch viel schöner.

Ballauf macht sich mit Melissa durch die Tiefgarage davon. Wieder alles total gelb. Flirten im Auto rum. Psychogerede. Melissa hat sich schon mal verfolgt gefühlt. Dann Blitzlicht und Foto im Express. Nächster Morgen: Immer noch gelblich. Schimscheck fettes Auto (Benz) und Dreck am Stecken.

"Der Ömer", sagt Freddy schon. Ich könnt hier auch mal vom echten Ömer erzählen, dem Paten der Bonner Altstadt. Andermal vielleicht. "Dä Kalif is widder do", sagt die Pommeswirtin von nebenan. Ah, der Kalif von vorn!

Kommissarin Anspann heißt die Freundin vom Toten.

Freitagabend soll Ballauf sich freihalten, sagt der Chef, Gespräch unter vier Augen. Ich tippe auf Überraschungsparty, die Schenk mit plant. Aber woher das blonde Haar?

Schwanger, die Frau Anspann.
Ich geh jetzt mal zum Kühlschrank und entscheide dort.
"Ah, Du bist's", säuselt Schenk ins Handy. Haha, seine Frau, pah. "Ich Dich auch", hätte noch gefehlt.
Jetzt habe ich eine Weile nicht aufgepasst. Im Rss-Feed einen Kempowski-Nachruf gelesen, der mich aufgeregt hat, darüber nur Bruchstücke mitbekommen. Wie der Schimscheck verhaftet werden soll und vors Auto rennt, irgendeine wichtige Aussage macht. Jetzt wird die Dienstwaffe im U-Bahnhof Hahnenstraße im Schließfach gefunden.

Kann mal gerade einer hier Klarheit schaffen oder sind Sie alle drüben bei Monsieur Hulot?
Frische Schmauchspuren, keine Fingerabdrücke. Wo ist die Telefonsäule, an der Schenk und Ballauf zu spät ankommen? Am Kaiser-Friedrich-Ring? Der vorgebliche Täter ruft jeden Abend bei Melissa an. Und jetzt wissen sie, dass auch das Opfer bei Melissa angerufen hat. Wer ist denn die kühle Programmtante? Die hat auch Dreck am Stecken. Die will nicht, dass es der Martin ist. "Woher wollen Sie denn wissen, dass es der Martin ist?"

Hat der Martin da also angerufen, besoffen, jammert über seine Schulden, sagt, er würde sich besser die Rübe wegpusten. Der reagiert ungehalten und "das werden wir ja sehen", als Melissa nicht mehr mit ihm reden will und ihn dem Psychotelefon überstellen will. Nana, wenn da mal nicht einer vom Sender drinhängt. Da läuft doch was.

Ich weiß übrigens immer noch nicht, wer's war. Also allenfalls die Programmtante. Die sieht der tollen Exsexsüchtigen aus "Six feet under" ähnlich. Drum. 21.12 Uhr, ich bin spät dran heute.

Ermitteln durch Alleinunfall in der Tiefgarage: Schenk fährt einen Kratzer in sein Auto. Krauss hatte genau so einen Kratzer am Wagen. In der Tiefgarage vom Sender erschossen. Sich selbst vermutlich. Und wer hat dann das Auto an den Rhein gefahren? Ich sachdoch, die Programmtante. Melissa war's nicht. Der ist wohl vorbeigekommen. "Claudia hat den übernommen". Sixt.
Oder Henrik, der Olm aus dem Schallarchiv? 40.000 Platten? Falco, Der Kommissar. Olle Mutter, plaudert, der ist wohl der Stalker.

Ärger. Hätte ich auch vorher drauf kommen können. Immer alle Figuren im Auge behalten. Gut, dass ich nicht zur Polizei gegangen bin. Weiter als "Allgemeine Verkehrskontrolle, stellen Sie bitte den Motor ab", hätte ich es wohl nicht gebracht.

"Nichts ist so süß und nichts brennt so heiß, wie heimliche Liebe, von der niemand was weiß", zitiert Schenk, kundig? Gephotoshoppte Urlaubsphotos von den beiden am Strand, wie süß. Und wer ist das jetzt mit der Kugel im Kopf in des Stalkers Duschkabine? Noch lebend. Claudia.

Der Archivolm überfällt Melissa im Frauenklo. Auf Sendung über Handy. Das zieht sich ein bisschen. Was machen sie nur die nächste Viertelstunde. Das wird eine langweilige Sendung. Sie soll sich entschuldigen, aber wofür? Ihn wahrscheinlich mal im Radio abgebügelt. Jetzt küsst er sie doch nicht, puh. Und ich hab immer noch nichts zu trinken. Filmt mit seinem Handy. Sie weint. Wieder köln bei Nacht. Lufthansa, Henkelmännchen, Freddy in den Katakomben. Aus dem Turnkeller rauf aufs Hochhausdach, Pistole an Melissas Nacken, immer noch alles gelb. Ob es vielleicht doch der Fernseher ist? Das zieht sich. Aber ein paar Minuten haben wir ja auch noch für die Überraschungsparty.

21:36 Uhr, grafisch ganz gelungenes Klettern auf Diagonalen. Alles so schön gelblich hier. Und der graue Schenk davor. Was für ein Turm ist das? "NRR Nachrichten" steht drauf. Ich kenn doch das Hochhaus. Mhmh.

Ha! Wer hat's gesagt? Claudia hatte die Idee, die Leiche wegzuschaffen. Egal.

Ballauf jetzt Termin beim Staatsanwalt. Doch wohl nicht in der hässlichen Staatsanwaltschaft am Justizpalast. Wo feiern die? Im "Spät", na, die machen Scherze. Brüllerkracherscherz. Im SPÄT, man höre, Spät, japs, giggel, spät wie ächz, isch kannemie,


früh



Und dann singt auch noch Anna Loos.



Um 22 Uhr kommt die zweite Folge von "Heißer Verdacht" mit der wunderbaren Helen Mirren als alkoholkranke Kommissarin kurz vor der Pensionierung.
arboretum - So, 7. Okt, 21:58

Dass es der hässliche Praktikant war, war mir ziemlich bald klar. Hat man auch an der Sprechweise gehört. Dass das ganze aber die Idee der seltsamen Senderedakteurin war, darauf war ich nicht gleich gekommen.

Den Plakaten mit den orange-blauen Streifen nach zu urteilen, haben sie das im Deutschlandfunk gedreht, oder?

sopran - So, 7. Okt, 22:05

Sie haben ja so Recht! und streuen Salz in meine Unaufmerksamkeitswunde in Sachen Archivolm. Wie konnte ich den nur übersehen? Wegen Kempowski? Oder wegen Dehydrierung? Jetzt hole ich mir aber wirklich was zu trinken. Trotz Helen Mirren.
arboretum - So, 7. Okt, 22:34

Hätte ich mal lieber die Doku über Ostfotografinnen geschaut, deren Ende ich auf Ihren Hinweis hin noch gesehen habe.

Über dieses "bestürzt" in jener dämlichen dpa-Meldung bin ich auch gestolpert, als hätte ihn der Tod aus heiterem Himmel ereilt. Hat mich auch ein bisschen gewundert, dass der Tagesspiegel diese Meldung nicht besser redigiert hat, schließlich brachte er neulich einen sehr langen Nachruf.
blue sky (anonym) - So, 7. Okt, 22:10

Ihre Tatort-Live-Berichterstattung färbt langsam ab. Ich habe mich gegen 21:15 dabei erwischt, auf die Uhr zu gucken und Bilanz zu ziehen (mit dem Tontechniker als neuem Favoriten) und zu denken: Wie füllen die jetzt noch die restliche Zeit? Ich glaube, dieses digitale Drehen an der Farbsättigung nennt sich color grading, scheint ein immer beliebteres Spielzeug zur "Stimmungsmache" zu werden - so penetrant wie heute war's aber selten.

Frau B (anonym) - So, 7. Okt, 22:39

bitte helfen Sie mir, ich bin über die Schließfächer gestolpert.
Wo bitte sollen die gewesen sein, wo es doch so modern hergeht im Hauptbahnhof, alles automatisch heutzutage.

sopran - So, 7. Okt, 23:13

Da hatte ich leider gerade überhaupt nicht aufgepasst, etwa die fünf Minuten vorher. Ich sah nur in der Nähe dieses Schließfaches das "Hahnenstraße"-Schild.
kaltmamsell (anonym) - Mo, 8. Okt, 10:50

Wenn das so weitergeht, beginnt der Tatort-Showdown in zwei Jahren direkt nach dem Fund der Leiche. Vielleicht sollte man das Format auf 60 Minuten kürzen. Und nächtliche Radiobeichtsendungen sind als Krimihintergrund ja wohl sowas von 1991 (besser als The Fisher King word das halt nicht).
(Ich hatte auf den Praktikanten gesetzt, weil mir die Kamera ihn derart ins Gesicht schubste.)

erasmus von meppen (anonym) - Di, 9. Okt, 11:52

Beim Vorspann dachte ich: "O weh, schon wieder so ein grünstichiges Gewürge mit Claudia Michelsen drin! Das kann ja nix werden." Ich habe nämlich vor kurzem eine Wiederholung eines Tatorts gesehen, in welchem die Claudia Michelsen ihr Baby verklappte und Manfred Zapatka mal wieder das Familienschwein geben musste. Das war einer der fürchterlichsten Tatorte, die ich je gesehen habe! Ballauf und Schenk auf verlorenem Posten in dieser aufgeblasenen Inszenierung.
Gemessen daran schien dieser Tatort fast gut zu sein, obwohl er an sich ziemlich scheiße war. Frau Michelsen möge mir verzeihen, aber wenn ich sie sehe, könnte ich augenblicklich den Fernseher zertrümmern. Wenn sie dann auch noch spricht mit ihrem aspirierenden Flüstern, da könnte ich eine Atombombe zünden. Die beste Tat des Abends war also, daß der Praktikant, den jeder - außer Frau Sopran, die durch Kempowskis Hinscheiden abgelenkt war - sofort als Täter identifizieren konnte, der Michelsen eins über die Rübe gegeben hat, wie der Fidelbär dem Quasselkasper aus Lari Fari Mogelzahn. Leider hat sie überlebt. Ich mußte also bis zum Schluß befürchten, daß sie noch was sagt bzw. flüstert.
Ich habe übrigens um 21 Uhr 05 schon gedacht, der Krimi sei spätestens in 10 Minuten zuende.
Und Anna Loos finde ich nicht süß, sondern ziemlich unattraktiv. Bevor sie anfing zu singen, habe ich weggeschaltet. "Es wird nicht mehr gesungen", hätte ich am liebsten mit Gerda Gmelin als Evelyn Hamans Mutter in Loriots "Pappa ante portas" gerufen.
Da lobe ich mir aber den Tatort mit Doktor Specht von 2003, der vor ein paar Tagen im Dritten wiederholt wurde. Der war richtig gut. Kaum zu glauben, aber wahr.

Tatort

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Trackbacks zu diesem Beitrag

49 Suns - Mo, 8. Okt, 10:06

Tatort - Macht des Kartells AKA Nachtgeflüster

Oha, der gestrige Tatort war ein... [weiter]

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