Vor-Lesen 2007, Andrea Grill: "Der gelbe Onkel"

Andrea Grill also, aus Österreicht, mit ihrem "Familienalbum". Und so ist es auch. Die Kapitel heißen "Meine Großmutter, das Schaltentier", "Tante Lulja in Europa" oder eben "Der gelbe Onkel". Nachbarn gibt es auch und Hausfreunde und einen Friseur. Sie haben kleine Macken, die sehr liebevoll und mit sprachlicher Sorgfalt beschrieben sind. Manchmal bin ich verwirrt: Welcher Großvater hat denn nun das Halma ausgesägt, der echte oder der andere? Wer hat nochmal eine spanische Frau, der Freund des Hauses oder der befreundete Neffe? Da wünsche ich mir mehr Übersicht. Wer ist denn nun wie mit wem verwandt? Und wie steht der Ich-Erzähler, die Ich-Erzählerin zu diesen Menschen? Das erfahre ich mal, dann freut es mich, aber nicht immer, dann rätsle ich, was ich nicht gerne tue, wenn nicht im nächsten Heft oder am unteren Seitenrand in umgedrehten kleinen Buchstaben die Auflösung steht.
Insgesamt ist das ein schönes Buch mit freundlichen kleinen Porträts, die für meinen Geschmack aber etwas knackiger ausfallen könnten. Mehr Details, Namen, Orte? Ich weiß es auch nicht. Es war ohnehin viel zu heiß draußen im Liegestuhl, ich schaffte nicht einmal die Kirschen, und als ich das Buch zugeklappt hatte, fiel ich in mein Bett und schlief eineinhalb Stunden. Erwachte nur einmal, weil ein kleines Mündchen mir auf eine Stelle am Rücken küsste, wo manche Frauen ein Arschgeweih haben, und ein kleine Händchen mir das Leibchen über diese Stelle zog.
Andrea Grill hat übrigens ihr Video-Porträt inzwischen nachgeliefert. Sie forscht in Bologna über Eichhörnchen. Einwandfrei.
Film hier
sopran - Sa, 9. Jun, 20:10



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