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Vor-Lesen 2007, Björn Kern: "Kipppunkt"

Bloggen 4

Das Exemplar, das ich über "amazon Marketplace" für einsfuffzig bekommen habe, ist am 13.12.06 aus der Stadtbibliothek Eppelheim ausgeschieden. Das sagen die Stempel auf der Innentitelseite. Taschenbuch, 2001.

Björn Kern hat das mit Anfang 20 geschrieben, und er hat um die Geschichten aus der provencalischen Alten- und Irrenanstalt, in der er seinen Zivildienst ableistet, eine Gerichtsgeschichte und eine Liebesgeschichte und eine Verrücktwerdensgeschichte gestrickt. "er" ist, so mutmaße ich, der Ich-Erzähler und der Autor. Die Geschichten aus dem Heim sind dreckig, traurig, empörend und ganz schön. Schlicht erzählt, ohne besondere sprachliche Kunstfertigkeit, eher nachlässig. Dieses blöde "nicht wirklich" zum Beispiel, oder mit wegen dem Dativ zu nutzen. Es liest sich aber ganz flüssig. Hübsch, wie er eine Altersheim-Geschichte einmal seiner Freundin erzählt. Die will sie nicht zu ende hören. Und dann erzählt er sie später noch mal ganz.

Essenz des Buches scheint mir zu sein: Das ist alles zu viel für einen 19-Jährigen. Und um das zu zeigen, lässt Björn Kern seinen Helden nun saftig durchdrehen. Das wird dann manchmal echt zu fett. Schlimm: Der Held erzählt in einer Mittags-Talkshow über seinen eben misslungenen Selbstmordversucht. Traum? Phantasie? Egal. Überflüssig. Er muss immer erzählen: Seiner Freundin Anna, die das irgendwann nicht mehr aushält, einer Ärztin im Krankenhaus, dem Gericht. Seltsame Vorstellungen über den Ablauf eines Strafprozesses nach Jugendstrafrecht. Fünf Jahre Jugendhaft für einen offenbar verwirrten 19-Jährigen? Pfff.

Fazit: Der Autor hat zu wenig Distanz zu seiner Figur. Um den unerträglichen Zivildienst und die Probleme damit zu schildern, hätte viel weniger drumrum genügt. Ich bin gespannt, was aus dem Jungen geworden ist, und wie er heute schreibt.

Ich hab's heute nachmittag auf dem Bett durchgelesen, zwischendurch Flieger gefaltet, und jetzt findet am Fußende gerade ein Theaterstück mit einem Schaf und einem Krokodil statt.
Julie (Gast) - Sa, 9. Jun, 18:00

Immerhin scheint es eine Essenz zu geben. Zwicky und ich wir konnten heute nicht zusammen finden, schon gar nicht in einer Essenz. Ganz vielleicht noch bei seinen Miniaturen (kann daran liegen, dass die kurz sind und man es rasch bewältigt hat). Ich frage mich was und wie das in lang wird.

Bachmann 2005 2006

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