Vor-Lesen 2007, Michael Stavaric: stillborn

Michael Stavaric, stillborn
Wie beim Tatort, wenn ich schon um 20 Uhr 26 weiß, wer's war, denke ich auch hier seit Seite 20 über Abschalten nach. Vermutlich hat doch die Maklerin selber die ganzen Wohnungen angezündet. Aber ehrlich gesagt: Es interessiert mich gar nicht. Eine anstrengende Ich-Tirade, die Frau spinnt, ganz klar. Spinnt gefährlich. Ich mag die Sprache nicht. Vor allem mag ich die vielen Kommata nicht. Der Autor tut alles, um noch mehr und mehr Kommata unterzubringen. Trennt das Subjekt durch ein vom ("Klara, hat Schluckauf..." - "Klara, öffnet die Tür,...). Kann man mal machen, aber dauernd? Das soll wohl sowas Gehetztes, Zerrissenes, Beklopptes vermitteln. Nur wenig eleganter missbraucht er das unschuldige "da", um weitere Kommata unterzubringen: "Manchmal, da bin auch ich schwach". usw. Oder sowas: "Ich verlasse das Büro, lauf zum Auto, das Auto, es ist rot."
Ich mag die Frau nicht, ich mag Wien nicht, ich mag solche Frauen in Wien nicht, das ist so Jelinek. "Atme, lebe, atme", sagt sie immer, damit sie's nicht vergisst.
Vielleicht kunstvoll, bestimmt modern. Auf die Gefahr, dem Buch Unrecht zu tun, klappe ich es bei Seite 44 zu und gehe paddeln. Vielleicht im Winter nochmal. Nicht bei dem Wetter.
sopran - Fr, 8. Jun, 21:19


