Schweiz, Anreise
Kaum genug zu preisen ist die Schweiz. Dort, wo graue Kühe auf grünem Rasen grasen, wo die Autobahnklos aus purem Gold sind und der Kaffee überall schmeckt, findet die Seele die Heimat, die Ruh. Fraglos eine selige Insel.An der Grenze gibt mir eine junge Dame eine lilla Vignette und fünf Franken Begrüßungsgeld. Genf ist ein Freilichtmuseum der Siebziger, jedenfalls, soweit man es von der Autobahnumfahrung aus sieht. Südfrankreich hatten wir zügig durchquert und darum beschlossen, den natürlichsten und kürzesten Weg in die Rheinschlucht zu nehmen: Auch jenseits des Genfer Sees die Rhone stromaufwärts (vorher streiften wir nur die Camargue, wo sie mündet, querten sie in der Provence...), den Rotten, den letzten Autoverlad durch den Furkatunnel erwischt, über dem die Rhone entspringt, weiter zum Oberalppass, wo der Rhein entspringt, der Rein, dann an diesem stromabwärts entlang bis zum Camping Carrera. Dass ich mich bei allen Wegen immer an Flüssen orientieren möchte, so welche da sind. Seltsame Erkenntnis, dass das nicht allen Menschen so geht.
Am Genfer See erkennt man sehr schön die Erdkrümmung im Wasser. Nicht einmal von der höher gelegenen Autobahn bei Chateau Chillon aus sieht man bis ans andere Ende. Irgendwo in der Mitte treffen sich Wasser und Himmel, und die Ufer verschwinden. In meiner lange zurückliegenden Jugend umrundete ich den bananenförmigen See (umbanante ich den langgestreckten See) in einem Ruderboot, anlässlich der längsten Ruderregatta der Welt. 160 km in 15 Stunden. Warum nur?

Die Autobahnraststätte San Bernardino ist ein gesegneter Ort schweizer Dienstleistungsmentalität. Man kann sich das Steak aussuchen, das man sich braten lässt und überhaupt bei der Zubereitung aller Speisen zusehen, ohne sich gruseln zu müssen. Die Mahlzeiten nimmt man auf einer Art Schiffsdeck auf dem Wasser zu sich. Ringsum Berge. Matterhorn nicht weit.
Vorbildliche Automatenausstattung:

Fehlt nur der Schacht für Taschenbücher. Meinetwegen statt Kondome.
Wir folgen der Rhone durchs Wallis, Mangelerscheinungen: Wenn man Zeit hätte, könnte man... z.B. die Seilbahn zur Riederalp nehmen und einen Blick auf den großen Aletschgletscher werfen. Die Furka-Bergstrecke mit der alten Eisenbahn fahren. Klettern. Wandern. Eine Fahrradtour ins Binntal machen. Die Schöllenenschlucht ansehen. Oder wenigstens den Oberalppass im Hellen sehen. Wir erreichen den letzten Autoverlad am Furka.

(Im Tunnel ist es nun einmal dunkel)
Im Dunkeln Richtung Rheinschlucht, Carrera finden. Auf dem Campingplatz alles sehr ordentlich. Uns ist eine Aussichtsplattform zugewiesen worden, per Holztäfelchen an Pflock. Sieht aus wie Friedhof. Die Plattform ist ein Abfallprodukt aus dem Autobahnbau, geschickt kaschiert mit einer dünnen Grasdecke. Hubbelfrei und waagerecht. Ein kleiner Presslufthammer wäre gut zum Einführen der Zeltnägel. In der Nacht Gewitter. Blitz und Donner treffen sich über uns, ein schöner Wiederhall im Tal.
Am Morgen dies.

Fortsetzung folgt: Paddeln mit Bibi und Tina.
sopran - Sa, 2. Jun, 09:21



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