Klagenfurt 2007, kleine Vorwehen
Mein google Alert schickt mir leider noch nicht die erwählten Autoren, aber ein nicht Erwählter schimpft schon mal los: Jetzt auch dpa, z.B. in "Aktuelle Buchnachrichten.Auf Valentins Internetseite stößt der Abgewiesene "eine Diskussion an":
"Sehr geehrter Herr Valentin,
haben Sie besten Dank für Ihren Text, mit dem Sie sich um die Teilnahme am Bachmann-Preis bewerben. Ich kann Sie leider nicht nominieren, weil ich schon anderweitig im Wort bin."
Der Bettina von Arnim-Preis, den ich 1999 erhielt, ermutigte mich auch deswegen zu meiner literarischen Karriere, weil meine Erzählung "Der Taubenturm" unter 5500 Bewerbern von der Jury ausgewählt wurde. Ich finde es schade, dass der Ingeborg Bachmann-Preis diese Funktion für Autoren nicht erfüllt, wenn laut Bekunden der Jury gar nicht alle Beiträge gelesen werden.
Gerade das gefällt mir am "Bewerb": Für jeden eingeladenen Autor, für jeden vorgelesenen Text muss ein Juror persönlich geradestehen. Wenn der Text durchfällt, bekommt auch der Einladende seine Packung.
Und, Herr Valentin: Jeder Autor hat neun Chancen, er kann nämlich bei jedem der neun Juroren einen Text einreichen. Milchmädchengerechnet hat er sogar 18 Chancen, weil jeder Juror zwei Autoren einladen darf. Ob der Juror nun seine Praktikantin einlädt oder Günter Grass, das bleibt ihm selber überlassen (beide müssten aber zumindest eine Verlagsempfehlung vorlegen und schon einmal etwas veröffentlicht haben). Nirgendwo steht, dass die Juroren alle Einsendungen lesen müssen. Sie müssen ihre Kandidaten nicht einmal unter den Einsendern auswählen, die Auswahl kann auch auf der Besetzungscouch vorgenommen werden. Iris Radisch zum Beispiel hat im Interview schon einmal angegeben, sie lese überhaupt keine eingesandten Texte, sondern spreche Autoren direkt an, ob sie nicht mal was für Klagenfurt machen wollen.
Am Ende kommt's eh raus: Die Juroren müssten schon sehr abgebrüht sein, um einen Text vorzustellen, von dessen Güte sie nicht selber überzeugt sind. Wenn ein Text es wirklich wert ist, wird er seinen Weg schon machen. So wie im letzten Jahr.
Stephan Valentin ist Kinderpsychologe und hat gemeinsam mit Eva-Prinzip Hermann ein Buch des Titels "Mein Kind schläft durch" verfasst. 1999 gewann er den "Bettina-von-Armin-Preis" der Brigitte, ist ja nicht das Schlechteste. Dort wird, soweit ich weiß, anonym gewertet.
bachmannpreis tage der deutschsprachigen literatur klagenfurt 2007 ingeborg-bachmann-preis
sopran - Di, 15. Mai, 11:41


