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Klagenfurt 2007, kleine Vorwehen

Mein google Alert schickt mir leider noch nicht die erwählten Autoren, aber ein nicht Erwählter schimpft schon mal los: Jetzt auch dpa, z.B. in "Aktuelle Buchnachrichten.Laut "Stuttgarter Nachrichten" und wohl auch Focus von gestern (Text nicht kostenfrei im Netz) hat Stephan Valentin am Einsendeschlusstag (16. Februar) schon eine Absage von "Ich-hab-das-mal-nachgeschlagen"-Corino erhalten. Seinen Text hatte er zwei Tage zuvor eingereicht.

Auf Valentins Internetseite stößt der Abgewiesene "eine Diskussion an":

"Sehr geehrter Herr Valentin,
haben Sie besten Dank für Ihren Text, mit dem Sie sich um die Teilnahme am Bachmann-Preis bewerben. Ich kann Sie leider nicht nominieren, weil ich schon anderweitig im Wort bin."

Der Bettina von Arnim-Preis, den ich 1999 erhielt, ermutigte mich auch deswegen zu meiner literarischen Karriere, weil meine Erzählung "Der Taubenturm" unter 5500 Bewerbern von der Jury ausgewählt wurde. Ich finde es schade, dass der Ingeborg Bachmann-Preis diese Funktion für Autoren nicht erfüllt, wenn laut Bekunden der Jury gar nicht alle Beiträge gelesen werden.


Gerade das gefällt mir am "Bewerb": Für jeden eingeladenen Autor, für jeden vorgelesenen Text muss ein Juror persönlich geradestehen. Wenn der Text durchfällt, bekommt auch der Einladende seine Packung.

Und, Herr Valentin: Jeder Autor hat neun Chancen, er kann nämlich bei jedem der neun Juroren einen Text einreichen. Milchmädchengerechnet hat er sogar 18 Chancen, weil jeder Juror zwei Autoren einladen darf. Ob der Juror nun seine Praktikantin einlädt oder Günter Grass, das bleibt ihm selber überlassen (beide müssten aber zumindest eine Verlagsempfehlung vorlegen und schon einmal etwas veröffentlicht haben). Nirgendwo steht, dass die Juroren alle Einsendungen lesen müssen. Sie müssen ihre Kandidaten nicht einmal unter den Einsendern auswählen, die Auswahl kann auch auf der Besetzungscouch vorgenommen werden. Iris Radisch zum Beispiel hat im Interview schon einmal angegeben, sie lese überhaupt keine eingesandten Texte, sondern spreche Autoren direkt an, ob sie nicht mal was für Klagenfurt machen wollen.

Am Ende kommt's eh raus: Die Juroren müssten schon sehr abgebrüht sein, um einen Text vorzustellen, von dessen Güte sie nicht selber überzeugt sind. Wenn ein Text es wirklich wert ist, wird er seinen Weg schon machen. So wie im letzten Jahr.

Stephan Valentin ist Kinderpsychologe und hat gemeinsam mit Eva-Prinzip Hermann ein Buch des Titels "Mein Kind schläft durch" verfasst. 1999 gewann er den "Bettina-von-Armin-Preis" der Brigitte, ist ja nicht das Schlechteste. Dort wird, soweit ich weiß, anonym gewertet.

bachmannpreis tage der deutschsprachigen literatur klagenfurt 2007 ingeborg-bachmann-preis
isabo (anonym) - Mi, 16. Mai, 14:50

Najaaa - theoretisch hast Du sicher recht, aber es ist doch nur verständlich, dass man sich verarscht fühlt, wenn es heißt, man könne sich bewerben, und dann zur Antwort bekommt, der Keks sei längst gegessen und die Jury lese die Beiträge gar nicht erst. Oder auch nur ein Jurymitgleid. Dann hätte man sich die Arbeit mit der Bewerbung nämlich auch schenken können. Man könnte wenigstens die Jurymitglieder, deren Kandidaten schon feststehen, von der Liste streichen o.ä.

(Und dass er was mit der Prinzipientante gemacht hat, tut da gar nichts zur Sache.)

sopran - Mi, 16. Mai, 17:34

Stimmt, hat wirklich nichts damit zu tun. Aber hier ist ja nicht Kaufzeitung, polemisier ich mal ein bisschen. Corino sagt dazu übrigens, er nehme sich durchaus die Zeit, alle Texte zu lesen. Der Mann ist so gründlich, dass ich ihm das sogar glaube. Wenn der Text ihn umgehauen hätte, hätte er vielleicht anders geantwortet.
reni (anonym) - Do, 17. Mai, 09:01

Hallo,

es stimmt, in den Regeln des Wettbewerbs steht, dass es jedem Autor frei steht, sich zu bewerben. Bis jetzt habe ich noch keinen Wettbewerb gesehen, bei dem man gezwungen wird, teilzunehmen. Wenn Herr Corino so gründlich wäre, dann hätte er sich bestimmt einen Text unter allen ihm zugesandten Einsendungen ausgesucht. Auch wenn ihn Valentins Text "umgehauen" hätte, hätte er ja gar nicht mehr positiv antworten können, sein Wort hatte er ja schon vergeben. Und das ist die wirkliche Schweinerei. Aber so wird mit Autoren umgegangen und es zeigt mal wieder, dass im Grunde die Jury sich nur profilieren will. Den Preis könnte also nur ein Autor gewinnen, wenn er ein Jurymitglied persönlich kennt oder wenn ihn sein Verlag pushed. Wettbewerb - das ist wirklich zum Lachen.
sopran - Do, 17. Mai, 16:56


reni (anonym) - Do, 17. Mai, 17:05

Du befürwortest also das Vorgehen der Jury. Wahrscheinlich würdest Du anders reden, wenn Du selbst einen Text eingesandt hättest. Ich gebe nur einen Rat an alle Autoren: Spart Euch die Zeit, eine Story für den Bachmann-Preis zu schreiben. Die wandert eh in den Papierkorb. Am besten sich bei der Jury einschleimen. Da hat man größere Chancen auf eine Teilnahme.
sopran - Do, 17. Mai, 18:05

Stimmt, ich befürworte. Aus Zuschauersicht. Und stimmt, wenn ich abgelehnter Autor wäre, würde ich so nicht reden. Sondern wahrscheinlich gar nicht.

Die Qualität der Texte war im letzten Jahr bis auf ein, zwei Ausreißer nach unten sehr gut. Als Laie meine ich: Einschleimen genügt nicht, einen schlechten Text unterzubringen. Und die mir bekannten Teilnehmer der letzten Jahre hatten nicht geschleimt. Die Juroren stehen in der Diskussion für "ihren" Autor gerade, das ist ihnen auch jederzeit bewusst. Und genau das ist die Gewähr für eine gewissenhafte Auswahl, wie auch immer die getroffen wird. Als Beobachterin gefällt es mir, dass die Auswahl nicht ausschließlich aus den Selbstmeldungen getroffen wird. Die Bandbreite (geschmacklich und qualitativ) ist bei dieser knallharten Subjektivität einfach besonders groß. Das macht Klagenfurt erst spannend.

Buchpreis, Bettina-von-Armin etc. schön und gut. Klagenfurt hat als einziges Ereignis wirklich etwas zu bieten für den interessierten Beobachter. Und das liegt auch am Reglement.
mikel (anonym) - Sa, 19. Mai, 22:16

Was mich schon immer mal interessiert hätte: Was macht man als Zuschauer-Hörer eigentlich dort?
Was ist das spannende daran? Ich empfinde es immer als peinlich, dass der Autor nix sagen darf und dann labern da irgendwelche Typen, die sich benehmen, als säßen sie am Lagerfeuer des germanistischen Oberseminars und warten auf den Messias..

Ich finde es abgefahren und gut, wenn Du so etwas machst, aber ich verstehe es nicht. Ich meine Kärnten aht was und auch viele gute Autoren und Quintenquartette, aber die Radisch und Konsorten, wie erträgst Du das?

NEUGIER, sonst nix treibt mich dies zu fragen. Tschulligung!

sopran - So, 20. Mai, 12:36

Was der Zuschauer dort macht? Keine Ahnung, im Theater bei den Lesungen treffen sich glaube ich Jahr für Jahr die selben älteren Damen. Plus Literaturmischpoke, Agenten, Menschen von Verlagen.

Was ich da mache? Urlaub. Leute treffen. Strandbad, Strigl-Bier und Mehlspeisen.

Vor drei Jahren geriet ich in einen Chat, in dem wir zu dritt über Pupse amokassoziierten. Einer der Kollegen erwähnte, dass er am folgenden Tag nach Klagenfurt reisen werde, zum Vorlesen. Ich verfolgte seine Lesung dann zu Hause am Fernseher. Dazu kommentierendes Weiterchatten, private Berichte aus Klagenfurt. Ich blieb vorm Fernseher sitzen, so lange ich konnte, druckte mir die Texte aus etc. Vor zwei Jahren fuhr ich selber hin, vor allem, um Leute zu treffen. Kärnten ödet mich ebenso an wie dieser See, aber bei schönem Wetter ist es ja überall super. War schön, also fuhr ich 2006 wieder hin. Wieder um Leute zu treffen. Besonders spannend für mich, dass Kathrin Passig dabei war, die ich 2005 in Klagenfurt kennen gelernt hatte.

"Radisch und Konsorten": Die kommen natürlich in Natur alle voll sympathisch rüber und sind auch viel kleiner, als man denkt. Lagerfeuergespräche finde ich super.

Die Autoren dürfen etwas sagen. Die wenigsten tun es. Warum auch? Sie haben ja einen Text abgegeben. Und die Juroren reden nur über das, was sie aus dem Text lesen. Erklärungen wie: "Sie müssten halt den ganzen Roman kennen" oder "gemeint war..." sind da eher peinlich.
Bachmann 2005 2006

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