Chœur #1
Ich habe eine Schwangerschaftsvertretung in einem anderswoischen Chor angenommen und mich gestern zum ersten Mal in die Probe getraut. Wie es hier im Süden so üblich ist, heißt 20.30 Uhr Probenbeginn natürlich nicht, dass die Probe um 20.30 Uhr beginnt. Ab halb neun stehen nach und nach die ersten Freaks vor der Tür. Ein Ire, ein Belgier, ein Pfälzer, eine Amerikanerin, eine Chinesin, ich. Ein paar von ihnen sprechen drolliges Deutsch, andere ein Französisch, das meinem drolligen Französisch nur noch entfernt ähnelt. Daraus schließe ich, dass sie schon länger hier sind.Gegen neun ist ein passender Raum gefunden, Stühle aufgebaut, ein E-Piano angefeuert, der Chorleiter da. Man kann beginnen: Mit Bises für Alte und Neue, Genesene Zurückgekehrte, frischegebackene Ex-Schwangere, ein wenig Konversation. Ich stelle mich kurz vor, Sopran, ah oui, elle remplace Marie-Sowieso. Man benutzt Notenständer, um den Krimi abzulegen.
Und schon sitzt man zum Einsingen bereit. Aufgestanden wird erst nach der Probe wieder.
Französisches Latein wird gesungen, das finden sogar die Franzosen drollig. Cum heißt cöm. Ich habe schon bald einen ersten Klugscheißer-Auftritt, "Weg" aus "Du bist der rechte Weg" hat nicht nur eine andere Bedeutung, sondern auch eine andere Aussprache als "weg" aus "Weg mit allen Schätzen". Es hätte mich nicht gewundert, hätte man mich angesprochen mit "sei gegrüßet" oder verabschiedet mit "gute Nacht, o Wesen". Sollte ich jemals italienisch sprechen müssen, würde ich den Frühling und die sprießende Natur und die sprudelnde Quelle besingen. Dank Heinrich Schütz.
sopran - Mi, 28. Feb, 13:35



Brauchen die in Anderswo noch einen Tenor?
In Deutschland scheint es mir, dass Tenöre sich je nach Marktlage noch ganz Anderes erlauben können als zwei Minuten zu spät zu kommen. Die scheinen eher Angst zu haben, den Eindruck zu erwecken, sie hätten das Proben nötig, wenn sie mal pünktlich wären.