Oscar-Tipps
kann ich nicht abgeben. Ich komme viel zu selten ins Kino. Die letzten beiden Filme, die ich gesehen habe, sind aber auch nominiert, also los."Little Miss Sunshine" bekommt den Oscar für die beste Hupe. Ok, kaputte Hupe und toter Opa im Kofferraum sollte ausgefilmt sein. Chevy Chase und tausende, die mir gerade nicht einfallen. Aber als ich in München im Kino saß, um diesen Abend herumzukriegen zwischen Polizeipräsidium (gefühlt 127. Vermisstenanzeige) und der Nacht in dem bayrischen Gruselhotel (letztes Zimmer: Dachstube mit Doppelbett, also Doppelbett jetzt nicht nebeneinander sondern hintereinander mit einem gemeinsamen Kopf- bzw. Fußteil). Was nochmal? Bepisst über die Hupe. Ich muss zwar sonst kotzen über Prädikate wie "sympathischer kleiner" u.Ä., aber das ist wirklich ein sympathischer kleiner Film. Die Hupe spricht, ist aber leider nicht nominiert. Abigail Breslin ist als beste Nebendarstellerin nominiert, daraus schließe ich, dass es in dem Film überhaupt nur Nebendarsteller gibt. Alan Arkin (der Vater von Dr. Shutt aus Chicago Hope) ist der tote Opa, nominiert als bester Nebendarsteller.
"Das Leben der Anderen" habe ich vor zwei Wochen zum zweiten Mal gesehen, dieses Mal im toulousainischen Vorstadtkino. Das Publikum genau wie zu Hause, wenn am späten Vormittag was mit OmU läuft, praktische Anoraks, bewusste Brillen. Wieder das selbe Gefühl wie beim ersten Mal: Okayer Film, prima Kinoqualität, Bilder, Ton, Licht, die Fratzen. Ulrich Mühe natürlich Whow, sans doute. Trotzdem schaffe ich es nicht, den Film anders als im Licht seiner Funktion zu sehen. Für die Ahnungslosen, die keinen Schimmer von dem Leben unter Stasi-Aufsicht haben, ein wichtiger Aufklärungsfilm. Sollen möglichst viele sehen. Ich bin ja selber froh, dass ich nicht viel mehr als einen Schimmer haben muss.
Aber in diesem Schimmer ist mir das alles viel zu oscaresk. Glatt gestrickt, versöhnliches Ende, der Mensch wird gut, der Mensch ist gut. Kein Problem, die Gruselszenen darunter zu vergessen. Das Schlimmste wird dabei fast verdrängt: Dass die STASI in der Nachbarwohnung saß, im Bekanntenkreis, in der Schule, bei der Arbeit, in der Familie. Jeder 50. erwachsene Bürger war hauptamtlicher oder inoffizieller Mitarbeiter der STASI. Ich habe eine Freundin, die in den 80ern mit ihrer Familie ausreiste und immer noch unentschlossen ist, ob sie ihre Akte einsehen will. "Ich habe Angst zu erfahren, wer uns verraten hat, weil ich weiß, es muss jemand gewesen sein, den wir als Freund sahen." Im Film sind hier die guten, die "Normalen", mit denen ich mich als Zuschauer identifizieren darf, und dort die Bösen von der STASI - die Bedrohung kommt von außen. Dazwischen Wiesner alias Ulrich Mühe, erst der Böse von außen, dann Läuterung. Wiesner ist aber eine völlig isolierte Figur ohne jedes Privatleben. Ebenfalls dazwischen Christamaria Sieland alias Martina Gedeck, die von der guten zur bösen Seite kippt. Aber die ist ja tablettensüchtig und Künstlerin, bleibt also auch schön fern. Die Frage: Wie aufrecht wäre ich selber gewesen in einem solchen System bleibt dem Zuschauer erspart. Dabei fängt es doch da erst an wehzutun und spannend zu sein. So verlassen wir das Kino mit dem wohligen Gefühl: Der Mensch ist gut und ich bin es bestimmt auch.
Oscar? Keine Ahnung, ob der verdient wäre. Sinnvoll? Ach egal. Vielleicht doch. Grund: Sollen möglichst viele sehen, sonst würden möglichst viele überhaupt nichts darüber erfahren. Dann halt so. Ich hätte gerne gewusst, was die Franzosen in diesem Film gesehen haben. Sie haben jedenfalls weniger gelacht als wir, aber das mag an den Untertiteln gelegen haben. Der Eins wollte wissen, ob die Straßen da wirklich immer so leer waren. Und es könne doch nicht sein, dass die Autos alle gleich aussahen. Doch.
Nachtrag Dienstag, 26.2.
Spiegel online berichtet von der Siegesfeier. Bröckchen nur:
"Die symbolisiert Manneskraft" strotzt da der sich gerade vermehrende Donnersmarck vor sich hin und meint die "phallische" Oscar-Figur. Später presst er seine schwangere Frau an sich, "die mir immer die Stange gehalten hat", bevor man sich am "prallen Käsebüffet" labt. Apropos Käse:
"Korrektur: Im Text wurde Sebastian Kochs Freundin zunächst Antje van Cäse genannt. Der richtige Name lautet Carice van Houten. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen."
(Spon zitierte da übrigens Wikipedia, wo man sich einen lustigen Nasobem-Scherz erlaubt hatte.
"Sebastian Koch lebt in Berlin und hat eine Tochter, Paula. Die Mutter ist die Journalistin Brigitte Dachboden (u.a. DW-TV). Er war lange mit der Schauspielerin Anna Schrott liiert und ist seit den Dreharbeiten zum Film Brack Book (Zwartboek) Ende 2002 mit Antje van Cäse zusammen.")
sopran - So, 25. Feb, 11:00



And the Oscar goes to Donnerkeil