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Norbert Scheuer

Die Begeisterung von Nüchtern, Strigl, Rakusa, Radisch, Corino nehme ich persönlich. Der Sprachfehler von Scheuer fast unerträglich zu hören, Chwanzus Longus ohne Übertreibung, ich tippe auf eine Mischung aus einem Kieferorthopädischen Problem und spät weggezwungenem Dialekt. ch - sch ist für Prümer kaum zu überwinden. Ich weise hin auf die Kongruenz von Augsburger-Puppenkiste-Bühnenbild und Urmnelscher Logopädielehrstunde. Schusch und Wawa in Union.
Später werde ich ein Buch kaufen und für meine Mutter signieren lassen, vielleicht kann ich erzählen, dass wir von Au sind, und dann redet er Platt und alles ist gut.

Ich bin gerührt über den Text, alles so Eifel, so echt, Rakusa windet sich ein bisschen und sagt dann doch "authentisch", die Namen, die Orte, die Urft, die Gaststätte. Ich habe aber noch Zweifel, ob das jemand verstehen kann. Dass die Karte der Westeifel, die im Gastraum hängt, nochmal auf eine andere Heimat verweist, weil KallKeldenich nicht in der Westeifel liegt, wohl aber Prüm.

Nüchtern hat sich in den Text verliebt: Kein falscher Ton, zart, eine fremde Welt, "Ich bin begeistert", er strahlt, ich werde ihn in die Eifel einladen. Oder auf ein Pitburger Pilch.

Strigl mag die fachliche Genauigkeit, "Professor Corino hat das bestimmt recherchiert", Ebel wieder Nullchecker, schwafelt von Tatort, m"wir können ja mal unsere Lieblingstatorte austauschen" - Herr Ebel, kommentieren Sie hier doch mal rein am Montagmorgen.

"Hermann umwickelte den Schenkel eines Einfachhakens mit einer Wollfadenwicklung, kratzte mit einer Nadel eine schmale Rinne in das Gehäuse, bestrich den Wollfaden mit Kleber, schob das Gehäuse auf den Hakenschenkel, band hinter dem Hakenöhr einen Hechelkranz, stellte den Hechel hoch und zwirbelte ihn." Ich finde das Musik, schade, dass er diese Musik nicht singen kann, aber man darf halt nicht hinhören. Rakusa mag's auch: Sehr beeindruckend, sehr, sehr gut gearbeitet.

Dialoge hat er sich gespart, das ist Weise, er kann keine Dialoge.

Detering: freundliches Interesse. "Die Sprache außerhalb der Urft-Nomenklatur bleibt im Ungefähren". Hübscher Satz, ich werde es nochmal lesen, kann sein, dass er Recht hat.

Corino: "Der Homer der Eifel", er hat offenbar nicht Köder recherchiert, dafür aber die anderen Bücher von Scheuer gelesen. Corino hat eine wichtige Rolle eingenommen, er soll bleiben, Miller kann sich noch was erholen. Plausibilität allein macht auch noch keine Literaturkritik, aber in der Runde hat so einer gefehlt.

März gefällt es nicht. Sie liest was in der Vergangenheitsform vor und will damit klar machen, dass es dann Scheiße ist. Scheuer hat es aber nun mal im Präsens geschrieben. Strigl striglt sie dafür später. "Die Gegner des Textes arbeiten mit unlauteren MItteln".

Spinnen nämlich auch. Wenn das in der Toskana wäre und die Köder Orangensorten, würde es uns nicht gefallen. ??? Das sie immer so, Brücke, Gaststätte, Altersdemenz... "Dass etwas ist, wie es ist, ist nicht Aufgabe der Literatur zu zeigen." Radisch findet das doof und quatscht dazwischen. Endlich mal Streit, die Jury ist insgesamt etwas kreidesatt in diesem Jahr.

Radisch hat ihn eingeladen und tut ihre Pflicht: "...so tief in seine Landschaft eingelassen, dass er mit diesem Kasperleprovinzpossenspiel, das Herr Spinnen hier sieht, nichts zu tun hat."

bachmannpreis tage der deutschsprachigen literatur klagenfurt 2006 ingeborg-bachmann-preis
Bachmann 2005 2006

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