Hanno Millesi und ein bisschen Claudia Klischat
Hanno Millesi wird in seinem Filmchen mit Selbstverständlichkeiten angepriesen. Er feilt am Text, er recherchiert, er nimmt seine Umgebung wahr, er findet seinen Stoff in dem, was Leute erzählen und was er in den Medien sieht. Sehr besonders.Wochentagsüber ist der Titel, ist das idiomatisch? Wenn nicht, ist es hübsch ausgedacht. Die Geschichte kommt mir irgendwie Wolfdietrich Schnurre vor, der Ich läuft tagsüber durch den Park und sinniert über die Vögel, damit den Eltern nicht auffällt, dass er von der Schule geflogen ist, dann stellt sich heraus, dass der Vater auch nicht mehr in die Bank geht und eine ähnliche Legende pflegt. Nett, ein Topos, tausendmal geschrieben, macht nichts. Wenn es gut wäre. Den ersten Sprung vom Park aus dem Einkaufszentrum finde ich ganz nett, aber unter der Prämisse, dass da ein Schüler denkt, ist der Stil total daneben.
Ich mache einfach Werbung für das Buch von Claudia Klischat, ich hab das irgendwo unten beschrieben, sie beschreibt so perfekt das Herumgedenke eines fehlgeleiteten 17-Jährigen, die Mühe macht sich Millesi gar nicht, Das ist Jung-Akademiker, Schriftsteller, das ist mutmaßlich: Millesi.
(Den Text von Klischat habe ich noch nicht nachgelesen, beim Überfliegen und Hören war ich enttäuscht, dass sie sich offenbar nicht mehr so nah an die Figur herangetraut hat, wie an die Figuren in dem Buch.)
Die Jury merkt es übrigens. Corino hat sich erkundigt, ich möchte ihn heiraten, er hat sich als einziger ordentlich vorbereitet, das kann nerven, er schwingt die Plausibilitätskeule, das nervt wahrscheinlich die anderen, ist aber korrreckt. Dass Strigl jetzt Recherche auf einmal nicht so wichtig findet, ist liab, ist ja ihr Kandidat. Aber der hat im Vorstellungsfilm auf Recherche herumreiten lassen.
Pferd tot.
bachmannpreis tage der deutschsprachigen literatur klagenfurt 2006 ingeborg-bachmann-preis
sopran - Fr, 23. Jun, 16:40



Trackback URL:
http://sopran.twoday.net/stories/2226798/modTrackback