Silvio Huonder: Übungsheft der Liebe
Ich bin halb durch: Kann man machen. Ich hatte wenig Hunger und las auch in kleinen Häppchen. Es gibt nur einen Faden, den man nicht verliert, wenn man's mal weglegt.Der 20-jährige Ich könnte ein distanziertes Alter Ego von Huonder sein, er heißt Fabio Bosch, hat sich dem Militär entzogen wie einst der Autor selbst und reist nun durch die Schweiz. Er fühlt sich als schweizer Kerouac und bloggt Sozialgeräusche, Erlebnisschrott und Befindlichkeiten tagesfrisch in sein abgelegtes Chemie-Übungsheft.
Anders als der pummelige Student von Andreas Merkel ist Fabio Bosch ausreichend META aus der Ferne betrachtet. Ich mag's ja auch, wenn Kondukteure, Orientierungsläuferinnen, Freiberger Pferde und Großrichter vorkommen, sprich: Der Schweizer Autor sich der Schweiz nicht schämt.
Ohne dass ich jetzt Lust hätte, das zu belegen, kommt es mir vor, als bemühten sich Schweizer Autoren oft um große Neutralität beim Setting. Als spielten schweizer Romane oft in irgendeinem keinem Land der Welt. Vielleicht, weil das Schweizerische von außen doch einen gewissen Niedlichkeitswert hat, den der schweizer Autor seinem ernsthaften Geschriebenen ersparen will.
Hier ist das natürlich anders, und das oben Geschrieben "sich der Schweiz nicht schämt" eher Quark. Eher will vielleicht Huonder die Schweiz beschämen. Er lebt schon lange in Deutschland.
Ich werde das im Urlaub mal zuende lesen und dann in der kleinen Hausbibliothek in Anderswo zurücklassen.
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sopran - Fr, 9. Jun, 22:28



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