Warum ich United 93 nicht sehen werde
Anke Gröner schreibt sehr lesenswert über "United 93". (Nichts gegen Golf, aber...)Die einstürzenden Türme blieben mir fern.
Früher war ich ein Fan von trashigen Flugzeugabsturzfilmen. Menschen treffen am Flughafen ein, verabschieden sich, telefonieren, man lernt sie ein wenig kennen, und das Spannende am Film ist: Wer von denen wird überleben, denn immer überleben welche. Ein Flugzeug fällt in die Everglades, in den eiskalten Potomac, auf einen Andenberg... Einer wird zum Helden, zum Beispiel der Passagier, der seine eigene Pilotenlizenz wegen des Suffs verlor. Immer überleben Menschen. Sonst würde keiner das sehen wollen.
Meine (nicht sehr ausgeprägte) Angst vorm Fliegen kommt aus der Idee, dass es sich so besonders dämlich anfühlen muss, in einem Moment zu wissen, dass ich jetzt abstürze, aber doch noch viel Zeit bis zum Aufprall habe. Das kommt mir so zwangsläufig vor, und weil ich nicht wissen will, wie und wie schnell ich sterbe, habe ich vorm Autofahren weniger Angst, obwohl statistisch aber das weiß ja jeder.
Die Menschen in den Flugzeugen begleiteten mich in meine Träume. Nicht, weil sie am Ende tot waren, dann hätten mich auch die anderen Toten verfolgen dürfen. Sondern weil ich bereit war, mir diese Zeit des Wissens vorzustellen. Zeit, zu kurz, um zuende zu leben, aber Zeit, eine SMS zu schicken oder jemanden anzurufen. Und Zeit für Helden.
Ein Flugzeugabsturzfilm, bei dem nicht für einen einzigen Menschen die geringste Hoffnung besteht, das ist mir zu grausam. Es reicht mir schon, über die grausame Wirklichkeit zu lesen.
sopran - Di, 6. Jun, 08:48



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