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Sonntag, 28. Oktober 2007

Tatort: Satisfaktion (WDR)

Heute ein Feiertag: Münstertatort. Alt und Bariton kommen, das heißt: Kein Liveblogging. Liveboggling. Denn. Ich bin schissig mit dem Bloggen, es weiß fast keiner meiner Freunde davon. Sitze ich also da und blogge heimlich in mein Moleskine-Heftchen. Ist dann später aber nicht so leicht online zu kriegen. Ich muss ja erstmal entlettern.



Münstertatort also.

Leichen werden gerne gefunden von Hunden.
Oder Kindern oder Kindern mit Hunden.

Heute Hund mit Kind, dort im waldreichen Münsterland. Die Leiche ist schon älter, ein im Wald verteiltes Skelett. Warum hängt das nicht einfach zusammen? Der Hund holt aus dem einen Loch eine Tibia, das Mädchen aus dem anderen einen Schädel. Und am Fundort taucht der schmierige humpelnde Schreiberling Baltus auf, der Börne als seinen Corpsbruder begrüßt.

Der Schädel bietet Börne viele Gelegenheiten, zu hamletisieren, sollte meinen, das sei beim zweiten Mal durch, wenn er nicht beim dritten Mal... aber ich greife vor.

Hübsche Bilder heute, zum Beispiel die Ansicht von Thiel, Börne und Alberich beim Betrachten der Bleikugel aus der Nierenschalenperspektive. "Duellpistole", sage ich, und Bariton staunt. Stichworte: Alte Waffe, Corpsbruder, Kugel im Kopf. Wenn das nicht reicht.

Dann die Betrachtung des Röntgenbildes aus der Röntgenbildperspektive.
Börne weiß Bescheid: Die Knochen waren sein Verbindungsbruder Raimund Stielicke, Pommerania Guestphalia.

Sohn vom ...

"Bischof?" fragt Thiel.
"Das nicht gerade, Sie protestantischer Prolet", sagt die Klemm.

Nein, Sohn vom Professor Dr. Dr. Stielicke, Michael Degen, der bekannteste Schauspieler heute. Kardiologe und Gönner. Raimund verschwand vor elf Jahren, angeblich auf einer Italienreise.

War viel los vor zehn, elf Jahren, wie wir nach und nach erfahren werden.

Der alte Stielicke hat gerade den kiffenden Thiel senior auf seiner Station, Angina Pectoris (Thiel: "Halsschmerzen?"). Behandelt wird er - Klassenmedizin! - aber von einem Arzt mit Hitlertoupet, Dr. Strobel.

Seit der Vormärzzeit gebe es diese Verbindung. "Also seit Februar" - Thiel reitet ziemlich arrogant auf seiner einfachen Herkunft rum, um sich von den Schnöseln abzugrenzen.

Im Seziersaal läuft eine Rossini-Ouvertüre. Die diebische Elster? Robin Hood?

In der Schnöselvilla von Stielickes fährt der Schnöselenkel vom Alten mit dem Kettcar über den Carrera. Carrara. Wir lernen dort kennen: Alte (kommt als Hausmädchen rüber, ist aber die Schwiegertochtermutter), die bildhübsche, aber nichtsnutzige Klara Stielicke (Nichthausmädchentochter) und Carsten Stielicke, den übriggebliebenen Sohn. Frau Klemm sei seine Chefin, sagt er. Ist er Polizist? Ist Frau Klemm LOStA? OStA? Er ist Staatsanwalt.

20.34 Uhr
Verdächtige:
Bruder Carsten
Frau von Bruder Carsten
Vater berühmter Schauspieler (diesmal eher nein)
speckiger Corpsbruderschreiberling Baltus (auch eher nein)

Wir erfahren nun über längere Zeit viel Ungutes über das Verbindungswesen. Als hätten wir es nicht schon geahnt. Schon zu meiner Zeit, und das ist mehr als zehn, elf Jahre her, als ich studierte, waren in Studentenverbindungen nur linkische Jungs mit Angst vor Mädchen und Angst vor Männchen, die sich nicht allein auf Zimmersuche trauten. Dazu die mit dem schlichten Weltbild (Rechtsradikale). Das hat mit dem Fall nur so ein bisschen zu tun, macht aber nichts.

Der stets besoffene Herr Baltus erzählt vom Hanauer Kreis, das waren so Brüder, denen Schmisse im Gesicht nicht reichten, die wollten beim Fechten richtig zulangen, "die Hisbollah des deutschen Verbindungswesens".

Klemm will Thiel vom Fall abhalten, und Börne ist auch nicht sehr kooperativ. Stattdessen kramt er im Keller seinen Wichs zusammen und macht sich auf zum 136. Stiftungsfest. Festcommers oder wies heißt. Klemm ist auch da. Der Kardiologe mit dem Hitlertoupet Strobel auch. Carsten, Klara und Alter Stielicke. Baltus. Man kotzt ins hierfür eingebaute Kotzbecken mit praktischen Haltegriffen.

Schöne Bilder. Der alte Thiel im Bett aus der Krankenhauszimmerdeckenperspektive. Alberich aus der Thielperspektive. Überhaupt Alberich. Aber ich greife vor.

Alter Stielicke macht Börne ein unmoralisches Angebot (eine Empfehlung an die Charité). Lässt sich voll einwickeln, Börne.


Klara, erfährt Thiel tags drauf, war auch mal Jurastudentin. Die Kinder machen so viel Arbeit. Finn ist 12. Sonst mauert sie natürlich. Auf Baltus Teppichboden ein sehr fotogener Blutfleck (Zimmerdeckenperspektive), Rest von Baltus weg. Wohnung und Jaguar hat er vom Alten Stielicke. Jaguar war vor 11 Jahren mal als Totalschaden abgerechnet worden.

Lernen wir nun auch Klaras Mutter kennen, und das hat was zu bedeuten. Die wohnt in einer sehr beigen Wohnung mit beigem Gewürzregal und scheintoter Topfplanze. Ein Alptraum mit Namen "einfache Verhältnisse". Den Baltus kennt sie natürlich. Nein, bei Stielickes zu Hause war der nie. Woher kennt sie ihn dann? Sie ist Krankenschwester beim Stielicke sen.

Überall Finger drin, der Prof. Dr.: Börne will nach Berlin, "Passen Sie auf, Alberich, kaufen Sie sich ruhig schon mal ein eigenes kleines Chefsesselchen", und der bekiffte Thiel liegt vorübergehend in der Privatklinik, weinroter Morgenrock, Flachbildschirm, Kanapees. Thiel weiß inzwischen, dass Dr. Strobel eine Niete ist, Examen spät und schlecht, Promotion trotz Doktorvatter Stielicke fast versaut, Kunstfehlerprozess im ersten Jahr.


Um 21.05 Uhr fällt mir nochmal die Frage ein: Wer war's? Ist jemand dazugekommen seit 20.34 Uhr? Egal.
Na doch:
Klaras Mutter
Dr. Strobel

Börne trifft mal wieder den alten Stielicke "auf dem Haus". Es heißt immer "auf dem Haus" bei der Verbindung. Stielicke schwärmt von Raimund, ein echter Kerl, Carsten ein Versager blabla. Examen erschummelt und nur dank Klemm Staatsanwalt geworden. Lo-ya-li-tät will er von Börne. Zugleich schleicht Thiel durchs Haus und findet in Baltus Spind viel Geld und eine CD. CD nimmt er mit, dann wird er von zweien dieser Sozialkrüppelstudenten rausgeworfen. Bisschen fett das, Japanischer Corpsstudent. Karate. Erinnert mich an Peter Gao, den nordkoreanischen Schülerruderclubkumpel. Der ging immer in Schwarz und hatte auf Wanderfahrten eine Gaspistole dabei. Wir engagierten ihn manchmal als Türsteher.

Diese Kackbratzenschnösel machen wirklich aggressiv.

"Lassen Sie den Wagen vom Baltus in der KTU mal rechtsmedizinisch untersuchen. Aber von Alberich", ordnet Thiel an. "Ich sagte von Alberich". Hübsche Schwarzlichtszene, in der sich Thiel bei Alberich über Börne ausheulen will, aber den Namen nicht nennen.

Rückbank voller Blutspuren von Raimund Stielicke.

21.10 Uhr Leichenfund: Baltus sitzt am Hafen in einem Autositz mit der Pistole in der Hand. Allein: Zu wenig Blut, zu lockerer Griff. Ja sehen denn diese Mörder keine Krimis?

Ich werfe ein: Der kleine Finn Stielicke könnte auch der Neffe seines Vaters sein.

Ab 21.20 Uhr nur noch großes Theater: Börne geht mit dem Schädel aufs Haus, hält flammende Rede, was ist denn das für eine Verhörtechnik? Sagen, was man meint, dann Abendessen? Carsten Stielicke habe seinen Bruder beim Duell um Klara getötet, Adjutanten Strobel und Baltus, Leiche im Jaguar abtransportiert, Vatter eingeweiht, der beim Vertuschen geholfen. So halt.

Empörung und Verabredung zur "Genugtuung".

Beim dritten Hamlet findet Börne noch eine Kerbe im Kinn und stellt seinen Vortrag für den nächsten Morgen entsprechend um. Da fechten Carsten und Börne nach den wohl üblichen Regeln, zunächst. Regel scheint zu sein: Ohne Quasseln.

Alberich seziert Baltus, Börne arbeitet offenbar überhaupt nicht mehr. Baltus: Total verkrebst, 2,5 Promille, Tod durch Schuss ins Ohr. Und ein Bonbonpapierchen dabei, Sorte Klaras Mutter. ßoßo.

Soso, die Mutter. Geständnis am Gattengrab, den Baltus hat sie hingemacht. Wie hat sie denn den Fettklops aus der Wohnung (nicht Erdgeschoss) in den Hafen bekommen, so alleine? Will keiner wissen.

Auf dem Haus wird noch gefochten, dann gequasselt, eine Variante eingeführt (Duellpartner war Strobel, schoss dem Raimund am Kinn entlang, dann schoss Adjutant Carsten nochmal nach), sei's drum, ändert nichts, Carsten Stielicke die Pistole in den Mund, Vater: "Traust Dich wohl nicht, los, sei ein Kerl"... Und das war's eigentlich.

Keine Überraschungen im Fall, aber prima lustig wieder. Ich: Zerstreuungsbedürftig.

...

Wenn ein Ruderer zu einer Beerdigung von weither, nämlich Zürich, anreist, dann nutzt er das Wochenende, um mit seiner Schwester, nämlich mir, mal wieder rudern zu gehen. Ist es beruhigend oder beunruhigend, dass sich am Bootshaus nichts geändert hat mit den Jahren? Die Dagebliebenen freuen sich am Dagebliebensein und stellen sich den seltenen Besuchern (zuletzt vor sechs Jahren) mit Namen vor. Harhar.

Auf den fünfeinhalb Kilometern stromauf bildet sich eine wunderschöne Blase an meiner Hand, die schon beim Stromabfahren aufplatzt. The Sopranos brauchen sich nicht zu schämen: Da rudern andere Jahr für Jahr Woche für Woche und können es immer noch nicht so gut wie wir. In der logischen Sekunde, in der ein Ruderer das Wachstum beendet, wird die dann vorhandene Rudertechnik im Rückenmark abgelegt. Dann ist es nur noch über das Bewusstsein möglich, etwas hinzuzulernen. Und das Bewusstsein ist im vor-zurück-vor-zurück, dem Plätschern und Plaudern, sehr schwer zu aktivieren.

Ist es Beständigkeit oder Erstarrung, wenn die selben Menschen die selben Sätze sprechen wie vor zwanzig Jahren? Es rudert aber keiner mehr in seiner langen Bundeswehr-Unterhose. Die Globetrotterisierung schreitet fort.

Ach, herrlich war es.

Bis bald mal wieder, Ihr beharrlichen Helden des großen Stroms, so in fünf, sechs Jahren.

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