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Sonntag, 14. Oktober 2007

Tatort #676: Unter uns (hr)

Bekloppte Sawatzki plus Margarethe von Trotta plus topaktuelles Thema (durchgeknallt im Arbeitsamt) - das schreit doch nach Grimme. Also beginnt es unscharf, dann Sawatzki beim Meditieren, Musick: Gospelverschnitt? Gegenüber Sawatzki zieht eine Familie ein, putzige 7-Jährige mit Kuschelknut.

Die meisten Tötungsdelikte sind übrigens genauso wenig tatorttauglich wie dieses hier: Da steht der Täter mit der Waffe in der Hand neben der Leiche. Jetzt noch eine Geiselnahme, die doch eigentlich ganz nette Arbeitsamtfrau wird von dem ehemaligen Chef einer Baufirma als Geisel genommen. Kollege kommt, will helfen. Schuss, tot. Geiselnahme.

Das ist doch was fürs SEK.

Ich tippe: Sänger tauscht sich aus, dann noch 75 Minuten Palaver, bis der Mann aufgibt. Dazwischen ermittelt Schüttauf, wie der Mann argumentativ zu packen ist (Vorgeschichte, Ehefrau, Kind?), und was das Mädchen in Sängers Nachbarhaus damit zu tun hat.

Schüttauf hat jetzt eine Freundin, die tanzt mit Sänger Formation, tanzt Dellwo jetzt etwa auch?

Nein, der in dem weißen Hemd war doch nicht gleich tot. Jetzt ist er aber. Kam keiner auf die Idee, außer der Polizei auch den Notarzt anzurufen. Schaut ja keiner mehr richtig hin heutzutage (Zaunpfahl).

Allerlei Bekannte schon gesehen. Die Arbeitsamttante ist Sophie Scholl, die Verhoeven-Scholl, Lena Stolze. Die Mutter des 8-jährigen Mädchens ist eine bekannte Prekariats-Darstellerin, Ulrike Krumbiegel. Der Geiselnehmer heißt Kunert und ist Michael Brandner, auch schon öfter gesehen. Seine Frau ist noch nicht aufgetaucht, wird aber von Franziska Walser gespielt.

Das Mädchen hat gesehen, wie ein anderes Mädchen einen Ball aus dem Fenster geworfen hat. Aber die Frau in der Wohnung sagt, da ist kein Mädchen.

Der neue Kollege, ach, so neu ist der doch auch nicht mehr, der hat immer alles schon organisiert. Großfahndung, SEK.

Kunert Schreikrampf im Wald, tja, üblen Mist gebaut. Zum Glück kein Geiselaustausch. Und erschießen will er sich auch nicht.

Ich trinke übrigens gerade einen 33 Jahre alten Portwein, sehr, sehr schönes rot.
Kleine Pause, während der ich die Geschichte mal ein bisschen entwickeln lasse.
Lena Stolze hat sich inwzischen vom Acker gemacht, bzw. vom Waldrand. Fesseln gelöst, den schlafenden Kunert am Lenkrad festgemacht, losgelaufen. Frau Kunert schwäbelt leicht, nur so ein Zungenschlag. Coole Fluchtszene, Auto gekapert, in der sich gerade zwei aneinander freuen. Der Kunert hinterher, kullert den Hang runter. Stolze fährt ab. Schickes Veilchen übrigens.

Kind wirft Ball gegen die weiße Wand, trauriges Mit-sich-selbst-Spielen. Mutter sietzt sitzt abends weinend mit dem Familienfoto herum, schlimmer Kitsch. Die Blonde von oben, die sich nachts in der Kneipe besäuft, versteckt ein Kind. Klebt das Fenster mit schwarzer Folie zu.

Elinor, das Kind ist wirklich pfff. Wenn sie es wenigstens würdevoll gekleidet und frisiert hätten. Und dann singt es Didumdidadidumdida. Die drei sang das auch gerne mit acht.

Charlotte ist übrigens eifersüchtig, hat Dellwo schon erkannt.
Der Staatsanwalt ist auch seltsam heute. Sagt zu allem Ja, spendiert Pizza. Lena Stolze arbeitet schon wieder und lässt sich von Sänger über die Nachbarn aushorchen. Die bekommen Geld für DREI Kinder, dabei laufen immer nur die zwei kleinen Racker von Brüdern herum. Die drohen dem Mädchen Schläge an und sagten "Fickdichdufotze" zur Mutter.

Stolze hadert mit sich, das hätte ich doch merken müssen, wie verzweifelt der ist usw. Auch wieder Zaunpfahl: Es geht ums WEGSCHAUEN. Böse, böse Gesellschaft, mal an die eigene Nase packen usw. Aber ich will doch nur einen Krimi sehen. Habe Tatort eingekauft und will Tatort auspacken.

Also: Hier wird wohl ein Fall Kevin nachgestellt, nur was haben die beiden miteinander zu tun, außer dass für beide Lena Stolze zuständig ist? Oder ist das übertrieben von mir, zu erwarten, dass die beiden Fälle was miteinander zu tun haben?

Kunert hat derweil eine Bank überfallen, dieses Mal ohne Tote. Ruft seine Frau an, "geh zu unserem Ort", sagt er, damit sie da das Geld findet. Aber die bunkert.
Sawatzki immer noch ziemlich bekloppt. Statt ihren Fall zu lösen sucht sie nach diesem Mädchen, natürlich sagt Schüttauf - böseböse, wie beim Kevin, alle schauen weg - "Du würdest auch nicht wollen, dass man in Deinem Privatleben herumschnüffelt" (oder ähnlich), Sie: "Welches Privatleben?" plus irrsinniges Grinsen. Krokodil.

Wahrscheinlich drehen sie Kinderpornos mit ihr. So kann der es sich dann leisten, alle Stellen abzulehnen.



So. Alles wie man es sich wünscht: Kind war erst im Heim, weil Mutter überfordert. Dann wieder in die Familie, umgezogen, Zuständigkeit beim Jugendamt gewechselt, sich keiner mehr drum gekümmert. Ich finde nur gerade nicht den Krimi in diesen beiden Sozialdramen.

Schüttauf kommt übrigens heute nicht ganze so pferdestehlkumpelmäßig rüber, das möchte ich lobend erwähnen.

Ich zähl mal auf, alles drin:

Ines Winterberg, die Mutter, als Kind missbraucht, Stiefvater in den Knast gebracht.
Oma will nichts mehr von Ines wissen, Enkelblagen sind ihr egal.
Leiblicher Vater der kleinen Lena, die wir immer noch nicht kennen, will auch nichts vom Kind wissen.

UND ALLE SCHAUEN WEG.
Ach ja, der Mordfall. Kunert trifft gerade seine Frau im Palmengarten. Falle natürlich. PALMENGARTEN, wie kann man denn so dämlich sein. Wen erschießt er jetzt? Nur sich oder auch seine Frau?Ist doch klar, dass er sie als Geisel nimmt. Oder sonstwas. Wie kann man denn so dämlich sein, einen bewaffneten Amokläufer mit einer unbewaffneten Geisel allein zu lassen. Oh, er schickt sie weg. Immerhin.

Schuss. Nur einer = nur er.

Fall gelöst. Na und?

Hej, Trotta, Krimi, das heißt: Rätselraten, wer war's, was ist geschehen, sowas halt. Alles schön linear runter. Spannung Fehlanzeige. Dass da ein Kind ist, wussten wir auch schon nach fünf Minuten. Jetzt wird dann endlich mal die Wohnung durchsucht.
Von dem Kind sieht man nur einen magersüchtigen Arm. Infusionen.

21:35 Uhr. Es würde mich doch wundern, wenn sie in den zehn Minuten noch eine Verbindung zwischen den Strängen hinkriegen. Was soll jetzt überhaupt noch passieren?


Oho, Fritz blafft noch die Wirtin an, "hast Du nicht gesagt, das geht Dich nichts an?" - dabei hat er doch selber gesagt, Sänger soll sich nicht einmischen. Tapete gegessen.

Also: Das ist natürlich alles erschütternd, und sowas gibt es wirklich. Das gehört aber in einen eigenen Film, den ich mir dann nicht anschauen muss. Der ein bisschen weniger holzschnittartig ist. Unlogisch auch: Das Mädchen war so gut wie tot. Dieses Mädchen hat keinen Ball aus dem Fenster geworfen und sah auch nicht aus wie eine Achtjährige. Das aber will das pfiffige Nachbarsmädel alles gesehen haben.


Ich will meinen Tatort!

Am Ende wieder die Musik vom Anfang.



Fazit:

Wir machen jetzt einfach mal ein Sozialdrama, packen alles rein. Thema verfehlt. Schade um die ganz guten Schauspieler (Stolze, Walser, Brandner). Gab nichts zu raten außer: Schießt er, schießt er nicht. Sonst alles klar.

Apropos

Durch Rheydt schlendernd, dachte ich: Wenn ich mal das Bedürfnis habe, irgendwo tot überm Zaun zu hängen, dann fahre ich dafür doch lieber nach Bad Oeynhausen.

schrieb ich vorgestern und palaverte gestern Nacht in Düsseldorf mit K. und A. über Vor- und Nachteile der Mittelmäßigkeit von Städten. Dass schöne Städte, Dom und so, die Leute nicht so zum Kriegführen anregen, mutmaßte A., worauf ich ins Blaue zustimmte, es sei ja auch kein hoher Nazi aus Köln gekommen. Dafür aber einer aus Rheydt. Lässt sich hoffentlich nicht übertragen. Wir bestellten dann lieber noch ein Bier und wälzten Theorien über die Ursachen von Trennungen und Scheidungen. Soziologisch, nicht individuell. Arbeitsbereich "Mutmaßungen über Unwissen."

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