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Sonntag, 7. Oktober 2007

Tatort #675: Nachtgeflüster (WDR)

Zehn Jahre Köln-Tatort mit Schenk und Ballauf. Wenn da mal nicht ein paar Gestalten aus der Vergangenheit auftauchen. Ich werde sie nicht erkennen, weil ich das noch nicht so lang mit der Aufmerksamkeit verfolge. Achdoch. Die süße Anna Loos.

Wer jetzt lieber den Themenabend Jacques Tati (20.40 Uhr auf Arte) oder das über die Ost-Fotografinnen (21.15 Uhr auf 3Sat) sehen möchte: Nur zu. Ich erzähl das Ende weiter.

Es beginnt hübsch, Nachtaufnahmen von Köln, das Henkelmännchen (= Köln-Arena), der blaue Müllsack (= Musicalzelt am Bahnhof) usw. Tot im Auto: Klaus Martin aus Porz. Unter welcher Brücke? Mülheimer? Rodenkirchener? Prima Name schon mal. Eine Hundeausführerin führt zwanzig Hunde aus. Morgengrauen wohl, alles so gelblich. Mal wieder ein Bildkünstler am Werk, schöne Standbilder, komischer Weißabgleich. Werden Filme überhaupt weißabgeglichen?

Die Kofferraumperspektive auf die Polizisten und den Pathologen schick. Aber aus dem Kofferraum guckt ja keiner. Der Kollege Polizist Krauss ist tot. Autoradio läuft. Am Reihenhäuschen ein Fimo-Schild "Familie Krauss", aber keiner zuhauss. Und das Laub im Garten nicht gefegt, anders als auf den Nachbarhandtüchern. Familie wohl schon ausgezogen.

Äh, der Tote liegt nicht im Kofferraum, da lag nur die Uniform, aber die guckt ja auch nicht, und der hieß dann wohl nicht Klaus Martin sondern Krauss, Martin.

Der Tag schreitet fort, aber es bleibt gelblich. Liegt es am Herbst, oder ist der Fernseher kaputt?

Krauss hatte was mit einer Kollegin, Frau mit Kindern ausgezogen, Haus voll Mahnungen.
Wichtige Frage: Bier oder Bionade?
"Die ist doch ganz süß", würde ich jetzt über die Polizistin sagen, mit der der Tote was hatte, und wer würde zustimmen? The Vicar? Der Bass? Die Solosopranistin? The Vicar ist in England, die anderen noch in der Ukraine.

Sie war der Trennungsgrund, seit einem Dreivierteljahr waren sie zusammen, "so passiert", vor einem halben Jahr dann Frau und Kinder nach Berlin. An der Decke im Foyer (Polizeipräsidium? Das Echte?) hängen Riesenballonlampen eine ander anderen. Kleiner als in Ludwigs Museumscafé. "Wenn die runterfallen, titschen sie wieder hoch", sagte F. am Donnerstag, als wir die schlimme Balthus-Ausstellung sahen und dann viel zu spät die wunderbare aber viel zu eng gehängte Chargesheimer-Ausstellung entdeckten. So eine Hetze. Und schon ist wieder Nacht in Kölle. Da, das Renzo-Piano-Ei von Peek & Cloppenburg.

In der Pommesbude hört Ballauf dann im Radio bei "Melissa" (Westentaschen-Domina, nä, Domian) ein Geständnis. Verzerrte Stimme. "Der Polizist heute morgen, das war ich." Im Döner nebenan sitzt die Polizistin mit Schimscheck, dem Dönerfreund vom toten Krauss zusammen. Aber auf zum Sender: Freddy Schenk mal wieder Dreck am Stecken, wa? Blonde Haare auf dem Mantel, Frau denkt, er wär mit Ballauf unterwegs, Ballauf denkt, er wär zu Hause, Handy aus. Nein, schon im WDR Sender. 18. Stock, hat der WDR sowas? Im WDR würden sie Paternoster fahren, das ist doch viel schöner.

Ballauf macht sich mit Melissa durch die Tiefgarage davon. Wieder alles total gelb. Flirten im Auto rum. Psychogerede. Melissa hat sich schon mal verfolgt gefühlt. Dann Blitzlicht und Foto im Express. Nächster Morgen: Immer noch gelblich. Schimscheck fettes Auto (Benz) und Dreck am Stecken.

"Der Ömer", sagt Freddy schon. Ich könnt hier auch mal vom echten Ömer erzählen, dem Paten der Bonner Altstadt. Andermal vielleicht. "Dä Kalif is widder do", sagt die Pommeswirtin von nebenan. Ah, der Kalif von vorn!

Kommissarin Anspann heißt die Freundin vom Toten.

Freitagabend soll Ballauf sich freihalten, sagt der Chef, Gespräch unter vier Augen. Ich tippe auf Überraschungsparty, die Schenk mit plant. Aber woher das blonde Haar?

Schwanger, die Frau Anspann.
Ich geh jetzt mal zum Kühlschrank und entscheide dort.
"Ah, Du bist's", säuselt Schenk ins Handy. Haha, seine Frau, pah. "Ich Dich auch", hätte noch gefehlt.
Jetzt habe ich eine Weile nicht aufgepasst. Im Rss-Feed einen Kempowski-Nachruf gelesen, der mich aufgeregt hat, darüber nur Bruchstücke mitbekommen. Wie der Schimscheck verhaftet werden soll und vors Auto rennt, irgendeine wichtige Aussage macht. Jetzt wird die Dienstwaffe im U-Bahnhof Hahnenstraße im Schließfach gefunden.

Kann mal gerade einer hier Klarheit schaffen oder sind Sie alle drüben bei Monsieur Hulot?
Frische Schmauchspuren, keine Fingerabdrücke. Wo ist die Telefonsäule, an der Schenk und Ballauf zu spät ankommen? Am Kaiser-Friedrich-Ring? Der vorgebliche Täter ruft jeden Abend bei Melissa an. Und jetzt wissen sie, dass auch das Opfer bei Melissa angerufen hat. Wer ist denn die kühle Programmtante? Die hat auch Dreck am Stecken. Die will nicht, dass es der Martin ist. "Woher wollen Sie denn wissen, dass es der Martin ist?"

Hat der Martin da also angerufen, besoffen, jammert über seine Schulden, sagt, er würde sich besser die Rübe wegpusten. Der reagiert ungehalten und "das werden wir ja sehen", als Melissa nicht mehr mit ihm reden will und ihn dem Psychotelefon überstellen will. Nana, wenn da mal nicht einer vom Sender drinhängt. Da läuft doch was.

Ich weiß übrigens immer noch nicht, wer's war. Also allenfalls die Programmtante. Die sieht der tollen Exsexsüchtigen aus "Six feet under" ähnlich. Drum. 21.12 Uhr, ich bin spät dran heute.

Ermitteln durch Alleinunfall in der Tiefgarage: Schenk fährt einen Kratzer in sein Auto. Krauss hatte genau so einen Kratzer am Wagen. In der Tiefgarage vom Sender erschossen. Sich selbst vermutlich. Und wer hat dann das Auto an den Rhein gefahren? Ich sachdoch, die Programmtante. Melissa war's nicht. Der ist wohl vorbeigekommen. "Claudia hat den übernommen". Sixt.
Oder Henrik, der Olm aus dem Schallarchiv? 40.000 Platten? Falco, Der Kommissar. Olle Mutter, plaudert, der ist wohl der Stalker.

Ärger. Hätte ich auch vorher drauf kommen können. Immer alle Figuren im Auge behalten. Gut, dass ich nicht zur Polizei gegangen bin. Weiter als "Allgemeine Verkehrskontrolle, stellen Sie bitte den Motor ab", hätte ich es wohl nicht gebracht.

"Nichts ist so süß und nichts brennt so heiß, wie heimliche Liebe, von der niemand was weiß", zitiert Schenk, kundig? Gephotoshoppte Urlaubsphotos von den beiden am Strand, wie süß. Und wer ist das jetzt mit der Kugel im Kopf in des Stalkers Duschkabine? Noch lebend. Claudia.

Der Archivolm überfällt Melissa im Frauenklo. Auf Sendung über Handy. Das zieht sich ein bisschen. Was machen sie nur die nächste Viertelstunde. Das wird eine langweilige Sendung. Sie soll sich entschuldigen, aber wofür? Ihn wahrscheinlich mal im Radio abgebügelt. Jetzt küsst er sie doch nicht, puh. Und ich hab immer noch nichts zu trinken. Filmt mit seinem Handy. Sie weint. Wieder köln bei Nacht. Lufthansa, Henkelmännchen, Freddy in den Katakomben. Aus dem Turnkeller rauf aufs Hochhausdach, Pistole an Melissas Nacken, immer noch alles gelb. Ob es vielleicht doch der Fernseher ist? Das zieht sich. Aber ein paar Minuten haben wir ja auch noch für die Überraschungsparty.

21:36 Uhr, grafisch ganz gelungenes Klettern auf Diagonalen. Alles so schön gelblich hier. Und der graue Schenk davor. Was für ein Turm ist das? "NRR Nachrichten" steht drauf. Ich kenn doch das Hochhaus. Mhmh.

Ha! Wer hat's gesagt? Claudia hatte die Idee, die Leiche wegzuschaffen. Egal.

Ballauf jetzt Termin beim Staatsanwalt. Doch wohl nicht in der hässlichen Staatsanwaltschaft am Justizpalast. Wo feiern die? Im "Spät", na, die machen Scherze. Brüllerkracherscherz. Im SPÄT, man höre, Spät, japs, giggel, spät wie ächz, isch kannemie,


früh



Und dann singt auch noch Anna Loos.



Um 22 Uhr kommt die zweite Folge von "Heißer Verdacht" mit der wunderbaren Helen Mirren als alkoholkranke Kommissarin kurz vor der Pensionierung.

FAS III - Sonntags kein Pardey

15. Sport, nebenbei geblättert. Sportteil = Fußballteil. Interessiert mich nicht. Weg damit.

16. Technik und Motor. Technik lese ich dienstags in der FAZ und fast ausschließlich wegen Hans Heinrich Pardey. Allenfalls mal ein Artikel von Michael Spehr. Der mir heute erzählt, dass es Symbian noch gibt. Ich seufze meinem Psion nach. Aber inzwischen macht doch mein google alles. Kalender, Adressen, Dokumente aufbewahren. Solange das Internet funktioniert. Dann lese ich doch sicherheitshalber mal den Artikel über die Symbian-Communicator. Trotz meiner Treue zu Sony-Ericsson. Die wiederum früher auch Symbian-treu waren. Und mit freundlichen Grüßen an meinen Leser g., der gerade in der Ukraine ist. Wie sieht's denn da aus mit dem Internet? Den Symbian-Artikel reiße ich aus und schmeiße den Rest weg. Überhaupt: Mal wieder mehr ausreißen. Meine Oma war eine große Ausriss-Sammlerin. FAZ 27.8.1973 oder sowas stand dann in ihrer großen schwungvollen Schrift am Rand. Die Kritik im passenden Buch, Hintergründe. Manchmal kam ein Umschlag mit der Post, der enthielt einen Ausriss, G+K Oma, fertig. Was über Kempowski, über das Verfassungsgericht, über Helmuth Rilling, über Jerusalem.

Pardey hat ein Weblog nebenan.


17. Immobilien - blaue Tonne ohne Umwege

18. Beruf und Chance. "Zu viele Frauen im Klassenzimmer". Gähn.

19. Jetzt die Pflicht: Teil eins. Doppelseite über Pol Pot. Bestimmt interessant. Jetzt keine Geduld. Gerade noch einen Cappuccino getrunken, bald die Töchter packen und zum Großelternkaffee mit angereister Eifler Verwandtschaft anbrechen. Jetzt nicht so tun, als würde ich mich sonntags sonderlich für Politik interessieren. Am siebten Tage sollst Du Deinen Liebhabereien frönen. Lieber frönte ich meiner Liebhaberin, sowieso also ist das ganze Zeitunglesen nur Zeitvertreib. Die Zeit nun trödelt aber immer hartnäckiger, je mehr ich versuche, sie treiben. Kempowski übrigens las "nie die Zeit", was natürlich nicht für sein ganzes Leben zutraf. Sie hat's wohl irgendwann mit ihm verdorben. Früher ließ Fritz "Hauptbahnhof" Raddatz gerne den Kies vorm Kreienhoop unter den Reifen seines Sportwagens auf-s-prützen. Und Kempowski inserierte in der Zeit seine Literaturseminare und suchte nach Biographien und Briefen für das Archiv. Lese schnell den Artikel über Thomas Quasthoff. Contergan-Jubiläum. Über sein Singen bin ich unenthusiastisch. Vor allem Bach finde ich ziemlich schlimm. Aber egal. Contergan war Teil meiner Kindheit. Jochen, der Sohn von Freunden, ein paar Jahre älter als ich, der mit den Füßen seine vielen Terrarientiere versorgte. Ich, fünf oder sechs, saß staunend vor dieser Kunst und versuchte mit den Füßen Lego zu bauen. Ging damals noch ganz gut. Es gab halt Kinder mit Armen und Kinder mit geschickten Füßen. Von Contergan erzählte meine Mutter mir später. Und dass Jochens Mutter ein Patent hatte für eine Hosenumarbeitung. Hosen zum Anziehen ohne Arme. Die Blindschleiche und der Feuersalamander faszinierten mich aber nicht minder. Ein junger Mann mit kurzen Armen war schon in der Oberstufe, als ich in der Unterstufe war. Er ritt in der selben Reitschule, und nahm mich manchmal im Auto mit zur Reitstunde. Contergan war überall. Es gehörte zu meinem kindlichen Stadtbild. Die sieben, acht Jahre Älteren.

20. Hinten ein Bericht über Familienunternehmen. Die Körners, die Kleinleins und Böckleins, die Hollers.

21. Vermischtes: Pilger sterben im Himalaja an Höhenkrankheit. Eine Nachricht, weil es dieses Mal ein Deutscher war. 6700 Meter. Joanne K. Rowling schreibt kein Fantasy mehr. Kommentar zur Frauen-WM: "Schön war ..., dass besagte Nicht-Männer zivilisatorisch deutlich über den sogenannten profifußballspielenden Männern standen, die in ihrer intellektuellen Anmutung dem trostlosen Bild gescheiterter Staaten oder Grünen-Parteitagen gleichen."

FAS I - Sendung mit der Maus für Erwachsene

Früher brachte der gleichaltrige Nachbarsjunge meinen Eltern am Sonntagmorgen die WamS, ein schreckliches Machwerk, aber besser als gar nichts. Der Mangel an Zeitung war ein tief empfundener. Einmal gab es eine Sonntagsausgabe der FAZ, das muss kurz nach dem 9. November 1989 gewesen sein.

Die FAS beginne ich zum Frühstück mit dem, was man mir zuerst rüberschiebt. Da man darauf bedacht ist, mich bei Laune zu halten, ist das Feuilleton und Gesellschaft. Warum Blogs, frage ich mich da, und beziehe auch mein eigenes mit ein. Soll man wirklich Texte veröffentlichen, die ohne den Druck und die Kontrolle einer Redaktion entstanden ist? Die Selbstredaktion muss schon sehr streng sein. Meine ist auch manchmal zu gnädig mit mir.

Vielleicht möchte mich der Leser auf meiner Tour de FAS begleiten. Wer sie noch nicht liest, der fange am kommenden Sonntag heute damit an. Die Tankstelle hat bestimmt noch eine. Keine Verlinkungen auf Artikel im Web: Kaufen Sie bitte die Zeitung und lesen Sie sie auf dem Sofa, statt Pixel zu überfliegen. Wer dies beherzigt oder die Zeitung sowieso schon hat, kann auch hier aufhören, das Fensterchen zuklicken und das raschelnde Papier zur Hand nehmen.


Die Sonntagszeitung ist groß. Tageszeitung wäre mir lieber in tabloid, aber die Sonntagszeitung darf das. Ich beginne mit dem Feuilleton, davon gibt es heute zwei.

1. Zuerst schlage ich das Interview mit Kempowski auf. Gestern las ich in einem Blog von dem "Subgenre Reportage über Abschiedsbesuch bei Walter Kempowski". Ich finde Kempowski ganz normal. Er war ein nörgeliger Mensch, und das mit Recht. Ewig eingeschnappt, und das mit Recht. Grass und Walser schimpft er "die letzten Nieten", und das. Die Fragen von Nahuel Lopez sind doof.
Im Herbst 2006 haben Sie die Diagnose Darmkrebs bekommen. Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen?
... Es hat mich eigentlich nicht schockiert. ...
Haben Sie sich gleich mit ihrer Krankheit abgefunden?
Ja, das müssen Sie ja nun mal.
Lehnt man sich nicht im ersten Moment dagegen auf?
Nein, das können Sie mir glauben. Das war so, und das habe ich so akzeptiert. Punkt.

Anders als Johannes B. Kerner hören dann das Krebsgefrage auch auf. Aber das ist Zeitung, da steht ja nicht alles drin, was gesprochen wurde. Überhaupt werden im Interview ja selten Fragen so gestellt und Antworten so geantwortet. Man unterhält sich, dann baut der Schreiberling daraus Fragen und Antworten, legt es dem Interviewten vor, und der sagt, nagut oder wasfürnscheiß. Oft will der Interviewte dann genau das NICHT gesagt haben, was wirklich wörtlich aufgenommen wurde. Aber Kempowski meinte alles so, wie er es sagte. Bestimmt ein einfacher Interviewpartner, wenn man ihn ernst nahm. Über den Krebsgangtitel bei Grass war ich auch irritiert. Krebsgang hat auch was mit Bachfugen zu tun, was hat denn der Grass auf einmal mit Bachfugen. "Ich finde das ungehörig". Ungehörig, auch so ein Kempowski-Wort.

2. Nach Kempowski lese ich die "Suada", auch ein neues Subgenre, das doch das jetzt erledigte eben oben erwähnte Subgenre ablösen könnte. Eine Buchmessen-Suada von ichweißnichtwem, in einem schmalden Band am unteren Ende der Seiten, durchlaufend durch eineinhalb der zwei Feuilletons. Das erfordert schnelles Blättern, immer einen kurzen Blick auf die Artikel in den oberen zwei bis drei Vierteln der Seite, kurzes Scannen oben und entscheiden: Später noch lesen, später ignorieren. Das mit den "zwei bis drei Vierteln" ist blöd, da sind die aufgesetzten Buchanzeigen schuld. Wenn wenigstens die passenden Anzeigen zu den per Suada verrissenen Büchern und Umschlägen dort erschienen. Verliefe die Suada immer schön am unteren Rand, könnte ich sie einfach abschneiden zum späteren Wiederlesen. Oben scannen, unten lachen hat aber einen eigenen Reiz. Weitermachen. Später suche ich noch, wer die Suada geschrieben hat.

Schon der Anfang erzeugt inneres Kopfnicken, sachichdoch. Ich löffle eine weitere Einheit Zucker in meinen Milchkaffee.

"Das Gute an Büchern ist, dass man sie zuschlagen kann. Wo es um Literatur geht, gibt es keinen Grund zum Ärgern. Was einem nicht gefällt, muss man ja nicht lesen."

"Mosebachs Schuhe kritisiert man am besten, indem man selber bessere Schuhe trägt. Das Auge liest schließlich mit."

"Wie können es Menschen, die nicht zufällig bei Ritter-Sport beschäftigt sind, tagelang in Messehallen von Oswald Mathias Ungers aushalten, ohne gewalttätig zu werden wie in dem Film "Cube"? ... Ein Buch kann man zuschlagen und in die Ecke werfen, mit einer Messehalle ist das schwieriger."


3. Die Suada endet kurz vor Ende des Feuilletons, und was steht am Ende des Feuilletons? Richtig. Heute Themenabend Jacques Tati auf Arte. Gleichzeitig mit dem Tatort und dem zweiten Teil des Krimis mit Helen Mirren. Ich glaube, dass ich den Jacques Tati-Kram schon kenne, auch die Dokumentatione über die Entstehung von "Playtime Story". Die Filme haben wir sowieso alle auf DVD und auf einer Reise sogar schon einmal in Saint Sevère sur Indre übernachtet. Wer weiß, welcher Tati-Film dort spielt, erhält eine lobende Erwähnung.

4. Das Feuilleton lege ich nun bis zum Nachmittag beiseite und greife für einen ersten Überblick zu "Gesellschaft". Vorne geht es um Konsum, der Diamantenschädel von Damien Hirst ist zu sehen, der Milchkaffee noch nicht ausgetrunken, fange ich lieber hinten an. Oben ein ziemlich langweiliger Artikel über Polygamie und Polyamorie, die Herzblatt-Geschichte lese ich normalerweise, wenn alles andere alle ist, aber jetzt bin ich schon mal hier. Wundere mich über "Florentine Fritzen", hieß der Autor schon immer so? Nein. Komparatisten ans Werk.

5. Eine Seite davor ein Beitrag über "das große Ey", aber googlet doch selber, wer das war. Es gibt eine Ausstellung dazu in Düsseldorf. Neulich viel darüber im Radio gehört, beim Scannen nichts Neues entdeckt, also über den Kunstmarkt hinweg weiter Richtung Anfang blättern. Ein überfüssiger Artikel über Kinderwagen, den ich nicht lese, mich aber über das abgebildete Modell ärgere. So ein Ding, in den man den MaxiCosi-Autositz einfach einhängt. Damit das Kind in den ersten Monaten seines Lebens niemals eine andere Haltung als diese gekrümmte einnehmen darf. Aber so praktisch. Bitte, liebe hippe Jungeltern: Kauft diesen Quatsch nicht. Kinder müssen auch mal flach liegen. Sonst bleiben sie so lahme Enten wie Ihr es seid, die Ihr sogar zu faul seid, Euer Kind beim Aussteigen aus dem Autositz zu schälen.

6. Rechts gegenüber, also eben übersprungen, eine ganzseitige Anzeige von MacDonalds, 20 Jahre MacDonalds Kinderhilfe. Prominente in Kinderzeichnungen, offenbar von einem großen Künstler gemalt. Sehr gut gelungen das Bild von Heike Henkel rechts unten (Kopffüßler mit sehr langen Beinen).

7. Mode, Essen, Wein, Celine Dion - überspringe ich alles. Manieren ja. Milbradt bei der Teezeremonie sieht aus wie Lafontaine. Anna von Münchhausen durfte Fernsehen, weil Gero von Boehm verreisen durfte und über Paläste im Orient schreibt. Erfreue mich am Namen "König Bhumibol" (heißt der nicht Bhumipol) und lasse auch diesen Text liegen. Konsumkritik mit Hearst-Schädel vielleicht später lesen.

PAUSE. Das Frühstück ist beendet. Später mehr, wenn die Kinder die "Sendung mit der Maus" sehen. Die FAS ist die Sendung mit der Maus für Erwachsene.

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