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Hier gilt ganz normales Urheberrecht. Alle von mir erstellten Texte und Bilder sind mein geistiges Eigentum. Wer sich daran vergreift, ohne vorher gefragt und "Ja" zur Antwort bekommen zu haben, bekommt Haue oder Sonstwas. Also: Nicht abschreiben, nicht copypasten. Gerne nichtkommerziell zitieren und verlinken. Im Zweifel einfach fragen. sopran (at) gmx.net Mit Kommentaren verfahre ich selbstherrlich. Die allerallermeisten sind willkommen.

Samstag, 30. Juni 2007

Lieber Besucher aus Österreich,

ich habe Ihren Kommentar ("SOPRAN DU BIST EIN DUMMKOPF") vorhin etwas voreilig gelöscht. Ich war wohl im Überschwang etwas hart mit der Autorin. Kommentieren Sie ruhig weiter. Zur Kommentarpolitik: Werbung, Beleidigungen und Obszönitäten werden gelöscht. Aber Dummkopf ist ja keine Beleidigung sondern eine nicht nachweislich falsche Tatsachenbehauptung.

Wettvorhersage

Bevor ich mich mit meiner inneren Daniela zur Beratung zurückziehe, noch rasch meine Tipps für die Jury. Heute abend noch Konzert singen, hätte das fast vergessen. Wäre ein hörbar peinliches Vergessen geworden, weil ich für ein paar kleine Soli eingesprungen bin, die ich jetzt noch üben muss.

Warum kann ich mir nicht merken, ob das neun oder zehn Teilnehmer sind, unter denen am Ende die vier Preise vertan werden? Zehn, ich habe bei mir selber gezählt.

Prognose:

Durchgefallen sind

Andrea Grill
Milena Oda
Jörg Albrecht
Christian Bernhardt
Björn Kern
Ronald Reng
Fridolin Schley
Martin Becker

Preiskandidaten sind

PeterLicht
Jochen Schmidt
Dieter Zwicky
Jagoda Marinic
Jan Böttcher
Kurt Oesterle
Lutz Seiler
Thomas Stangl
Michael Stavaric
Silke Scheuermann

Mh. Die Kursiven habe ich eher zufällig verteilt.

Weitere Prognose:

PeterLicht bekommt einen Preis, aber nicht den Bachmannpreis.
Jochen Schmidt bekommt den Kelag-Publikumspreis (wg. Mobilisierungsgrad im Internet)
Um einen Preis findet eine Stichwahl statt zwischen Böttcher und Oesterle, die Oesterle knapp gewinnt.
Stangl und Seiler sind weitere Preiskandidaten. Es wird überhaupt etliche Stichwahlen geben. Ich wünsche Jagoda Marinic einen Preis, glaube aber nicht dran. Scheuermann können sie dagegen rausschmeißen.

Daniela Strigl wird eine hellrosa Bluse tragen.
Michaela Monschein dieses Jahr in Lila.
Ernst A. Grandits wird Blut und Wasser schwitzen.

Nun, wir werden sehen.

Martin Becker: DEM SCHLIFF SEIN TOD

Text hier. Eingeladen von Nüchtern.

Erste Frage: Was steht auf dem T-Shirt. Zweite Frage: Kann eine Nase bräsig sein? Also: T-Shirt dunkelbraun, Schrift gelb aber gefaltet. Brille rutscht. Die Brille ist älter als er.

IMG 0959

Irgendein Zitat:

Einen äußerlich gepflegten, gut gescheitelten Alten mit Doppelkinn und kleinem Bart im Blaumann, um die Sechzig vermutlich, ein Kerl wie ein Baum, wahrscheinlich vom Schleppen. Der nicht nach Alkohol stank, aber so aussah wie jemand, der jeden Tag trinkt. Damit kannte Schliff sich aus. Sie sahen einander in die Augen. Hubers Blick sagte: Wenn ich will, mach ich Dich platt. Schliffs Blick sagte: Wenn Du mich platt machen willst, dann mach.

Mh.

Die Frau hatte ihn angesehen und gesagt: Schliff, das wäre schön und ihm kein Wort geglaubt.

Kitschalarm. Geht auch los bei Kindergartenbildern, Fabeltier usw.

ALOIS NEBEL?

Ich bin unkonzentriert und habe den Anschluss verloren. Was ist mit den Hunden? Schliff sucht drei Hunde und lässt sich Finderlohn zeigend die Falschen andrehen und dann eingehen. Oder so.

Früher war er noch regelmäßig zum Turnen gegangen.
Turnen. Wie schön.

Er liest so lebhaft, dass er sich selber zum Lachen bringt.

Erinnerungen wie Möwen.


Jaja, das ist alles irgendwie kauzig und rührend und alles. Ein bisschen zu putzig. Ein vollautomatischer Kaffeezubereiter für den mittelgroßen Betrieb wird angeschlossen.

Akademiker mit Metropolenerfahrung, allein seine Angst, die stand nicht auf dem Papier.

Was für ein netter Kerl.
Du Blödmann.
Das Mett schmeckt aber lecker.


Sowas halt.

Er hockte unter dem Baum und weinte sich die Seele aus dem Leib.


Klischee. Heute kommen mir die Texte alle sehr lang vor. Ich sah auf das Ende und sah es noch fern. Becker hat seinen Text stellenweise gelb getextmarkert.

Ein prächtiges Exemplar.

Sehr süß, wie ihm die liebgewordenen Handwerker am Ende anbieten nun auch noch einen Frischwasserspender einzubauen "Dauert wenigstens noch zwei Tage, das Teil anzuzapfen."

Ursula März: "Bleibt die Rolle der Spaßverderberin doch noch an mir hängen, um die ich mich gestern gedrückt habe." Aha, erneutes Nachtreten in Sachen Licht. Sie hat mit Loriot verglichen, "Ein Klavier ein Klavier", die Tante aus Australien oder Neuseeland. NEIN. Die Oma aus Massachusetts, Corino wird das hoffentlich gleich verbessern. Irgendwie reicht es ihr nicht.

Strigl hat gelernt, was ein Hiwi (Corino: Der Hilfswillige) ist, aber nicht, was ein Kocher ist. "Man lacht mit gutem Gewissen zu Recht. Es sind auch die Dialoge gut gemacht." Aber aber: "Too much." Corino kollaboriert mit Strigl. Er hat sich wohl wieder eingekriegt.

Radisch wie März: Auf Theater gerechnet, aber nicht Loriot sondern "Biedermann und die Brandstifter". Sie findet es komisch. "Es sind alle Personen gleichermaßen desorientiert", vielleicht wirklich ein bisschen viel. "Eine Art Reihenhausweltuntergang". Ihr gefällt der Text. Aber bestimmt nicht bis zum Preis gut.

Ebel hatte auch Vergnügen. "Nicht alles sprachlich gelungen". Insgesamt gut amüsiert aber lau.

Mangold ist "phonozentrischer". Beim Hören seine "innere Rhythmik verstanden", und das hat ihm gefallen. "Ich verstehe aber überhaupt nicht, welche Funktion diese Komik einnimmt." Weiß nicht, was das alles soll. Kann ich verstehen. "Kein überzeugender Text".

André Heiz findet "innere Konsequenz des Textes ganz phantastisch". Hätte das lieber als Endlosschleife gehabt, ok, "Sie wollen mir das aber nicht als Metatext verkaufen, Herr Nüchtern?" - "Neinnein" - "Dann ist gut, sonst hör ich nämlich grad auf." Was ihm dann doch zu viel ist, ist die Sentimentalität. Er trägt übrigens einen Dreiteiler aus schwarzem Anzug mit Strickjacke mit Reißverschluss.

Nüchtern jetzt: Ich bin ein schlichter Mensch und habe den Autor eingeladen, weil mir der Text gefallen und mich amüsiert hat." - "So doof, dass es schon wieder gut ist." Super: "Für die, die was Existentielles brauchen, sage ich auch noch was..." Nur WAS? Denn jetzt ist hier vorbei.

Ächt, mühsames Fummeln nach dem Videostream, da ist noch Ton drauf, Nüchtern erzählt gerade was über seinen Bruder. Will noch jemand? Nein. Das war's. Okayer Vormittag.

In Klagenfurt muss sich heute Nachmittag nach dem Fußballspiel die Jury auf die neun? zehn? Preiskandidaten einigen, morgen vormittag wird dann öffentlich über die Preise abgestimmt.


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Thomas Stangl: Text für Klagenfurt

Was ist das denn für ein Titel?

Zumindest scheint er über unterschiedliche Themen schreiben zu können. Was man von anderen Leuten nicht behaupten kann.

Grandits im schwarzen T-Shirt mit gestreiftem Jackett. Fabelhaft.

Stangl dagegen ganz 80er, Lockenpracht, grünes Hemd, zwei Knöpfe offen, Ärmel hochgekrempelt.
Klagenfurt am Samstagmorgen
Eine Faust schließt sich um sein Geschlecht.

Ich habe auch ein kleines Loch in die Wand gebohrt. Mit fünf.

Kakao auf der Haut, klumpendes Butterbrot.
Mir schmeckt das Tabouleh nicht mehr. Muss man nicht damit rechnen, dass dem ein oder anderen Juror nach den Ausschweifungen der Nacht noch der Magen rotiert? Und im Nebenzimmer siecht die Großmutter. Oh, das ist so deprimierend. Und schon wieder. Eine Faust schließt sich um sein Geschlecht. Noch will ich hoffen, dass es seine eigene ist.

Ich geh mal weg, ich will das jetzt weder lesen noch hören. Wie schön: Muss ich ja auch nicht. Steige einfach auf Seite drei aus und überprüfe, was die Heuschreckenplage von Kinderreichtum übrig gelassen hat. Nicht einkaufen zu müssen ist auch eine Form von Urlaub. Ich schalte dann wieder zu, wenn die Jury sich weiter zerfetzt. Ein großer Spaß heute! Bin auf Spaß gebürstet, da kommt mir Stangl quer. Das kommt mir wieder so wienerisch vor. Ich muss mal prüfen, was dieses Wienerische für mich ausmacht. Jelinek, Hochgatterer, Stavaric, Stangl Das zieht so runter. Ich nutze die Zeit, die Fotos einzustellen.

Nun also:

Strigl fängt an. "Solipsist Nummer vier". Vergleicht mit Oda. "Das alles ist gut, solange er sich die wirklich da sind vom Leib halten kann". "Ich bin sehr angetan und bewundere diesen Text". Ich ziehe erstmal den Wien-Bonus ab: Sie versteht das halt. Ich kann mich zurücklehnen, denn ich habe keine Ahnung, was drinsteht, ich ließ das ganze als Staubsaugergeräuch durch die Ohren rauschen.

Rakusa: "Ich bewundere diesen Text auch." Sie trägt heute einen dünnen braunen Pullover. Bestimmt teuer. Dazu etwas dickes Rotes um den Hals baumeln. Herz oder Paprika?

Ebel findet den Text unsinnlich und mag ihn nicht. Mehr nicht gespeichert, muss Kirschen essen und die Post entgegennehmen.

Mangold: "Dieses Archiv hat eine vergleichgültigende Wirkung." Ja. Und? Er vergleicht den Text mit dem Webteppich, dessen Foto hinter der Jury hängt. Gefällt ihm aber irgendwie nicht.

März: Erzählt von einem Buch "Ich will kein Inmich sein", Corino pampt sofort dazwischen: "Fälschung der Mutter", weiß März schon, Corino guckt nur noch aus der Runde raus und sucht neue Freunde im Publikum. Immer noch tief beleidigt. "Inmich-Literatur auf einem hohen Niveau". "Keine Dynamik".

Nüchtern spricht von einer "abstrakten Stadt", ach. Ich dachte, der springt jetzt auf die Straßenbahn nach Wien. Er meint wohl: "abstraktes Wien". Trifft Stangl manchmal im Supermarkt. Macht den Corino: "Wer in einer Stunde vom Karmeliterviertel in der Simmeringer Heide ist, hat einen ganz schönen Speed drauf."

Heiz redet wieder erstmal über was Anderes. Philosphie. "Das Geben im Gegensatz zum Sein." Höm? Piet Klocke. Genau. Er hat eine zweite Beerdigungskrawatte. Vielleicht sogar eine Dritte, ich habe den ersten Tag nicht überprüft. Kaffeetasse und zwei Wasserkannen, sieht nach schwerem Kater aus. Was hat er zum Text gesagt?

Radisch: "Text, der sich zur Welt hin unendlich weit öffnet". Haltlose Begeisterung natürlich. Unbedingter Siegeswillen: Dieses Jahr zwei Preise, März einholen.

Rakusa rudert von Licht aus gegen den Strom zurück. Findet's super und braucht keine Spannung.

Corino jetzt, schon wieder angepisst, weil nur noch wenig Zeit ist. Jetzt rächt er sich an Radisch. "Zu Tode gerittenes "Ich-bin-ein-anderer", das ist ja nett. Und Radisch quasselt ihm weiter rein, das ist ja auch doof. Sie ist genau so beleidigt. Er psychoanalysiert, aber leider liegt ihm der Patient ja nicht vor. "... macht es einem weiß Gott nicht leicht, bei der Stangl zu bleiben."

IMG 0958

Nein, ich glaube, das werde ich nicht lesen. Nicht mehr vor morgen.


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...

Pausenfüller, was ist eigentlich aus Scobel geworden? Draußen sitzen Mangold und Wolfgang Maaz, den ich im letzten Jahr mal mit Huonder verwechselt habe. War aber egal, ich habe ja mit keinem von beiden gesprochen. Sie reden über Handke. Dieses Jahr ist der Pausenclown die Gruppe 47. Wegen 007 halt. Und nächstes Jahr die Fußball-EM, die dann auch in Klagenfurt stattfindet. Wahrscheinlich sollte man jetzt schon das Zimmer im Schloßhotel reservieren. Zwei fehlen noch, aber mir fällt gerade nur Stangl ein.

Seit zwei Stunden bin ich alleine im Haus und langsam sackt das durch. Ich esse Tabouleh aus der Packung, es ist ruhig, ich werde nachher ein paar weitere Zimmer beziehen und irgendwann am Abend ein paar Stunden Arbeit erledigen. Am Nachmittag den Badeanzug und das kleine Schwesterlein einpacken, das ein paar Häuser weiter Wunden leckt und fahre raus zum Badesee. Vielleicht. Ich kann auch den ganzen Nachmittag in der Hängematte liegen, ohne dass mich jemand schaukelt.

Björn Kern: EINE HALBE STUNDE NOCH

Text

(Der Titel ist natürlich super für einen Klagenfurttext)

Beginnt leider mit "Elsa Lindström", und da möchte ich schon abschalten. Konsequent wohnt sie dann in der "Sonntagsstraße 11". (Nachtrag: Habe mir sagen lassen, die liegt in Friedrichshain). Es geht bisher um köperliche Verfallserscheinungen. Kerns Thema seit seinem Zivildienst im provencalischen Pflegeheim. Die alte Frau lebt allein. Sie verbrennt sich die Hand auf der Herdplatte.

Ihr Schrei klang wenig menschlich, quengelnd klang der, gequält, ein süßlicher Geruch stieg auf, wie gegrilltes Huhn, dachte Elsa, die seit Jahren kein gegrilltes Huhn mehr gegessen hatte, die glaubte, ihr würden Hautlappen von den Handknochen schmelzen, es hatte richtig gezischt.


Das erinnert aber an Inka Parei "Was Dunkelheit war" (Bachmannpreis wann?), detaillierte Schilderung von Alter, Fenster öffnen, Gehhilfe, Stolpern in der Wohnung, Caritashelfer, hier in weiblich und ohne in eine Geschichte eingebettet zu sein. Bisher.

Jetzt taucht Bruno auf. Perspektivwechsel. Der Pfleger, der vor Feierabend noch die alte Lindström abfertigt. Nachher würde er die stinkenden Greise und Kakerlaken "wegzappen".

Elsa wusste, dass sie schon in einem Monat nicht mehr wüsste, was sie jetzt noch wusste, sie hatte den ganzen Tag nichts zu tun, aber die Zeit drängte, hier drin würde Elsa im Zeitraffer zu Staub verfallen, man hörte schon jetzt nicht auf sie, obwohl sie vollkommen klar war, scharfsinnig fast, Elsa Lindström, sagte Elsa Lindström, siebenundneunzig Jahre, sagte sie, was kann ich für Sie tun?

Sehen Sie sich den Text ruhig mal an, der ist schön verteilt auf dem Papier, mit kleinen Zwischenzeilen, die miteinander zu verbinden sind. Die Absätze dazwischen gerade kurz genug, dass der Zusammenhang zwischen den Einschüben gewahrt bleibt.

Roch da nicht etwas?

Jetzt roch es deutlich!

Verbrannt...


Das zieht sich jetzt nicht durch den ganzen Text, keine formale Masche also, die überreizt würde. Das ist schön gemacht. Die Alte war mal ziemlich helle, der Junge Bruno Buntler ist einfach gestrickt, aber keine Rollenprosa oder schlechte Rollenprosa. Der Autor spricht für die Personen in seiner Sprache, und die ist elaboriert. Und nicht immer treffsicher.

Bruno, der in seinem Leben noch nie eine richtige Zeitung aufgeschlagen hatte, konnte nicht glauben, dass seine Patientin die unbehauenen Textblöcke darin wirklich verstand, aber darum ging es auch gar nicht, wie Bruno erahnte, als er den angeschmorten Schlüpfer in den Mülleimer warf und Elsa unter Tränen auf das Metallgitter ihres Krankenhausbettes einschlug, oh nein, darum ging es nun wirklich nicht.


unbehauene Textblöcke. Puh.


Frau Lindström?

Können sie mich hören?

Frau Lindström!

Frau Lindström, spüren Sie das?

Frau Lindström, ...

So ist es gut!

Atmen Sie ruhig!


Ich halte es für möglich, dass dieser junge Mann nur eine einzige Geschichte zu erzählen hat, die er immer wieder erzählt: Wie ein junger Mann mit dem körperlichen Verfall im Alter konfrontiert wird und wie ein alter Mensch mit einem jungen unbeholfenen Mann konfrontiert wird. Das ist Kippunkt (das ich gelesen habe) und wohl auch "Einmal noch Marseille" (das ich nicht gelesen habe), in dem der junge Mann der Sohn ist und der körperliche Verfall der Mutter widerfährt (ALS, die Scheiße, an der Immendorf gestorben ist). Das macht er dann mit zunehmender Alterung zunehmend kunstvoll. Oder künstlich.

Am Ende ist sie tot, aber gut. Immerhin 97 geworden. Ich habe auf der Hälfte das Hirn abgeschaltet, es wurde immer gruseliger. Das halte ich am frühen Morgen einfach noch nicht aus.

Okay, das weiß ich jetzt schon, weil ich auf das Ende gesehen habe, Zeit, sich den Autor anzusehen. Björn Kern trägt das schwarze Hemd, das man hier so trägt als Autor (Schmidt, Oesterle, Seiler und bestimmt noch ein paar andere). Er ist schlecht rasiert oder hat minderen Bartwuchs. Er sieht meinem Bruder ähnlich, aber das bringt Sie ja nicht weiter. Er liest angemessen monoton.

Oho! März will nicht noch mal verweigern "einmal reicht, das hat mir auch zu Schaffen gemacht im Nachhinein". Sie grämt sich also über ihre Feigheit vor PeterLicht. "Es fällt mir sehr schwer, diesen Text zu kritisieren, weil der Stoff sehr packend ist und sehr wichtig." Jetzt ABER, Frau März: Ja? Ich warte... Aha. "Mir gefällt die Geschichte gar nicht". "Dass die Entmündigung der Frau auch durch die falsche Erzählhaltung geschieht". Sie wirft ihm Lächerlichmachung der Figur vor. Ja. Er stülpt ihr seine Sprache auf. "Prototypischste klischeehafteste Dinge, die man über alte Menschen sagen kann".

Oh. Björn Kern hängt sich gerade auf: "Von Erzählperspektive habe ich keine Ahnung, aber von alten Menschen habe ich sehr viel Ahnung." Ja okay, Sie sind hier aber als Autor und nicht als Altenpfleger.

Ebel will keinen "Stoffbonus" für Texte geben. Inka Parei, genau. Viel besser. "Mein Problem mit dem Text ist, dass ich ihm nicht so recht glauben kann."

Klagenfurt am Samstagmorgen

Strigl: Es hapert an der Sprache. Endlich wird mal über Sprache geredet, das freut mich. Strigl hat auch ihren Pyjama anbehalten, aber der steht ihr nicht. Nüchtern sähe in Strigls Pyjama natürlich fabelhaft aus. "Fast schon überschwänglich fragte er sich..." zitiert sie.

Mangold: "Kern versteht sein Handwerk, aber er setzt es (nachhören) ein. Literarischer Erpressungstext". "Dass ich als fühlender Mensch gar nicht anders können soll, als diesen Umstand zu verdammen". "Ich möchte mich nicht in dieser Weise drängen oder erpressen lassen".

Inzwischen ist Andre Heiz im Studio eingetroffen/erwacht. Heiz redet wieder irgendwas, was ich nicht verstehe. Über das Buch "Einmal noch Marseille" und warum junge Männer über dieses und jenes schreiben. "Persönliches Unbehagen", "in keiner Weise gegen Sie oder gegen den Text". Ja wie jetzt?

Radisch. "Was mich umgehauen hat, ist, dass der Autor sagt, er habe von Erzählperspektive keine Ahnung". Er versuche etwas "Ungeheures", nämlich "hier soll ja Sterben von innen geschildert werden", was dann "peinlich misslingt". Radisch ist das Gegenteil von Heiz, der keinem wehtun will. Ich bin ihr dankbar, denn: Einer muss es ja tun. Sonst stimmt die Gruppendynamik nicht. "Der Text kokettiert mit den gebrauchten Slips... Auf Kosten der Opfer."

Nüchtern "jetzt mal halblang". Er hat zwei Unbehagen. Mäßigung. "Ich habe einen Grundrespekt vor Zivildienern, unter anderem, weil ich mich davor gedrückt habe". Aha. Nüchtern tappt in die "Stoffbonus"-Falle.

(Merke gerade, dass ich bei Böttcher und Kern jetzt mal diametral zu Juliette Guttmann stehe, spannend.)

Nüchtern: "Es ist legitim, Erzählperspektive zu wechseln, aber man muss wissen, wo man gerade ist."

Schöne Diskussion übrigens, so mag ich das.

Rakusa? "Unschlüssig" - "Überdramatik".

Was macht Corino jetzt? Einatmen und seufzen. "Selbst zwei Verwandte, die jenseits der 90 in fernen Heimen..." Er schwingt auch die Wirklichkeitskeule - wer sich mit Greisen auskennt usw. Beleidigt, dass bei Schmidt nicht über die Erzählperspektive genörgelt wurde. Das ist ja nun doof. Corino ist genauso beleidigt wie Kern. "Symptomatisch, wie hier ein Text, der sich mit einem persönlichen und gesellschaftlichen Problem befasst, auf eine extreme Weise abgewertet ist". Und jetzt der Todesstoß für den eigenen Kandidaten: "Es mag nicht überall gelungen sein, aber doch großer Ehre wert." Ächz.

Strigl: "Nicht weiterführend, die Biographie des Autors für oder gegen den Text anzuführen."

Corino: "...wenn mit dem vorausgehenden Text ein solcher Affenzirkus veranstaltet wird."

Radisch: "Dieses Nachtreten..."

Kleiner Streit zwischen Corino und Radisch, unbedingt anschauen!

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Jan Böttcher: Freundwärts

Dir geht's wohl zu gut. Wo kommen denn hier plötzlich ganze Sätze her?

Bei diesen Worten schalte ich zu, nachdem ich gerade die restliche Familie aus der Tür geschoben habe, Vater fährt mit vier Kindern "nach Urlaub" ans Meer. Zwei Wochen nur unter Erwachsenen, was für eine Erholung!

Jan Böttcher liest "Freundwärts". Ich weiß noch nicht, worum es geht, um einen Deich im Osten? Elbauen. Dorf, DDR, Gott. Nichts Schlimmes bisher. Der Protagonist scheint Jo zu heißen. Der Autor trägt ein graues Hemd für ohne Schlips zu tragen und eine dieser Brillen, immer diese Brillen. Er hat die Kathrin-Taktik im Prinzip verstanden: Sich so anziehen, dass man bestmöglich mit dem Hintergrund eins wird. Mehr blau wäre aber gut gewesen.

Klagenfurt am Samstagmorgen

Die Alten, was für ein Gespann. Für die beiden wird es noch im Jenseits keine gemeinsame Partei geben. Der Bauernstaat. Der Großvater schimpfte immer über den Landraub, Bodenreform, als er noch meckern konnte. Das Thema finde ich nicht schlecht, und: Es gibt ein Thema, das ist doch auch mal schön.

Okay. Jo ist Polizist in Hamburg, ist aber degradiert worden, "menschenverachtende Kommentare gegenüber Passanten", er fährt nun ja nach Hause, um sich um seinen alten kranken Großvater zu kümmern, im Osten auf dem Hof. Jetzt funkt er nur noch, seit vier Jahren, einziger Vorteil: Er kann Dienstpläne ändern und deshalb schnell mal zum Opa fahren. Man erfährt nach und nach etwas über die Verfehlungen, und was das mit seiner DDR-Herkunft zu tun hat. Ich müsste das von vorne lesen, bevor ich es für gelungen erkläre. Die Namen sind in Ordnung: Jo Brüggemann, Fritz und Hans. Sauber erzählt, keine Qualen.

Im November wird am Himmel wieder die Hölle los sein. Kann man mal machen, ist ja sonst ziemlich ernst. Zwei Vergangenheiten: Die des Großvaters in der DDR/ gegen die DDR und Jos Scheitern bei der Polizei. Der Ort der Vergangenheit ist ein Grenzdorf Ost/West Mecklenburg/Niedersachsen. Stolpau. Der eine war in die Kirche gegangen, der andere zur Kreisleitung. (Ersteres der Opa, Zweiteres der Vater, der Sohn dazwischen. Vater: Gerade am Zaun gehört sich ein klares Bekenntnis zur Partei. Aber: Sein Vater hatte sich diese Sprache ja auch nicht ausgedacht.

Ich glaube, ich mag das. Bisschen viel Deichkrug und Pumpernickel für meinen Geschmack. Leberwurstbrötchen. Die Dialoge sind völlig in Ordnung, und das kommt selten bis nie vor in Klagenfurt. Deshalb fette ich Ihnen das mal. Ich finde das wirklich sehr, sehr schön. Ein Thema, ein Thema! Schade nur, dass nicht geschossen wird.

Nüchtern "sehr beeindruckt und sehr berührt", ist das seiner? Nein, Mangold seiner. Nüchtern ist heute fantastisch angezogen, er hat den Pyjama anbehalten und ein farblich passendes Sakko drübergeworfen, perfekt.

Klagenfurt am Samstagmorgen

Corino schläft auch noch, nennt Böttcher Brüggemann. Heute im grauen Anzug, aber wieder weißes Hemd mit sehr schönem Kragen, offen. Radisch guckt schon wieder so, sie hat ein rotes Hemdchen an, darüber wieder so ein enges Jerseyjäckchen, schwarz. Steht ihr gut, schlampig wie immer. Corino hat wieder was gefunden "ganz winzige Stellen, wo man merkt, dass der Autor kein DDR-Bürger war". "Ziemlich makelloser Text".

März hat heute morgen dick aufgetragen, die Spuren der Nacht verwischen. Aber super Bluse wieder. Samstag neun Uhr ist die Hölle. Hölle auch Strigls Hemd, aber das möchte ich nicht beschreiben. März hat's im Prinzip auch nicht schlecht gefallen. "Schön, wie er das Material einsammelt, das da ist". Die Überfahrt mit der Fähre, die B96. Sie konstatiert aber Spannungslosigkeit. Ich finde das nicht, der Protagonist ist selber so gedämpft. "Der junge Mann steht unter Spannung". Geht so.

Klagenfurt am Samstagmorgen

Frau Strigl ist "nicht so ganz glücklich mit dem Text". Sie ist todmüde, vielleicht kommt die "Spannungsarmut" vom spannungsarmen Zuhören. Der Autor hatte beim Lesen auch seine Mühe, die Augen offenzuhalten. "Es muss viel erklärt werden." "Man merkt die Aufgabe zu stark."

Rakusa genauso müde. Könnte mal jemand rumgehen und jedem eine Ritalin ins Wasserglas drücken? "Ein sehr stimmiger Text".

März ist "nach dem, was Frau Strigl gesagt hat, klarer geworden, was ich eigentlich sagen wollte."

Radisch jetzt. Erklärt erstmal, wie wichtig und historisch usw. das ist, aber? "Ich schließe mich an dieser Fraktion, die hier literarische Spannung vermisst." Wenn sie schon wach wären, hätte er es leichter. Jetzt behauptet sie auch noch, dass er die Elbe überhaupt nicht überqueren muss.

Ebel: "Ich mach jetzt mal den Corino", und nimmt den Autor geographisch in Schutz. Ist Heiz schon wach?

Radisch ist aber noch nicht fertig. Ach, egal. Zu wenig Landschaft oder zu viel oder was.

Ebel also: "Vater und Sohn haben Beobachterberufe". Sein "Tropfen Wasser in diesen guten Wein" ist, dass er "zu sehr aufgeht". Na, ist doch mal schön. Wenn einem nix mehr einfällt, dann geht es "zu sehr auf", oder ist "zu glatt."

Mangold wehrt den Spannungsarmutsvorwurf natürlich ab. "... dass sie sich in Lethargie flüchten". Genau. Habe ich doch gesagt. Mangold gefällt mir ziemlich gut. Sehr frisch, sehr gut vorbereitet. Kein Ersatz für Spinnen, aber für Detering. Heiz dagegen braucht nächstes Jahr nicht mehr zu kommen. Der enthält sich ja dauernd. Ich bin gespannt, ob er das Abstimmungsverfahren versteht.

Nochmal Nüchtern, wo ist Heiz? Nüchtern vergleicht mit den anderen Autoren, und wie man da jedes kleinste Motivchen jubelnd begrüßt. Und "hier wird das kleingeredet und gesagt er kann das schon ein bisschen zu gut." Heiz! Schweigt! Ist er überhaupt da? Ich habe ihn noch nicht gesehen!

Böttcher: Willner-Kandidat.


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Fleißarbeit, Bachmann 2007

Jörg Albrecht
von Schläfe zu Schläfe [Phantombildschirm]
Deleuze & Guattari sagen,
Eine Horrorgeschichte, das Gesicht ist eine Horrorgeschichte

Von mir gelesen und angesehen.

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: Kurzes Scharfstellen, kurzes Aufatmen, letzter Versuch weiterzuleben: Wach, hellwach wollen wir weiterleben, ohne uns zurückzuspulen, ohne uns vom Negativ abzuziehen, weiterleben auf der Tanzfläche.

Letzter Satz: Diese Worte müssen auf Repeat gehört werden, auf Repeat, Repeat Repeat, denn.

Lesungsklamotte: Jeans (liest mit Hose, also im Stehen), weißblaudiagonales T-Shirt (Trigema?), weiße Turnschuhe, schlimme Brille (Woody Allen). Wie 80erblöd. Später für die Diskussion ein weißes Handtuch um den Nacken. Grusel.
Rechtschreibung: alt (80er)
Martin Becker
DEM SCHLIFF SEIN TOD

Lesung und Diskussion gesehen

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: Und Frau Jung wartete auf die aufgehende Sonne, sie hatte keine andere Wahl.

Letzter Satz: Unwahrscheinliches Ende

Lesungsklamotte: Dunkelbraunes T-Shirt mit gelbem Schriftzug
Rechtschreibung: neu
Christian Bernhardt
Was sie hier haben

Gelesen und angesehen.

Text
Lesung
Diskussion
Erster Satz: Sie hat, genau wie ich, dunkle Haare, fast schwarz sind sie, und sie ist kleiner als ich, sie ist sieben Zentimeter kleiner, und ich vergesse immer wieder, warum wir uns streiten, ich mag das nicht, dass ich den Grund immer wieder vergesse.

Letzter Satz: Wir bezahlen getrennt.

Lesungsklamotte: Braunes kurzärmliges Jersey-Hemd. Spannt. Wahrscheinlich aus dem schwulen Laden, in dem der Film gedreht wurde.
Rechtschreibung: neu
Jan Böttcher
Freundwärts

Gesehen und durchaus genossen.

Text
Lesung
Diskussion

Lesungsklamotte: graues Hemd, ordentlicher Schnitt, oben kein Knopf
Rechtschreibung: neu
Andrea Grill
Freunde

Noch nicht gelesen, aber Diskussion gesehen.

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: Ich muß vor mir selbst flüchten.

Letzter Satz: Wir haben einander zu oft gesehen, um wirklich Freunde zu werden.

Lesungsklamotte: Weiße ärmellose Bluse. Einwandfrei.
Rechtschreibung: Neu
Björn Kern
EINE HALBE STUNDE NOCH

Gesehen und Diskussion sehr genossen.

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: Elsa Lindström lauschte seit Stunden der Stille, diesem leise surrenden Nichts, das sich ungeniert breitmachte, auf Kommodendecken und Kleiderzipfeln, auf Bücherbergen und Trockenblumensträußen, als sei nicht Elsa, als sei die Stille die rechtmäßige Bewohnerin der Sonntagstraße 11.

Letzter Satz: Gegen vier würde die Welt erwachen, nur Elsa nicht, Fahrstühle würden gehen und Bahnen fahren und Uhren ticken, ihr Herz aber schlüge nicht mehr, Elsa wollte noch einmal Kinder streicheln, notfalls auch fremde, und ihre Mutter sehen, nach achtzig Jahren war das auch an der Zeit, die Sonne knallte auf Elsa und auch auf den Hof und die Äpfel, die reiften, in Brandenburg, und Elsa wollte den Schleier wegziehen, über den Äpfeln und über der Mutter und über sich selbst, aber ihr Arm war zu kurz, der Sand stob ihr in die Augen, und niemand leitete die Blitze ab, die über dem Hof niedergingen und die Obstbäume in Brand setzten, ihre Eltern hatten Elsa das Keltern erklärt, die Äpfel brauchten Licht und kein Feuer, und Elsa brauchte Licht und kein Feuer, und weit unter sich sah sie ihren Körper liegen, und Bruno berührte sie am Handgelenk und an den Augen, und Elsa fühlte sich leicht.

Lesungsklamotte: Schwarzes Hemd.
Rechtschreibung: Neu
PeterLicht
Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends

Lesung und Diskussion gesehen, nachts dann gelesen... Noch nicht fertig.


Text

Lesung
Diskussion

Erster Satz: Es ging mir gut.

Letzter Satz: Es ging mir gut.

Lesungsklamotte: Graues Hemd, große Brille
Rechtschreibung: alt
Jagoda Marinic
Netzhaut

Von mir gelesen und angesehen.

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: Regale. Regale. Regale.

Letzter Satz: Ich laß mich nicht länger überfordern von dieser Welt.

Lesungsklamotte: Überwiegend Ausschnitt
Rechtschreibung: Alt
Milena Oda

DER BRIEFSCHREIBER
(Auszug aus dem Roman)

Ehrlich gesagt: Ich bin schon nach ein paar Sätzen aus diesem Roman final ausgezogen.

Von mir gesehen, aber nicht gelesen (never).

Text
Lesung
Diskussion

Skandal: PeterLicht hat als letzter gelesen, seine Aufzeichnungen sind schon Freitagabend veröffentlicht, die von Oda und Oesterle aber nicht erst am späteren Samstag.

Erster Satz: Das ganze Unglück der Menschen rührt aus einem einzigen Umstand her, nämlich, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können, antwortete mir letztlich Blaise auf die Darlegung meiner Lebensweise.

Letzter Satz: Dafür bin ich allen dankbar.

Leseklamotte: knallrotes Mädchenblüschen
Rechtschreibung: neu
Kurt Oesterle

Wunschbruder
Roman (Aus dem ersten Kapitel)

Teilweise verfolgt.

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: An dem Tag, als seine Eltern die Gewißheit erhielten, kein Kind mehr zeugen zu können, wurde ihr Sohn Max im Alter von fünf Jahren zum zweiten Mal geboren: als einer, der endgültig und hoffnungslos ohne Geschwister bleiben mußte.

Letzter Satz: Doch immer wenn er an die Stelle kam, an der noch jüngst die Geschwisterbitte erhoben worden war, mußte er sich vorsehen, sie aus Gewohnheit nicht wieder einzufügen; so blieb sie unvergessen.

Leseklamotte: schwarzes Hemd, oben offen
Rechtschreibung: alt
Ronald Reng
Prolog eines neuen Romans

Später zur Diskussion eingestiegen. Wird nachgearbeitet. Eventuell.

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: Sie zog die Tür hinter sich zu wie jemand, der nicht vor hat, sie wieder zu öffnen.

Letzter Satz: „Mama“, sagte Sascha, „warum nimmst du nicht die Sonnenbrille ab?“

Lesungsklamotte: Dunkelgrause Sakko, weißes Hemd, zwei Knöpfe offen. Korrekt.
Rechtschreibung: Gemischt. “schloß” alt, “dass” neu. Ärgerlich.
Silke Scheuermann
Die Furchtlosen

In Nachtarbeit nachgeholt.

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: Der Tag pumpte sich ein letztes Mal auf und schickte Sonne und Energie.

Letzter Satz: Ich meine: die Lösung in einer Geschichte, die nicht fortgesetzt werden muss.

Lesungsklamotte: Rotes Oberteil, lange Ärmel, prima V-Ausschnitt
Rechtschreibung: neu
Fridolin Schley
Unannehmlichkeiten durch Liebe

Von mir gelesen und angesehen.

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: Ich müsse mich nicht entschuldigen, schrieb Brand, für meine Frage nach der Entstehung und dem autobiographischen Hintergrund seiner mir vorliegenden Prosaskizze, letztlich seien diese Fragen doch die natürlichsten und interessantesten, die Literatur aufzuwerfen in der Lage sei.

Letzter Satz: Dann spüre er deutlich, wie die Vergangenheit über ihn komme und ihn hole, und wie sie schlage in ihm wie ein zweites Herz.

Lesungsklamotte: Dunkelbraunes Sakko (Cordsamt), weißes Hemd, zwei Knöpfe offen. Korrekt.
Rechtschreibung: neu
Jochen Schmidt
Abschied aus einer Umlaufbahn

Verpasst, aber aufgehoben für Samstagnachmittag. Hier ist ja kein Loretto.


Text

Lesung
Diskussion

Erster Satz: Es gibt viele Gründe, die Erde zu verlassen, aber wenig Mittel.

Letzter Satz: Aber bei welcher Gelegenheit wäre es verzeihlicher, sich ein wenig gehenzulassen, als beim eigenen Tod?

Lesungsklamotte: Schwarzes Hemd mit aufgekrempelten Ärmeln. Prädikat: Hemdsärmlig.
Rechtschreibung: alt
Lutz Seiler
Turksib
(Auszug aus einem langen Prosatext)

Noch keinen Mut gefunden.

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: Die Stöße der Gleise waren jetzt stärker und kamen unregelmäßig; mit ausgestreckten Armen hielt ich mich zwischen den Wänden der winzigen Kabine.

Letzter Satz: Langsam trat ich an sie heran, und während sie die feinen, regelmäßigen Schwingungen des Wagens in sich aufnahm, sein leichtes Schaukeln und Schwanken und auch die festeren, unregelmäßigen Stöße der Turksib, für die ich mich an ihren Hüften hielt, geschehen ließ, entdeckte ich im Spalt zwischen den Gardinen, vor dem Fenster des Abteils, eine Flut von dunkelroten Punkten – aber das war nur ein Schweif von Glut, der den Waggon umhüllte.

Lesungsklamotte: Nachtblaues, in sich gestreiftes Hemd, zwei Knöpfe offen, faltenwerfend, schlammfarbenes Sakko über der Stuhllehne. Künstlerisch-nachlässig. Nuja.
Rechtschreibung: alt natürlich. Weiß ich ohne hinzuschauen.
Thomas Stangl
Text für Klagenfurt

Lesung (verweigert) und Diskussion (verfolgt)

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: Er ist nicht dieses Kind (breite Kragenaufschläge, eine große Brille, Seitenscheitel, ein Haarflaum, der im zu grellen Licht auf seinen weißen Wangen erscheint und ihn beinah zu einem Erwachsenen macht, der oberste Hemdknopf ist geschlossen, er trägt einen Blazer, schaut ernst und zugleich vollkommen gedankenlos drein, verloren in seinem Ernst und seiner Gedankenlosigkeit).

Letzter Satz: Es geht darum, Raum an Raum zu setzen, mit schmalen Verbindungsgängen, Winkel für Winkel öffnend, er spürt sich ganz langsam, von welcher Seite der Zeit aus, hintreiben in die Zärtlichkeit, sieht den Sonnenschein am Boden; nach einer Stunde, mit aufgequollenen Füßen, stinkend, steht er vor einem Gemeindebau, bald dahinter die Autobahn, die Gemüsegärten, die Simmeringer Heide; der Wind bringt das trockene Laub auf der Straße zum Sprechen, er hört aus den Wohnungen die früheren Bewohner an den Wänden kratzen (bröckelnde Mauern, weißes Bettzeug, die Decke über einem Menschenkörper, die er abzieht, wie eine Papierschicht über alten Fotografien in einem Album, wie dünne weiße Haut über pochenden Venen und Adern), hört ihr Flüstern, denkt, es ist möglich, es war möglich, es wäre möglich gewesen

Verzeihung. Habe mich entschieden: Ein Satz geht von Punkt zu Punkt. Was aber, wenn der Punkt am Ende fehlt?

Lesungsklamott: grünes Hemd, Afghanenperücke.
Rechtschreibung: alt
Michael Stavaric

Zugeschaltet. Augenkrebs wegen Hemd. Später vielleicht mehr.

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: Ein Brief von Gott, sagt sie.

Letzter Satz: Sie sagt: Nein, er ist sogar abgebrochen.

Lesungsklamotte: schlimmes rotes Hemd mit weiten Ärmeln. Sehr weit offen.
Rechtschreibung: neu
Dieter Zwicky
Mein afrikanisches Jubeljahr

Livebericht. Unvollständig.

Text
Lesung
Diskussion

Erster Satz: Im Jahr 1984 verbrachte ich, in Begleitung meiner Frau Ginette, in Cottonville, Benin, vier Monate vorwiegend damit, sogenannten Packbeizetteln eine zweite Haut, also Farbe zu verpassen.

Letzter Satz: Kühe mit erhobenem Schwanz gibt es nur anderswo.

Lesungsklamotte: weißes Hemd
Rechtschreibung: Schweizerisch


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Fridolin Schley: Unannehmlichkeiten durch Liebe (Auszug)

Der Text hat einen Anfang und ein Ende, und was ist daran Auszug? Reicht doch. Der ganze Text ist in indirekter Rede erzählt, das ist anstrengend, aber beim Lesen hetzt es mich, weil ich beim Lesen mit schwindender Hoffnung auf ein Stück Wirklichkeit zustrebe. Die kommt aber nicht. Vielleicht in dem, wo dieser Auszug herausgezogen ist.

Arnold Brand ist Schriftsteller, das Foto auf der Erstausgabe seines ersten Romans ist am Lorettoplatz aufgenommen. Zwinkerzwinker. Zerbrechende Beziehung, Arnold und Cornelia ("Nele") versuchen es nochmal in Portugal, wo sie früher mal glücklich waren, aber Nele dreht ab, unglücklich. Verabschiedet sich irgendwann ins Meer, Suchaktion usw.

Ich bin jetzt zu müde für eine Meinung. Finde den Konjunktiv anstrengend und den ganzen Kram gewöhnlich und vorhersehbar.

Eine Jurydiskussion schaffe ich aber jetzt noch. Schmidt hebe ich mir für morgen auf.

Nüchtern findet's ganz gut, schöne Dramaturgie. Der erste muss ja immer erstmal den Text erklären.

Corino geht die Erzählweise in der indirekten Rede nicht auf die Nerven. "überhaupt nichts auszusetzen". "Große Bedeutungsfülle... Ich finde, wir sollten diesen Text nicht unterschätzen."

März sieht noch eine andere Beziehungskrise zwischen Fiktion und Realität. "Brand ist Rolf Dieter Brinkmann", deckt sie auf, der auch aus Vechta ist und eine Witwe Marlen hat. Nur dass Brand den Unfall in London überlebt hat, Brinkmann nicht. Sowas weiß ich natürlich nicht. "Wieviel Brinkmann hält Brand eigentlich aus?"

Strigl "hätte lieber die Prosaskizze als den autobiografischen Hintergrund gelesen". Immerhin "gediegen gemacht". Böse: "Es sollen ja auch jüngere Autoren sowas schreiben dürfen". Findet das Verhalten der Frau nicht plausibel. Die saure Milch ist mir auch zu viel. Die Frau ist schlicht unglücklich, aber nicht bekloppt. Warum wird die bekloppt gemacht? Nachher ist sie wieder da und super drauf.

Martin Ebel gibt mühsam zu, von der Brinkmann-Sache keine Ahnung zu haben. Ist doch keine Schande. "Gedämpfte, gefilterte Wirklichkeit." Sprache hat ihn an "Lateinlehrer erinnert."

(Ich liege auf meinem südlichen Bett und lasse die Fliegen, die ihre dreisten Rüssel in die hundertfünfzig Kratzer in meinen Beinen bohren. Und das um zwanzig vor drei.)

Radisch hat der Text, "auch ohne das mit Brinkmann zu wissen, nicht gefallen". Sie hat der "Seminarton abgeschreckt." "Sommer-Sonnen-Meer-Prosa", die "finde ich fatal in diesem Zusammenhang". "Eheberatervokabular."

Rakusa geheimnist allerlei hinein: Sie hat ihn getestet und er hat sie wider erwarten gesucht. Deshalb ist sie so gut gelaunt. Naja. Lese ich da nicht heraus. "Gut gemachte Novelle", aber nicht modern.

Mangold schwadroniert über konventionell. "... dass die Form versucht stärker zu sein als das Scheußliche, das sie berichtet." "Das Tolle ist, dass dieser Brinkmann nicht stirbt, sondern als Lehrer endet."

Strigl geheimnist auch: "Die Frau hat ihn durch ihren vorgetäuschten Selbstmord als Autor vernichtet."

Heiz hat schon wieder gekniffen.


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Silke Scheuermann: Die Furchtlosen

Silke Scheuermann. Die Furchtlosen

Erster Eindruck: Sprachlich überfrachtet. Kitschig.

Die Abende waren viel kürzer als früher, und doch schien es mir, wenn ich von der Haltestelle durch die Neubausiedlung ging, als ob die leeren Straßen noch einiges mit den Bewohnern vorhatten, bevor sie zuließen, dass es dunkel wurde.

Puh.

Mein Gott, Ralph, sagen diese Leute, und stimmt's? und hör mal. Das ist wirklich sehr schlecht.

Das Kathrin-Ich will ihren grünen Mini verkaufen, weil sie darin überfallen worden ist. Seitdem fährt sie nicht mehr Auto und hat Angst. Das Sylvia(Stieftochter)-Ich will das Auto haben. Nein, es war ein Banküberfall und der grüne Mini das Fluchtauto. Geisel? Später wird die Stieftochter von ihrem Freund vergewaltigt.

In der Finkstraße winkte mir Tiantian, Horsts Frau, zu, von der alle dachten, sie käme aus Thailand, aber sie stammte aus China und alles war überhaupt nicht so, wie man dachte.

Lahm, oder? Außerdem ist ein eingeschobener Nebensatz, der ein einzelnes “zu” isoliert, sehr ungeschickt. Besonders im Vorlesetext.

Die wechselnden Ichs zwischen Kathrin und Sylvia verstehe ich nicht. Kathrin hat den größeren Anteil, und warum erzählt Scheuermann nicht gleich auktorial? Die Autorin klingt so jung, dass man sie immer für die Tochterstimme hält.

Ich gebe weiter an die Jury.

Martin Ebel drängt sich vor. Erzählt die Geschichte sauber nach. Ihn begeistert die Erzählperspektive. Anders als mich. Short Story, “vorzüglich gemacht”. Beispiel. Die dicke Katze auf dem Mini. Naja. Das ist doch eher plump.

Nüchtern hat das auch gerne gelesen, “sehr anständig erzählt”, das ist schon hart. Ihn interessiert die Dreiecksbeziehung zwischen Vater, Stiefmutter, Tochter mehr als ausgeführt. “Ich hätte mir eine Fortsetzung gewünscht”. Das finde ich nun unfair, denn es bahnt sich ja schon vorher eine neue Komplizenschaft auch zwischen Kathrin und Sylvia an, die Szene, als diese Sascha im Wohnzimmer sitzt.

Corino: “Der ganze Ton ist auf ein kolloquiales Deutsch getrimmt”. “... dass die Autorin falsche Konjunktive, schlechte Bilder immer auf die Figuren schieben kann.” Ja, danke. Findet den Schluss problematisch. Corino diagnostiziert eine “Posttraumatische Belastungsstörung, PST”. Die Vergewaltigung der Tochter nennt er “eine kleine Gewalttat”, klar, die zwei kannten sich ja. Das habe zu einer spontanen Heilung geführt, das sei unplausibel. Hobbypsychiater Corino. So schlicht finde ich das bei Scheuermann nicht dargestellt.

(Ich verstehe langsam den Drang der Juroren, auch Texte, von denen sie nicht begeistert sind, gegen blöde Kritik vehement zu verteidigen. Je nachlässiger niedergemacht wird, desto mehr gefällt mir der Text.)

Strigl widerspricht auch. Genau, “... imponiert ihr, wie die Mutter Haltung bewahrt gegen den weiblichen Eindingling”.

Radisch hat das Gefühl, dass die Diskussion zu kurz greift. “Dieses plotselige Kritisieren gefällt mir hier nicht”, “... von dem Text sehr enttäuscht, und zwar sprachlich”. Findet die Sprache aufgekratzt, kleinbürgerlich, Jungmädchenliteratur. Von den wilden Hühnern nicht sehr weit entfernt. “Aufgekratzter Kleinbürgersprech.” Mit hübschen Zitaten. “Aufgrund ihrer Bücher von Silke Scheuermann viel erwartet.”

Mangold auch "gern gelesen", "hervorragend gebaut", wer, die Geschichte? "Keine große Kunst Sprache", "Angemessenheit zwischen Sprache und Sujet". "Nicht restlos begeistert," weil die Geschichte "nicht restlos aufgeht".

Rakusa. "Doch, da ist viel Können, zweifellos." = Anlauf zum Speerwurf? "Es wundert mich dann doch, dass ein lyrisches Temperament an sowas Freude haben kann. ... Eigentlich langweilt mich dieser Text sprachlich sehr."

Ursula März will jetzt auch mal. Sie findet doof die "literarische Parallelwelt" in Klagenfurt. Außerhalb werde die klassische Shortstory sehr geschätzt, hier im ORF-Studio dagegen nicht. "Hauptsache keine Wirklichkeit". Warum packt sie jetzt Schulze und die Simple Stories aus? Die fand ich extrem super damals. Anders als dieser dicke Roman "Neue Leben". März hat sie ja mitgebracht, also fischt sie noch sehr viel aus dem Text. "Rollenprosa." - "Wir haben es hier nicht mit verlässlichen Erzählerinnen zu tun". Das an Corino. Stimmt ja, die Tochterstimme jedenfalls ist sehr unverlässlich.

Heiz sagt nichts.

Fazit: Insgesamt finden sie es so mittel.


tddl tage der deutschsprachigen literatur klagenfurt 2007 bachmannpreis ingeborg-bachmann-preis wettlesen iris radisch klaus nüchtern daniela strigl ursula märz ilma rakusa ijoma a. alexander mangold andre vladimir heiz karl corino ernst grandits martin ebel orf

Jagoda Marinic: Netzhaut

Jagoda Marinics Protagonistin ist Bibliothekarin in einer Bezirksbücherei, vermute ich. Den dreckigen Teppichboden und die Bibliothekarinnen sind mir vertraut aus der Stadtteilbibliothek Bonn-Dottendorf. Das ist gut getroffen. “hierzustadt” könnte sie sich sparen, das ist albern.

Im Radio läuft “le sacre du printemps” unter Simon Rattle.

Die Bibliothekarin will ihre Ruhe haben und ordentlich abgewickelt werden.

“Wenn ich klassische Musikk höre, fliegt vor meinem inneren Auge alles durcheinander, ich reagiere auf klassische Musik mit farblicher Verstofflichung der Klänge.”

Hat ihr niemand gesagt, dass Synästhesie schon 2005 in Klagenfurt gelaufen ist, rauf und runter mit Wiederholungen?

“Vor meinem inneren Auge tun sich bereits die ersten Stoffetzen auf, wie aus einer bodenlosen Schachtel werden sie in den Raum geschleudert, werden mehr und mehr und mehr, jagen durch die Lüfte, Stoffetzen in aggressiven Farben, Feuerrot, Burgunderfarben, Blaßrosa, Azur- und Himmelblau, Flamingorot und Apricot - allesamt einem kleinen weißen Stoffetzen auf den Fersen!”

In der Mittagspause sitzt sie bei Starbucks und zählt und liest ihre Umgebung. Dussmann, Tauben, drei mal die 147. Das kann ich verstehen, sie könnte auch ein Buch mitnehmen, tut sie halt nicht.

Doof dann wieder: “Die sollten fürs Nichtspielen bezahlt werden.”

Mir gefällt aber die “Unausweichliche”, die auf Seite 8 von ihrem Problem mit Lolita erzählt, empört. Wird aber durch die sich einschaltende Chefin schnell zu fett.

“Ich komme aus der Kleinstadt, Paul, wir vögeln unsere Pinguine noch selbst, dafür muß ich keine Filme sehen.”

“Da erlebt doch meine ehemalige Mutter noch mehr, wenn sie sich in ihrem verschissenen Kiosk den Likör den Hals runterspült”

Ich finde das ganz gut. Kleine Abzüge in der B-Note, aber schön sperrige Hauptfigur.

Wie ich den Laden kenne, bin ich mal wieder allein mit meinem Wohlwollen. Was sagt die Jury? Ich bin ja bisher voll mit Radisch, Albrecht, Bernhardt, Oda...

Ursula März: “Das berühmte Berliner Lebensgefühl” - sie vergleicht mit ihrem Friedrichstraßengefühl, was soll das? März spinnt, was hat sie denn nun gegen die Friedrichstraße? Als dürfe man in Berlin keine schlechte Laune haben. Pfff. Weltekel ist was Feines, Großes, aber schlechte Laune ist was Doofes. Aber wo ist der Unterschied? Sie findet es pubertär.

Ijoma Mangold: “... nicht genervt genug”. “Diese Wut muss irrationaler und entschiedener sein.” Die Protagonistin werde ständig von der Erzählerin moralisch ins Recht gesetzt. Finde ich gar nicht. Ich finde, die wird einfach so schlecht gelaunt und irgendwie doof gelassen, wie sie ist.

Radisch: “Ich halte die Friedrichstraße schlecht aus. Ich halte das Radio kaum aus.” Das ist dann der Unterschied zwischen März und Radisch. Einwurf Mangold: “Kulturkritik auf Waldorfniveau.” doch Radisch lässt auf Waldorf nichts kommen. Aha.

Mir fällt gerade auf, dass sehr wenig über Sprache gesprochen wird. Und sehr viel über Inhalt.

Rakusa “fehlt auch einiges”. Sie will wissen, warum die Figur so schlecht gelaunt ist. Mutter Alkoholikerin, Job bald weg, Arbeit nervt. Außerdem geht sie sich selbst auf die Nerven. Das reicht doch schon. “Sprachlich flau. An sich sorgfältig gearbeitet.”

Strigl: “Mieselsüchtig”, das ist ein Österreichismus. Strigl gestern olivgrüne Bluse mit ganz okayem Kragen. Im Vergleich. “Kitschige Formulierungen”.

Nüchtern findet's “durchaus stimmig”. “Die will einfach in Ruhe gelassen werden”. Ihm fehlt aber der “Mehrwert”. Er hätte gerne mehr Musik im Test.

Martin Ebel. “Man muss den Text nicht gegen die Friedrichstraße verteidigen.” Ebel ist nicht ganz so merkbefreit wie in den Vorjahren, er hat irgendeine Droge auf- oder abgesetzt. Dann endet der Stream, ich erfahre also nicht mehr, was Corino davon hält. Schade. Heiz fehlt auch noch, aber den verstehe ich sowieso nicht.

Andrea Grill: Freunde

Ich gestehe jetzt zaghaft, dass ich den Text von Andrea Grill noch nicht gelesen habe. Um diese Uhrzeit brauche ich leichte Unterhaltung, in dem Fall die Jurydiskussion zu diesem Text.

Corino bewundert Grills Eichhörnchenarbeit und klugscheißt über die roten und grauen Eichhörnchen. Dann sticht er zu: “Ich finde den Text sowas von uninteressant, öder geht's eigentlich nicht.”

Ebel: “Ich fühle mich diesem Text hoffnungslos unterlegen.” Ihm ist das alles zu unübersichtlich.

Strigl: Hat's auch nicht verstanden, aber sie ja eingeladenhat, oder? “Also das Thema ist banal zu umreißen”. Es geht um Freunde. Persönlichkeitsspaltung, Freundschaft mit dem eigenen abgespaltenen Ich. Ohgottogott. Sie stammelt und windet sich.

Ebel quatscht rein, er ist ziemlich selbstbewusst dieses Jahr.

Radisch schimpft mit Ebel: “Wir müssen uns hier einfach für kompetent erklären.” Also nicht rausreden mit eventuell nicht verstanden. “Ich halte das für einen vollkommen misslungenen Text”. “Lektüre quälend”. “Dieser Text hat in keinem Augenblick für mich eine Notwendigkeit gehabt.”

Ich sehne mich nach Burkhard Spinnen.

Rakusa schließt sich an, drückt es aber kunstvoller aus. “Mir tut es richtig leid.”

Mangold: “Was in der Literatur der zeitgenössische röhrende Hirsch ist, wären vermutlich so Nachrichten aus dem beschädigten Leben.” - “Ein so gebauter Text ist ein schlechter, klassicher Klagenfurttext.”

Heiz liebt “Literatur, die man nicht zusammenfassen kann.” Er fragte sich, “was will der Text mit mir?” Wie war jetzt noch mal die Antwort? Die Reise des Ichs in andere Urhäute, und dann findet das Ich zum Du, Moment, was redet der da? “Aber es geht nicht auf”.


tddl tage der deutschsprachigen literatur klagenfurt 2007 bachmannpreis ingeborg-bachmann-preis wettlesen iris radisch klaus nüchtern daniela strigl ursula märz ilma rakusa ijoma a. alexander mangold andre vladimir heiz karl corino ernst grandits martin ebel orf

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