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Freitag, 29. Juni 2007

Christian Bernhardt: Was sie hier haben

Scheißestvorstellbarer Dialog.

Warum, frage ich sie, wechseln wir alle paar Jahre denjenigen, mit dem wir zusammen sind? Ich weiß es nicht, ich habe einfach noch nie lange durchgehalten. Und du, hast du es länger ausgehalten? Nein, du weißt ja, ich auch nicht.

Dann gehe ich ihr nach, die zu dem Kiosk drei Häuser weiter gegangen ist.


Lass uns zu dem Baumarkt gehen, schlafge ich vor. (Freundlicher kleiner Tippfehler) Zum Baumarkt? Ja gut, warum nicht, was willst du da?


Er ist Teil eines Paares, beide sind schlechtgelaunte junge Ärzte. Sie gehen Shampoo kaufen. Sie gehen in einen Baumarkt. Sie gehen in eine Eisdiele. Sie trinken einen Kaffee. Sie streiten sich. Sie bluten. Sie reden übers Sezieren.

Warum, weiß ich auch nicht so genau. Ich möchte vielleicht nur meine Gefühle fühlen, dass die wichtig sind und dass die wahr sind und dass ich mich darauf verlassen kann. Das will sicher jeder, sagt sie.

Dann bleiben sie wieder vor irgendeinem Laden stehen. Asia-Food, Bäckerei. Auf Seite 13 passiert endlich was. Sie lässt sich totfahren, was in der Situation sicher eine gute Wahl ist. Wäre, denn auf Seite 14 steht sie leider wieder auf, und dann gehen sie doch noch Shampoo kaufen.

Das ist so entsetzlich öde, ich habe selten etwas missmutigeres gelesen. Ehrlich, da gehe ich noch lieber durch Passau.

Dann will ich mal hören, wie es der Jury gefiel:

Ich finden die Sprache unbeholfen. Aber warum nur? Kann er nicht, oder ist das Stil?

Mangold findet's irgendwie nicht so schlimm, oder holt er nur aus? Er findet überall Chiffren und Symbole.

Corino sagt Idschoma Mangold. Heißt das so? Ihm fällt “Die Verwandlung” ein, aber. “Das Mädchen hat ein paar Insekten auf den Arm tätowiert.” Und das ist auch schon der Unterschied. “Stilistisch impotent”.

Ebel nimmt in Schutz. “Sagenhaft konsequent”. “Der Text ist wie ein stabiler Einkaufswagen, er ist perfekt”. Iris Radisch guckt dazu, als müsse sie gleich kotzen. Ebel spricht mal wieder vom Tatort, warum eigentlich? Herr Ebel, wenn sie hier am Montagmorgen mitlesen, bitte melden Sie sich doch mal. Jetzt aber: “Temperamentlosigkeit und Lauheit” - “Man stirbt als Leser eine Art Wärmetod des Gefühls”. Nicht schlecht.

März (Radisch knittert sich wieder das Gesicht) findet's nicht so schlimm. Fühlt sich an Hettche erinnert. Sie hat eine Cola neben ihrem Wasserglas stehen. Durchfall? “Sehr gut, sehr intelligent durchgespielt.”

Heiz hat “am Text überhaupt nichts zu mäkeln”. Trotzdem: “Klappt nicht”. Ich verstehe ihn einfach nicht.

Radisch, meine Rettung? “Ihr seid mir zu klug oder ich bin zu dumm” - “Leseerfahrung von unendlicher Langeweile”. Ja. Ging mir auch so. “Hybridautotext, überhaupt kein PS” - “Der ist sprachlich vollkommen ambitionslos.” Yeah, Radisch. Danke. Ich bin nicht allein.

Rakusa, nein, März nochmal: “Die schöne Leiche hat den Namen Realität, da kann's nicht doller zugehen”. Jetzt Rakusa, gestern übrigens in einer ebenso fabelhaften schwarzen Bluse. “Nicht uninteressant”, “besondere Weise”. “Ich mag dieses Shampoo sehr”.

Wem seiner ist das noch? Nüchtern, oder?

Warum mäkelt keiner an der Sprache? Den holzigen, nein: holzwumstichigen Dialogen?

Nüchtern, gestern in grauem Hemd und einer fürchterlichen quergestreiften Strickjacke. Hellgrau, rot, weiß. Nüchtern holt aus, muss er ja auch. Radisch knittert jetzt schon freihändig. “... führt er auf eine ziemlich witzige Art vor.” Wenn Nüchtern nacherzählt, wird es ganz lustig.

Zweite Hoffnung: Strigl. Vernichten, bitte. "Man muss den Text nicht mögen". Die komischen Terroristen kann sie nicht einordnen. "Gewalttätiger Text". Nein, ihr gefällt der Text auch.


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Nachtschicht

Es ist ja erst 23:23 Uhr, ich beginne jetzt mit dem Nachlesen der gestern und heute morgen verpassten Texte. Bisher ist alles so puh. Ich wollte mich gerade auf den Tatort am Sonntag freuen, habe mal nachgeschaut, wer was spielt, und: Schlimmer als Klagenfurt. Das holzige Ufo ermittelt im Hotelscheffmord, und ihr hobbykochender Kollege Koppers ermittelt undercover in der Hotelküche. Na, woran erinnert uns das? Genau. An den undercover in der Restaurantküche ermittelnden Ivo Batic aus München. Sprechen die sich denn nicht ab? Und wird Koppers mit italienischem Akzent herumspielen? Ächz.

Jetzt aber wird gelesen, schön der Reihe nach.


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Wege zu mir (google): peterlicht zia

Gibt es da einen Zusammenhang? Ich behaupte: Nein.

PeterLicht

Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang ders dritten Jahrtausends

PeterLicht, eingeladen von Iris Radisch

Zu sehen ist er nicht. Stimme aus dem Off? Ist er im Theater zu sehen? Egal.
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Wenn ich "einen Tacken" höre, kriege ich Plack. Wann kam das eigentlich auf? Und warum nur? Aha. Von hinten ist er zu sehen. Er trägt ein graues Hemd und eine Brille und sieht von hinten aus, als könnte man Verständnis haben für seinen Wunsch, nicht von vorne gesehen zu werden.

"Ich lag wie ein gestrandeter Wal auf der Seenplatte meines Minusgeldes."

Ich bin dann mal weg, muss die Vier von der École maternelle abholen, letzter Schultag. Klingt ganz gut, bis auf den Tacken, passiert ist leider bisher noch nichts. Es wird zu wenig geschossen in Klagenfurt.

Bis später.


So. Zurück, und Licht liest immer noch. Kind Vier sehr glücklich, dass es da jetzt nicht mehr hinmuss. Licht wippt mit dem Stuhl vor und zurück.

Grill ist lange im Bild. Sie tippt ununterbrochen SMS und schaut dabei unauffällig konzentriert.
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Ich möchte hier mal anführen, dass ich die Sache mit dem Gesicht komplett albern finde. Prätentiös. Affektiert. Ein großer Angeber. Ich lese den Text später, aber Scheiße ist er leider nicht. Das Buch war ja auch sehr äh unterhaltsam.
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Nüchtern beginnt: "Ich fand's unfassbar komisch". Erfindet die neue Gattung der "Selbstberuhigungstexte", von denen er diesen den "hysterischsten" findet. "Jazz im Helge-Schneiderschen Sinne." Er ist haltlos begeistert. "Grandiose Literatur".

Mangold "trottelt Nüchtern hinterher" mit seiner eigenen haltlosen Begeisterung. "Große Zartheit".

Ich zitiere mal was und erwähne, dass es um einstürzende Hochhaustürme geht. Habe ich so aufgeschnappt.

Das Loch im Betonboden wäre ja schon für sich gesehen gar nicht so unbeunruhigend gewesen, aber ok – eigentlich war der Boden, insbesondere der Beton, wirklich ein sehr guter Beton, mit dem man Pferde hätte stehlen können. Der Boden hatte eine sehr gute Qualität, soviel ist sicher. Ein Komfortboden. Trittschall, Wärmedämmung, Raumklima. Nein, das alles wäre ja vielleicht noch ok gewesen, wenn nicht ausgerechnet die Scheiben auch zersprungen gewesen wären.

Das ist natürlich sehr lustig. Und gut. Und tief.

Ebel "möchte den Text jetzt nicht humorlos runterziehen", aber natürlich. "Der Autor führt uns vor. Das Verhältnis von Autor zu Leser ist immer ein Machtverhältnis". Erzählt irgendsoeine Sadomasoscheiße. Wenn ichihn richtig verstehe. Ebel hat auf seiner linken Schulter einen großen grünlichen Fleck, ist das der Schatten des PeterLicht-Darstellers Scheinwerfer?

Der zerknitterte Heiz ist auch begeistern. Radisch hält das natürlich auch für einen grandiosen Text und freut sich, dass sie ihn "nicht gegen den Vorwurf des großen Alberismus verteidigen muss". "Lachen, dass einem im Halse stecken bleibt", das musste ja kommen, aber das hätte doch auch Ebel sagen können. Sie ist total aufgekratzt, sie ist ganz nah dran. An ihrem ersten Bachmannpreis.

Was sagt Corino? Dass keine Löcher im Beton waren?

Erst Strigl. "Literatur besteht auch daraus, dass man gratis alles behaupten kann." Genau. Mann muss ja gar nicht selbst erfroren sein. Dieser Spiegelmist. Mangold dreht Strigl den Rücken zu. So ein Quatsch.

Corino verzichtet! Ist der krank?
März auch.

Lebensmittelvergiftung? Tafelspitz sauer im Augustin? Fauler Eier im Moser-Aurora oder wie's heißt?

Bisher der Favorit. Wenn nicht März und Corino noch einen Trumpf haben.


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Kurt Oesterle

Oesterle, vorgeschlagen von Corino.

Wunschbruder
Roman (aus dem ersten Kapitel)


Ich habe die Wäsche abgehängt und die Luftboote repariert, die Jungfernfahrt gestern hat kleine Schäden hinterlassen. Da erst später dazugekommen, nicht mehr schwäbisch gelernt, sprich: Ich komme in den Text nicht mehr rein. Der Max heißt Max und nicht Jonte oder Pelle (schlimme Namen bei Albrecht, der ja selber ganz unhip Jörg heißt).

März begeistert: “Nicht unterschätzen“. Oesterle trägt ein einwandfreies schwarzes Hemd, leicht abgetragen, dazu einen viel zu großen Kopf. Bescheidener Auftritt. März erzählt alles nochmal, schon seit vielen Minuten. Was sagt Radisch? Ebel sagt irgendwas Egales.

Mangold gefällt's auch. So mittel “manchmal ein bisschen zu langweilig“.

Ich nutze den Moment der Schwäbischheit zu einem Rundblick in die Jury.

Mangold trägt Rosa Hemd zu grauem Anzug. Ich vermute Anzug, die Hose ist ja hinter dem Spiegeltisch versteckt. Erwähnt, dass er Jahrgang 71 ist. Wie aus dem Ei gepellt.

Radisch irgendwas türkis-braun Florales unter braunem Überwurf, typberaten, aber wie immer schlampig umgesetzt. Die Frisur sieht wieder aus wie frisch aus dem Strandbad, aber ich hörte was von Fischalarm, Maria-Loretto-Strandbar-Schließung und vor allem schlechtem Wetter. Gut, dass ich nicht dort bin. Knirsch.
Gerade in meinen Bildern vom Vorjahr gefunden. Es ist genau dieses Ensemble, das sie heute trägt:
Iris Radisch

Grandits, grandios im weißen kurzärmeligen Hemd, sehr modern.

Nüchtern schon abgebildet. Siehe unten. Blümchenbluse, graubeiger Hintergrund, davor große Blumen in Orange, Lila, Rot - sehe ich Pflaumen? Aprikosen? Graues Schlabberjacket hängt inzwischen über der Stuhllehne. Ach was soll's. Nochmal ohne Jackett:
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Nüchtern hätte sich “größere stilistische Distanz“

Strigl wieder ein unmögliches burschikoses gelbes Polohemd mit aufgesetzten Brüstchentaschen.
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Ich sah sie letzten Sommer im wie angegossenen Schneiderkostüm. Atemberaubend. Die Brillen gläser sind auch gelblich und die ganze Strigl ist gelblich. Sie ist aber super wie jedes Jahr. “Es kommt kein Sex vor“, stellt sie fest, aber dass es trotzdem nicht langweilig sein muss. Unterfickt? Ich weiß nicht. Sie findet's toll.

Rakusa diese herrliche lila Bluse, Jersey, ganz kurze Ärmel. Zwetschgenfarben. Lange schwarze Jett-Ohrringe. Die Frau ist perfekt. Sie mag den Text, weil sie für Langsamkeit was übrig hat.

Heiz ist total zerknittert, er sieht aus, wie aus dem Asyl angeworben für eine warme Suppe. In einen schwarzen Dreiteiler aus der Humana-Box gesteckt, Beerdigungskrawatte und ein fast-weißes Hemd von C&A. Wussten Sie, dass C&A ein katholisches Kaufhaus ist, in dem nur Katholikinnen Pullover falten? Wussten Sie nicht? Ich bin mir gerade auch nicht mehr sicher, ob es stimmt.

Ebel trägt ein blauweißgestreiftes Hemd. Egal wie das, was er sagt.

Jetzt Radisch. "Es ist ein Gang ins Museum".

Corino. Heller Anzug, ein Sommeranzug der alten Schule, beige, linnen, dazu ein gestreiftes Hemd, weiß und Grautöne. Flott. Muss er jetzt Treichel schmähen? Sagt er, Treichel habe bei Oesterle abgeschrieben? Corino hat schon Sonne abgekriegt, ich dachte, es regnet in Klagenfurt.


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Michael Stavaric: "Böses Spiel"

"Böses Spiel"

Michael Stavaric, eingeladen von Daniela Strigl

"Ein Text, an dem mich ehrlich gesagt nichts interessiert." - Mangold vernichtet Stavaric. Vielleicht hasst er auch sein Hemd. Das Hemd ist furchtbar. Eine Bluse des Bösen. Weiße Ärmel, halb offen - so dürften Sie in Italien keine Kirche betreten, aber ich soll mir hier das Brusthaartoupet antun. Huäh.

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Dagegen die Bluse von Frau März.

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Radisch knittert sich über die Märzsche Begeisterung ein Akkordeon in die Oberlippe.

Sprach ich gerade von Blusen?

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Meinen Wert am Riesenmaschinen-Aktienmarkt habe ich in den letzten Stunden verzehntelfacht. Lustig übrigens: Am Mittwochabend, als man in Klagenfurt auf die Auslosung wartete, hat jemand über EgoSascha Lobo-Technorati hier hingefunden und ist 25 Minuten geblieben. Und zwar (danke an qery-the-RIPE) jemand, der im Pressezentrum unter dem Theater saß, Klagenfurt, Sponheimerstraße.


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Platzhalter für Jochen Schmidt. "Abschied aus einer Umlaufbahn"

"Abschied aus einer Umlaufbahn"

Lesung

Meine tränenden Augen versuchten gestern der Diskussion zu folgen, während meine angebrannten Ohren, aber lassen wir das. Ich habe den Text noch weder gelesen noch gehört oder gesehen, entnahm aber der Jurydiskussion, dass Schmidt den Passigtext vom letzten Jahr auf Weltraum umgeschrieben hat. Ich denke, das wird ihn aus der Bachmannpreischance fallen lassen.

Jörg Albrecht: Von Schläfe zu Schläfe

Gestern abend noch halbblind nachgesehen:

Jörg Albrecht

Text: Von Schläfe zu Schläfe Beamer, Verzerrer, Notenständer, Blätter werfen: Der Vortrag ist das Ziel, allein: Wo ist der Inhalt? Was mir am Buch missfiel (durch ein große Sieb den Kunstscheiß fallen lassen und den Inhalt abschöpfen müssen) hier konzentriert: Das Sieb blieb leer. Fiel auch der Jury auf, vor allem Iris Radisch (in Hochform). Ich bin mit dem aber noch nicht fertig. Es gibt immer mal wieder Stellen, die ich sehr gelungen finde. Mehr Inhalt und dann entspannter an die Form gehen, dann vielleicht.


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Dieter Zwicky: Mein afrikanisches Jubeljahr

Text hier.

Dieter Zwicky
sollte untertitelt werden. Wenn ich das richtig verstehe, erzählt er was von Afrika und einem Verkrümmten. Die Leute heißen Ginette und Isadora und Herr Tschaucho. Nein. Tschalchow. Das Publikum lacht oder räuspert sich, dass kann ich gerade nicht unterscheiden.

Ich glaube, wir wären, anno 84, alle augenblicklich gestorben, hätte uns das, was man Selbstrespekt nennt, nicht umgehend aufgefordert, für Gleichgewicht zu sorgen angesichts unserer dauernd schweissnassen Achselhöhlen, einen also auf ernsthafte Suche nach der Möglichkeit eigener Grösse geschickt.

Ich finde das lustig. Was davon ich verstehe kommt mir sehr anekdotisch vor. Es unterhält mich schon mehr als der Latschenkiefern oder Obergoms-Kram, den ich neulich so hurtig hinter mich warf. Nota bene. On und obschlln lssn. Puh. Bisschen superputziglustig vielleicht? Überfrachtet? Kauzig?

Selbst jählings einsetzendes Husten erledigte ich minutenlang in der erforderten Tonlosigkeit, sofern, was keineswegs geschah, von der markanten Rottönung meines gesamten Kopfs abgesehen wurde, die ich als derart heftige Entstellung empfand, dass sie nicht nur den feindseligen Blicken sich wundernder und mich anstarrender Passagiere und Kabinenpersonen ausgesetzt war, sondern selbst geradezu akustisch zu vernehmen sein musste, die Scham- und Wutröte, als schriller, leichtmetallener Knall beispielsweise oder als trockenes Brechen eines hohlen Holzstabs.

Die Sätze sind ein wenig lang. Aber auch das ist ein Stilmittel der Kauzigkeit.


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Jetzt zugeschaltet. Sanft geschlachtet: Ronald Reng

(Ich verweise auf die Zusammenfassungen von Juliette Guttmann bei Westropolis und schließe mich im Zweifel vollinhaltlich an. Hätte ich bestimmt alles genau so gesehen, so einig, wie wir uns im letzten Jahr in Klagenfurt waren.)

Danke, Corino, weder 1982 noch 1983 war der 28. Juli ein Sonntag.

Und mal ehrlich: Als Juror hätte ich das auch nachgeschlagen und einen Minuspunkt gegeben. Dass sie Reng schlachten, wusste ich, ohne ich den Text gehört/gelesen haben müsste. Schon wegen Ebel, dem All-time-looser des Bachmannpreises. März trägt eine geile chinesische Bluse für den Herbsttyp. Aufgeschnappt: "Jeder Autor sollte einen inneren Corino haben". Meine Rede, nur kürzer, also besser. Ich ärgere mich KRANK über die Überheblichkeit dieser Autoren, die keine Fakten checken, ihre Kommafehler nicht von kompetenten Nörglern korrigieren lassen und schlampige Manuskripte abgeben. Hej, das ist hier der Bachmannpreis, der wichtigste deutschsprachige Literaturpreis, da kann man schon mal ein paar halbe Stunden in seinen Text investieren. Sonst: Paar aufn Arsch und ab dafür. Da würde ich keine halbe Stunde Sendezeit für verbrauchen.

Gestern abend habe ich ein paar Diskussionen (Jörg Albrecht, herrlich) und Jochen Schmidt (mein Gott, sie reden über den Passig-Text, hat er den Passig-Text umgeschrieben?) gesehen, aber ich war wasserblind von der sonnenbrillenlosen Paddeltour auf der Aude (Ohde). War wunderschön, auch wenn ich meine Fahrtenleiterrolle vergeigt habe. Ach Gott, jetzt liegen die Boote in Trèbes, fällt mir ein, dass ich eigentlich zehn Kilometer weiter in Marseillette ablegen wollte. Zu spät. Drei Kraftwerke zwischen Trèbes und Marseillette, stundenlanges Umtragen durch Dornengestrüpp, lebensgefährliche Strömungen, fünf Stunden zu spät das daheimgebliebene Kind abgeholt. Aber herrlich. Wir konnten nicht vorher aussetzen, das Zielauto stand in einem Ort, dessen namen wir vergessen hatten, wir hätten also weder taxifahren noch trampen können. Es ist nun auch nicht so, als würde der Fluss vollseitlich von einer Straße begleitet. Vielmehr fährt man überwiegend durch Urwald, wir sahen in acht Stunden sechs Menschen, das waren drei Angler und drei badende Halbstarke. Eine Straße sahen wir nicht, nur acht Meter hohe Uferböschungen. Schicket Auto aus dem Departement Gironde.

Aude


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