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Sonntag, 24. Juni 2007

Paddeln mit Moshe, Bibi und Tina, 2. Tag

(Drei Tage nix gebloggt, da finde ich im Stehsatz den 2. Tag des Paddelberichts. Klagenfurt, Mongolierenparty, Kinderferien, Bötchen fahren - man kommt zu NIX. Stehsatz, schönes Wort. Heißt: Da steht noch was. Muss nur noch gesetzt werden.)

Paddeln mit Moshe, Bibi und Tina, 1. Tag


Der Campingplatz ist inzwischen voll mit Paddlerzelten, ein bekanntes rheinisches Chemieunternehmen hat auch eine größere Delegation geschickt, am Vorabend hatte es angefangen zu regnen, so dass wir den Abend lesend im Auto beschlossen, bis batteriesparhalber das Licht ausging. Ein Zeichen. Das Zelt, ein Nallo 3, um das mal für Kenner zu erwähnen, inzwischen einsA abgespannt, wieder schön beregnet worden. Je straffer desto trommelt's. Ich las ein paar Seiten "tomboy" von Thomas Meinecke und amüsierte mich, habe aber seitdem trotzdem nicht mehr reingeschaut. F. gab sich "Stasiland" von Anna Funder, das ich an dieser Stelle noch einmal jedem empfehlen möchte.

Es wurde Abend, es wurde Morgen, der zweite Tag.

Vom ersten Morgen kannte ich mich schon aus. Die Behindertendusche war leider schon von Tina belegt, die kam mir entgegen, stöhnte über irgendwas, wie anstrengend alles war am Vortag (Ich so: "???"), das Wetter, die Gefahren... Sie verließ gerade den Waschraum, warf mir aber noch zu "da hinten bin ich, mussnochwasholen". Schade.

Die andere Dusche war frei, ich aber besorgt. Denn es ist nun einmal so, dass im Gebirge das Wasser mit besonderer Wucht zu Tale donnert. Weshalb es oft bei seinem Talsturz durch ein Kraftwerk, einen Stausee oder eine Campingplatzdusche geleitet werden muss, damit es im Tal nicht zu Überschwemmungen kommt. Wie sie den reißenden Carreratobel aber vor seinem Eintritt in den Duschkopf auf 50 Grad erhitzen? Wahrscheinlich durch Reibungsenergie. Es gibt einen Knopf, der so kräftig gedrückt werden will, dass das nur schwer von der Seite zu machen ist. Also davor stellen, Knopf drücken, und schon findet man sich im Duschvorhang an die gegenüberliegende Tür gepresst. Die Behindertendusche ist einzig breit genug, die Klamotten außer Reichweite des Tobel zu hängen. Während ich mich von der Tür löste und in einem kleinen Kreis mich an der Wand entlang unter den Duschkopf schob, fiel mir auch kein Hauptsatz zu diesem schönen Nebensatz ein. Der unergründliche Ratschluss des großen Platzwartes stellt das Wasser von Zeit zu Zeit automatisch ab. Dann schwingt kraftvoll der Duschvorhang zurück und kleidet den nackten Duscher in Blumen.

Als ich aus dem Schleudergang austrat, hing Tinas Kulturbeutel noch in der trockenen Behindertendusche. Es hatte sich mittlerweile eine kleine Schlage gebildet. Zwischen Dings 1 und Dings 2 sollten wir abgeholt werden, Bibi, Tina, F. und ich. Dings 1 war lang vorbei und Dings 2 soeben. "Man bekommt aber auch wirklich zu wenig Informationen", maulte Tina uns in den Kaffee.

Neoprenanzug, Neoprenschuhe, Paddeljacke mit "Das-bringt-mich-um"-Neoprenhalsbündchen, Neoprenspritzdecke, Schwimmweste, Helm, Boot, Paddel. Ich bilde ein Neopren-Kunststoff-Presspaket, aus dem lediglich Gesicht und Hände an die Sonne dürfen. Unsere Gruppe wurde zweigeteilt, wir vier bilden die Vereinigungsmenge aus "die drei kleinen Dicken ohne Hals" und "die drei Lesben". Die blutjunge Paddellehrerin ist eine Augenweide, das immerhin. Dummerweise hat sie nicht vergessen, dass am Vortag die Vorstellungsrunde vergessen wurde, auf die wir nicht so versessen waren. Nun müssen F. und ich zugeben, dass wir eigentlich von Paddeln keine Ahnung haben und unser spezielles "Thema, an dem wir arbeiten wollen", das Paddeln als solches ist. Bibi und Tina dagegen haben schon Kurse gemacht, Tina hat dabei allerdings ein Trauma erlitten, das sie nun aufarbeiten möchte. Mit erstickter Stimme schildert sie die Gefahren, denen sie durch verantwortungslose Paddellehrer und ihren Exfreund Kurti immer wieder ausgesetzt wurde. Gähn. Können wir dann mal los?

F. und ich kämpfen ein bisschen, gegen das Boot, gegen das Wasser, gegen das Paddel, gegen das Gelaber. Wir gehen die Sache sportlich an, aber das Boot honoriert das nicht. Bibi und Tina können schon alles und wissen auch, wie es heißt. Seilfähre zum Beispiel. F. dagegen fragt sich, warum sie immer gegen die Strömung fahren soll, obwohl man dabei nicht voran kommt. Und zwar nicht mal flussaufwärts voran. Diese Wildwasserfahrer fahren sowieso nicht flussaufwärts. Sie lassen sich eigentlich immer nur runtertreiben, steuern ein bisschen mit dem Paddel und gehen mit ihrem Becken spazieren. Wenn sie flussaufwärts müssen, tragen sie das Boot über Land und rutschen wieder runter. Runter ist dagegen ganz einfach, auch wenn man gegen die Strömung paddelt: Kleinen Fehler machen, und zack, wieder umgedreht und ab Richtung Wehr.

Gemein: Wenn man dann doch mal genau das macht, was die Paddellehrerin sagt (lange ruhige Schläge, selig lächeln, Becken spazieren lassen), funktioniert es plötzlich. Und ist natürlich mal wieder überhaupt nicht anstrengend, was ist denn das für ein Sport?

Kaum sind wir nach der Mittagspause wieder im Boot, ist schon wieder aussteigen: Feldenkrais, dieses Mal: Die Beckenuhr. Kenne ich aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Wie wär's noch mit dem Beckenbodenaufzug vom Keller in den vierten Stock? Mit dem Becken auf viertel vor drei sitze ich dann wieder in meiner Wasserprothese, und wieder hat's genützt. Ja leckmichdoch. Wegen Überforderungsgefahr ("zu viel Input") werden wir viel zu früh an Land geholt. F. und ich erquengeln uns noch eine weitere kleine Abfahrt, aber Tina muss wieder duschen. Und während in Villabajo noch die Boote aufgeladen werden, wird in Villariba schon geduscht.

F. und ich möchten nun endlich Schnee sehen. Zum Klettern ist es zu bröselig, Fahrrad fahren später, suchen wir eine Seilbahn, die uns über die Baumgrenze bringt. Aber nein: Seilbahn Flims hatte schon die letzte Talfahrt. Fotografieren wir den Bahnhof Saigon.

Bahnhof Saigon

Dann: Stadtfein machen und mit dem Fahrrad zur Kanukursvereinigungsparty. Mist. Zu Spät. Tina bestellt sich gerade einen Kamillentee. "...und jetzt haben wir das Weißbier da stehen", sagt sie zu Tina, "sonst hätt ich noch überlegt, ob ich ein Glas Rotwein trinke". Das wird ein lustiger Abend werden hier am Ende der Tafel. Bei Bibi großes Augenverdrehen über Tina, wir irgendwie abgeschottet aber erfahren wenigstens, dass Bibi lesbisch ist, Tina nicht, und dann kommt auch schon der Nachtisch. Im Dunkeln mit Stirnlampe zurück, dankbares Erkennen, dass es auf dem Hinweg doch viel mehr bergauf als bergab gegangen war. Retour invers.

Wir träumen aufgeregt von morgen, denn morgen, morgen sollen wir das machen, was wir uns unter Wildwasserpaddeln vorstellen: Uns hurtig fünfzehn bis zwanzig Kilometer einen Fluss herunterfallen lassen. Ob es dazu kommt und warum nicht erfahren Sie an dieser Stelle, wenn es wieder heißt: Paddeln lernen mit Moshe, Bibi und Tina.

(Ab Mittwoch Klagenfurt-TV!)

Tatort #669: Tödliche Habgier (ORF)

Doktor Verena Schreyvogel

“Nicht täuschen lassen, ist männlich, auch wenn die Eier fehlen”, schöne alte Wasserleiche. An einen Schirmständer gekettet, 16 Jahre alt. Kann man das wirklich auf “ein zwei Monate” genau sagen, ohne zu wissen, wann der See wie kalt war? Sonja Kofler spricht hochdeutsch und ist nur “gewissermaßen” die Tochter von Bürgermeister Hotelier Kofler. Da mal drauf achten. Alte Geschichte.

Leider keine Untertitel. Der Autohändler Max Unterberger (Achtung, immer unseriös) geht lieber dschoggen als mim Kofler reden, und der von der Bank hat auch was mit der Sache zu tun. Drei Alte, Komplott usw. Weißte Bescheid. Das Setting ist sehr Wolf Haas. “Steht da Joop drauf?” Nein, Pool. Auf dem Handtuch, das der Bergdoktor-Kommissar mit in den Wellnessbereich des Kofler-Hotels nimmt.

Das ist bisher sehr liebevoll gemacht: Dem Toten ist ein Pfennig (das ist ein Pfennig! Steht ja auch drauf) mit der Schrotkugel in den Brustraum gepfeffert worden. Er heißt Borowski und stammt aus Halle/Saale. Dederon-Fasern. Er hatte eine Tochter Sonja. Soso. Der Bergdoktor sagt Tätärä statt DDR. Gähn.

“Geht auf Haus” sagt Kofler zu Eisner. Wie der Pflaumenschnaps beim Chinesen.

Windigen Bankdirektor gibt es auch. Ludwig Holzer. Mit blonder Frau, die ihn betrügt. Die drei alten Burschen verdächtigen sich gegenseitig. “Sentimentaler Katholikentrottel” nennt der Holzer den Kofler, und dass er die Sonja aus Buße adoptiert hätte. “Die Stasi war's halt”.

Der wird halt auf der Jagd im Weg gestanden haben.

20:41 Uhr ich fasse zusammen: Eine Ehefrau gibt es nicht, berühmte Schauspieler auch nicht, soweit ich sehe. Der Titel spricht nun dafür, dass es Geld gab. Borovski, im Sommer 1989 frisch aus der DDR geflohen, wollte ein Haus in Tirol kaufen, heißt: In einem seiner zwei Koffer war echte Kohle. Da hat er die Arbeiter und Bauern wohl noch ordentlich ausgenommen. Verdächtige: Die drei Alten. Sonst noch niemand vorgestellt worden. Außer der blonden Frau.

Bergdoktor an Blonde: “Haben Sie Kinder?” Blonde Frau: “Nein, ich mag keine Kinder. Kinder versauen die Einrichtung.” (zweiter Satz möglicherweise in den Mund gelegt.) Der Bürgermeister macht einen pragmatischen Individualwahlkampf. Die Inder bekommen die Gemeindewohnung und zum Abschied mit: “Und ihr wisst, wo ihrs Kreuzerl macht.”

Der eine baut'n Hotel, der andere ein Autohaus und der dritte eine Villa. 1990. Nachdem der Ossi weg ist. Der war mit auf der Jagd damals, da hat die Sonja ein Foto gefunden. Und der Unterberger hat's mit der blonden Frau. Der joggt also immer nur vom Autohaus zur Holzervilla.

21:01 Uhr. Keine weiteren Verdächtigen. Sonja ermittelt mit. Das ist praktisch, die kennt sich ja aus im Hotel und lässt den Bergdoktor in alle Akten gucken.

Da tapsen die drei Musketiere durchs winterliche Unterholz. Wäre doch eine schöne Gelegenheit für einen kleinen Jagdunfall. Der Holzer kriegt den Bock nicht erschossen, weil er an den Borowski denken muss. 30 Millionen Demark. Puh. Da war der Borowski, “der Kommunist” mim Wartburg gekommen und hat beim Kofler ein Fremdenzimmer genommen, dann einen Haufen Geld investiert in die Geschäftchen. Und eines Tages sei der Borowski gekommen und habe gesagt, sie ham ihn, der Kessler, Ossijäger. Er wollt jetzt sein Geld zurück und in die Schweiz. Und dann war er weg. “Und wie dann der andere Kommunist auch weg war...”

Warum zieht der Kofler sich die Schuhe aus, bevor er sich mit dem Jagdgewehr erschießt?

Und so verpasst er die frohe Nachricht von Frau Doktor Freischogel, dass die Leiche gar nicht der Herr Borowski war. Sondern vermutlich der andere Kommunist. Aber wo ist jetzt der Borowski? Der Max-Unterberger-Darsteller heißt Wolfram Berger und sieht dem Spitzenkochdarsteller aus München von neulich sehr ähnlich, und der hieß Helmuth Berger. Brüder? Sonja spürt und weiß derweil, dass ihr Vater noch da unten im Achersee liegt.

21:18 Uhr. Wir haben ja noch eine knappe halbe Stunde Zeit. Da kann auch der Eisner noch mit der Sonja schlafen.

Okay, noch eine Wasserleiche, noch ein Schirmständer, Kugel in der Wirbelsäule. Aha. Zwei Schüsse. Der erste durch die Lunge, der zweite durchs Herz. Zweiter tödlich. Komischerweise hat der Borowski einen Verband um die Brust. Die Kommunisten hätten sich gegenseitig erschossen. Sonja macht mit ihrer Ixus schöne Fotos von der Wasserleiche. Schließlich hat sie ihren Vater lange nicht gesehen.

21:26 Uhr, Fall ist abgeschlossen. Nö. Ist ja noch eine Viertelstunde Zeit. Gefickt haben sie auch nicht. Vielleicht war's ja doch die kleine Sonja mit 17 selber. Hätte ich auch früher drauf kommen können, wo es in letzter Zeit doch immer die Kinder waren.

Klein-Sonja hat ein Gewehr gemopst und hetzt den Holzer auf den Unterberger. “Du, der Max geht jeden Mittwochvormittag zur Karin.” Rache. Aber das ist doch langweilig. Da muss doch noch irgendwas anderes rauskommen als: Wie verhindert Eisner, dass das Mädel sich unglücklich macht. Die Sonja hätte aber ihr Handy ausmachen sollen (Ericsson), bevor sie in die Holzervilla schleicht.

Da schießt der Viktor auf den Max und trifft die Sonja in Arm und schießt nochmal und der Max zurück. “Jetzt host mi troffn, du Trottl”. Bauchschuss. Na gut. Immer auf die Ehefrau warten. Der Borowski hatte sich in der Hütte versteckt. Hat die Karin und den Viktor bedroht, da haben sie ihn verraten. Hat Borowski den Kessler erschossen und der Kessler ihn angeschossen. Hat Karin ihn so liebevoll verbunden, und der undankbarer Kommunist quasselt nur von seinem Geld, “musste flüssisch machen”. Ja nu. Schöne Schwarzweiß-Rückblenden, denn: 1989 war bekanntlich das Farbfernsehen noch gar nicht erfunden und die Ossis sind eh immer so grau.

Die Karin hat ihm dann den Gnadenschuss gegeben, weil der Viktor zu feige war.
Und die Sonja gibt der Karin den Gnadenschuss. Künstlerisch wertvoll, wie dann die Holzers, obwohl 2007 stark angeschlagen, (einmal tot, einmal Bauchschuss) rückwirkend in schwarzweiß mit den Leichnbündeln auf den See naus rudern.

Es wurde geschossen.
Letztes Gruseln bei Christiansen. Heute mit dem Bundespräsidenten. Und dann nie wieder.

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