Michael Stavaric, stillborn
Wie beim Tatort, wenn ich schon um 20 Uhr 26 weiß, wer's war, denke ich auch hier seit Seite 20 über Abschalten nach. Vermutlich hat doch die Maklerin selber die ganzen Wohnungen angezündet. Aber ehrlich gesagt: Es interessiert mich gar nicht. Eine anstrengende Ich-Tirade, die Frau spinnt, ganz klar. Spinnt gefährlich. Ich mag die Sprache nicht. Vor allem mag ich die vielen Kommata nicht. Der Autor tut alles, um noch mehr und mehr Kommata unterzubringen. Trennt das Subjekt durch ein vom ("Klara, hat Schluckauf..." - "Klara, öffnet die Tür,...). Kann man mal machen, aber dauernd? Das soll wohl sowas Gehetztes, Zerrissenes, Beklopptes vermitteln. Nur wenig eleganter missbraucht er das unschuldige "da", um weitere Kommata unterzubringen: "Manchmal, da bin auch ich schwach". usw. Oder sowas: "Ich verlasse das Büro, lauf zum Auto, das Auto, es ist rot."
Ich mag die Frau nicht, ich mag Wien nicht, ich mag solche Frauen in Wien nicht, das ist so Jelinek. "Atme, lebe, atme", sagt sie immer, damit sie's nicht vergisst.
Vielleicht kunstvoll, bestimmt modern. Auf die Gefahr, dem Buch Unrecht zu tun, klappe ich es bei Seite 44 zu und gehe paddeln. Vielleicht im Winter nochmal. Nicht bei dem Wetter.
sopran - Fr, 8. Jun, 21:19
PeterLicht lebt natürlich in Köln, das verrät er auf Seite 24: "The Big DRINLASSE", und auf Seite 55, wo er seinen Sperrmüll nach Ossendorf bringt. Blaue Typen, sehr klein, Serifen, i-Punkte, die sich mit darauffolgenden t's vereinigen.
Bisher liebster Satz: "
Oft, wenn Deutsche sterben, bleiben ihre Gartenschuhe auf den Treppenabsätzen zum Keller runter noch eine Weile stehen." (Seite 68). Ich kann das mit den Gartenschuhen allerdings für die Franzosen bestätigen, ohne allzugroße Verbeugung sogar von diesem Balkon hier aus.
Es ist ein angenehmes Buch, denn es enthält in Abständen mehrseitige Werbeeinblendungen, zum Beispiel für den "neuen Menschen", während derer man sein Gläschen drinnen am Kühlschrank mit kühlem Muscat auffüllen oder nach den Kindern sehen kann.
Leider werden Träume erzählt, und auch wenn in einem eine Braunkohlegrube und in einem anderen (oder demselben?) Johannes Heesters vorkommt: Hej, Träume erzählen, das kann koch jeder, Malen Pinseln Streichen Schmieren, denk dir selber mal was aus. Oder sind die Träume etwa ausgedacht? Egal, wie sollte ich den Unterschied merken zwischen ausgedachten und geträumten Träumen? Erzählte Traume langweilen mich am Tag, sogar die, die mir im Nachtprogramm noch spannend vorkamen.
Hübsch dagegen: die Abteilung "Berufe"
Z.B. der Arzt (S. 77) "
Hinter seiner Schreibtischumgebung gibt er gerne mündliche Anweisungen zur Verkäsung schadhafter Stellen am Patientenkörper. Er schreibt auf einen Zettel und überreicht ihn dem Leidenden. Der Leidende nimmt ihn, zieht los und holt sich den Käse."
Es stehen auch Liedtexte in dem Buch, aber die lasse ich mir lieber mal vorsingen, sobald die zufällige Wiedergabe sie mir zuweist.
Sagt man eigentlich überall in Deutschland "Politessen"? Ist nicht "Der kann nix der fummelt nur" eine sehr rheinische Wendung? Ebenso wie "sie kamen von Hölzchen auf Stöckchen"? Habe ich etwa Heimweh nach dem Rheinland? Ach was. Ich vermute leichten Singsang beim Vorlesen. Mir fehlt aber die Phantasie, das Schreiben von Peter Licht auf eine halbe Vorlesestunde hochzurechnen.
Es ist ein anwenderfreundliches Buch. Ich werde es neben das Klo legen, zum Patagonia-Katalog.
Den Rest des Abends haben ich mit den Voisinen Denkfix gespielt.
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sopran - Fr, 8. Jun, 11:58