Leben in Anderswo, update
Durch die Satellitenschüssel bin ich ja auch hier tatort- und klagenfurtfähig. Nach Klagenfurt komme ich nämlich dieses Jahr nicht. Im letzten Jahr dachte ich schon, jetzt ist Klagenfurt durch, aber nun findet doch ein Treffen statt. Die Verbindungen Carcassonne-Klagenfurt sind ausbaubedürftig, ach was, ich kann einfach gar nicht weg. Juliette fährt aber, und sobald die Autoren endlich bekannt sind, wird auch wieder vorgelesen. Also ein kurzer Bericht aus anderswo, verlegenheitshalber.Fernand von linksnebenan ist schon seit ein paar Wochen im Krankenhaus. Zuletzt war er kaum noch in der Lage, uns sicher vom Parkplatz unter der Platane auf die Straße zu winken. Das war seit ich anderswo parke eine sichere Sache. Sobald er die Autotür hörte, sprang er auf, lief ein paar Meter die Straße dorfauswärts und schaute nach, ob ein feindliches Auto kommt. Jetzt also nach Gefühl/Gehör. Allerlei Leiden des Alters haben ihn befallen, und sobald sie einen mal haben, die Ärzte, finden sie auch noch alle anderen. Camille, seine Frau, führt derweil ein reiches soziales Leben zwischen Beten, Katzen, Haushalt, Apero, Krankenhausbesuchen und darüber erzählen.
Seit Ostern ist der Canal du Midi wieder für die Schifffahrt freigegeben. Die Freizeitschifffahrt, Fracht- findet leider kaum noch statt. Jetzt sieht man wieder die Inselaffen auf ihren Schleifsteinen über die Platanenallee nach Bram wackeln. Hin gegen den Wind, zurück mit vollen Tüten an den albernen Lenkern. Die Schiffsfahrräder sehen aus wie unklappbare Klappräder (verdammt, wenigstens eines dieser Wörter sollte einen dreifachen Konsonanten haben!).
Das Wetter ist hier schlechter als im restlichen Europa. Zum Beispiel in Bonn. Und in Versam, Ruinaulta, Schweiz, wo ich Pfingsten sein werde. Aber bis dahin kann das ja noch wechseln. Dank des schlechten Wetters sitzen wir sowieso nicht so oft im Garten, und bei gutem Wetter stinkt immer noch der Bach. Aber so lange darf die Nachbarin von rechtsnebenan (die mir seinerzeit als "die verrückte LePen-Wählerin vorgestellt wurde) noch ihren Kompost und ihr Putzwasser von ihrer Terrasse in unseren Garten kippen. Der Eins empörte sich neulich, dass sie das sogar tat, "als ich hier saß UND sie mich gesehen hat". Ich finde das irgendwie konsequent.
Gegenüber in der alten Werkstatt wird umgebaut, da will jemand aus dem Norden mit seiner Familie einziehen. Er macht sehr viel Lärm Tag und Nacht, aber besser Bohrmaschine als Bagger aufreißen. Einmal losgequasselt und kein Halten mehr. Er sucht Menschen, die ihm für lau ihr bestes Werkzeug ausleihen und ihm für sehr, sehr kleines Geld Fenster bauen. "Alles so schrecklich teuer", ja, wie wahr. Noch glaubt er, man käme hier mit Einfachstverglasung und ohne Heizung aus, ist ja schließlich Midi hier.
Wenn mal was passiert, werde ich weiter berichten.
sopran - Mo, 21. Mai, 10:04


