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Freitag, 27. April 2007

Jonathan Franzen: Dingsbums Eine Geschichte von mir (Rezension)

Meine Draußen-Tätigkeiten finanzierte ich mir mit der Arbeit in einem Draußen-Zubehör-Geschäft. Dass dabei wegen gigantischer Personalrabatte Geld zu sparen sei, verdarb ich mir durch geschicktes Reich-Rechnen: Zwar waren die Personalrabatte tatsächlich gigantisch. Aber natürlich sparte ich nicht 120 Mark beim Kauf eines 350-Mark-Schlafsackes, sondern entschied mich lieber gleich für den 500-Mark-Schlafsack, für den mir dann nur 350 vom Lohn abgezogen wurden. Das war nicht kurzfristig gedacht, denn kurzfristig hätte ich damals die 120 Mark besser brauchen können, wohl aber langfristig, das Teil wärmt mich noch heute, über 15 Jahre später. Ich wusste schließlich alles über Daunenqualität (polnische besser als chinesische usw.), Dachziegel-Steppung und Außenmaterialien. Die Wanderschuhe (Lowa Trekker) tun's noch, die ca. sieben Rucksäcke nicht mehr alle, die Fleecepullover (Patagonie Snap-T, leider in Pink) aus der Mode, das Zelt wird den Kindern noch viel Spaß machen, das war nur ein Golf unter den Trekkingzelten (das Mark II von VauDe, ein hübsches Zelt), heute habe ich den Maybach (das Nallo von Hilleberg). Ich hätte gerne einen neuen Kocher, aber der olle Trangia ist leider nicht kaputt zu kriegen. Deshalb habe ich ihn ja gekauft. Als Ersatz für den Benzinkocher "Peak", der entweder gar nichts tat oder explodierte. Bei dem Anorak (Alpine Jacket von Patagonia) bröselte leider schon nach 15 Jahren die Beschichtung, aber die Jacke vom Mann sieht nach der Zeit noch aus wie neu. Sie war ihm, glaube ich, immer etwas zu eng. Vielleicht passt sie mir jetzt.

Sie folgten einer kleinen Gedächtnisübung, kenne ich noch die Artikelnamen. Der Schlafsack heißt Dreamweaver und ist von The North Face, damals noch eine ernstzunehmende Marke. Bauen die allerschönsten Zelte, VE 25 (das weißgelbe Zelt, das immer auf den Basislagerfotos drauf ist), Bullfrog (kleines grünes mit großem Maul), hach, ich gerate gleich in schwärmerisches Randalieren. Heute The North Face leider viel Mode. Mode war seinerzeit das Gegenteil von Funktion. Funktion = cool und Mode = uncool.

Seltsame Entwicklung übrigens, dass heute alle Welt mit The North Face und Jack Wolfskin-Kram durch die Stadt treckt, während die Ex-Trekkingladenverkäufer wieder auf gute Wolle schwören. Die Kunden, die jeden Tag dreimal ihren verdammten Dackel durch den Kottenforst schleifen mussten, die waren viel mehr auf funktionelle Kleidung angewiesen als wir Verkäufer.

Eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schwadronieren, eigentlich wollte ich nur einen eleganten Einstieg nehmen, um meine Dankbarkeit darüber auszudrücken, dass ich keine Bücher rezensieren muss. So in der Art: Trekkingkram im Trekkingladen verdient, hätte es doch nahegelegen, Bücher über Rezensionen zu verdienen. Hätte ich auch mal machen können, bei einem aufstrebenden Internet-Portal. Wenn ich noch wüsste, wie es hieß, könnte ich vielleicht rekonstruieren, wann es auf den Boden des Gurkenglases gesunken ist. Wahrscheinlich noch in den 90ern. Und auch, ob jemand anders das Buch geschrieben hat, dass man mir zu schreiben angeboten hatte, über das Duale System, sollte bei Merve erscheinen. Ich bekam ein paar Kilo Material dafür, gab es aber nach Sichtung zurück.

Letzte Woche bekam ich das neue Buch von Jonathan Franzen. Ich mochte die "Korrekturen" sehr. Vor allem die lesbische Schwester, war die Köchin? Las irgendein Frühwerk, was auch völlig in Ordnung war, bisschen wirr, irgendwas mit einem Erdbeben, aber sehr herzlich und impeccable geschrieben. "Schweres Beben", jetzt fällt es mir gerade wieder ein. Jetzt also "Dingsbums Eine Geschichte von mir". Um Dingsbums nachzusehen, müsste ich jetzt entweder aufstehen, die zwei Meter vom Bett zum Tisch gehen und das Buch umdrehen, oder hier in diesem Internet irgendwas klicken, zum Beispiel auf die treffende Besprechung von Johannes Groschupf auf http://www.westropolis.de Ist aber auch nicht so wichtig.

Es gibt Bücher, die kann ich einfach nicht zuende lesen, und da frage ich mich, wie macht das so ein Rezensent eigentlich? Werden da zu Beginn der Saison vom Ressortchef ein paar Schwarten hochgehalten, so lange, bis zu jeder einer "HIER" gerufen hat, oder geht das per Selbstbezichtigung? Oder liest der Rezensent erstmal, was ihm nach Klappentext gefallen hat, und bespricht dann die, die er bis zum Ende geschafft hat? Die Vorstellung, Lebenszeit mit schlechten Büchern zu vergeuden, ist mir schlimm, aber vielleicht ist es nicht so schlimm, wenn die Lebenszeit Arbeitszeit ist.

Dieses Franzen-Dings können Sie jedenfalls vergessen. Das war jetzt die Rezension.

Ich biete es zum Tausch an. Wer bietet was?

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