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Es ist übrigens ganz angemessen, dass ich 1200 km zu einer Hochzeitsparty reiste. Schließlich reiste das Brautpaar 12000 km, um sich zu finden. Und ich war dabei!Im Jazzclub in Santiago standen schon seit etwa drei Uhr die Stühle hochgestellt, aber man kann ja auch im Stehen knutschen, wenn man nur betrunken genug ist. Man kann übrigens auch zwischen Beifahrersitz und Rückbank hin und her knutschen, wenn man nur betrunken genug ist. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Wo kam eigentlich das Taxi her nachts um drei im verschlafenen Santiago de Chile? Ich saß auf des zukünftigen Bräutigams Schoß und fühlte eine Hand an meinem süßen kleinen Hintern, eine große Hand. Ich sagte meinem rechten Nachbarn: "Ich habe da eine Hand an meinem Hintern, aber die ist nicht für mich." Mein rechter Nachbar sagte: "Sachnix, sonst hören sie vielleicht auf. Darauf warte ich schon so lange." Und so verschwanden zukünftige Braut zur Linken und zukünftiger Bräutigam unter mir ineinander, ungestört. Der Beifahrersitz war bald geräumt, das Taxi irreführten wir durch chilenische Vorstädte: "So ähnlich sah das Haus meiner Gastfamilie aus" - zBraut (Anm.: und alle anderen des Viertels auch). "Lasst mich einfach an der Deutschen Schule raus, dann finde ich's schon" - ich. "Ich steige nicht aus, bevor ihr nicht alle zu Hause seid" - der rechte Beifahrer. Usf.
Dem Morgen graute, als ich in das Gästebett kippte. Nach einer Stunde klingelte der Wecker.
Ich war um neun am Flughafen, nach Nescafé und Busfahrt, und fragte mich noch Stunden später nach der Landung in La Serena, warum ich nicht einfach mit dem Chor nach Hause geflogen war. Der Einsamkeitskoller nach dem Gruppenkoller. Oder nur ein Kater. Ja, nur ein Kater. Die zukünftige Braut reiste noch bis zum frühen Nachmittag durch Santiago, um den Taxifahrer der Nacht zu finden - und bei ihm ihre Brieftasche.
Alles wurde gut.
sopran - Do, 12. Apr, 14:43


