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Mittwoch, 14. März 2007

Tatort: Sabine Christiansen

Ich habe zum ersten Mal nach dem Tatort den Fernseher angelassen. Wir saßen gerade so kuschelig zusammen, das Thema hätte interessant sein können (Sterbehilfe) und die Fernbedienung war runtergefallen. Außerdem: Reinhold Messner immer gleich.

Die Kamera durchs Publikum zeigte, dass hier die selbe Statistenagentur am Werk war: Die sahen alle aus wie der in der Kneipe neben Hollicek, der aussah, als kippe er um, wenn man ihn antippt. Sabine Christiansen "wickelt", wie es im Eiskunstlauf heißt. Heißt: Sie zwirbelt ihre Beine umeinander. Als müsse sie dringend aufs Klo. Zunehmend dringend. Oder später: Als hätte sie in die Hose gemacht.

Auf der linken Seite hatte man die Sterbehilfe-Gegner postiert, Herrn Sahm (Palliativarzt), Frau Göring-Eckhardt und Hubert Hüppe (CSU), auf der rechten die Befürworter (Reinhold Messner, einen Menschen von Dignitas und "Freunde-fürs-Leben"-Arzt Michael Lesch). Glaubten sie. Tatsächlich war von Anfang an nicht klar, worüber überhaupt diskutiert wurde. Fazit allerdings: Rechts saßen die Idioten. Frau Christiansen saß eher rechts. Messner beantwortete keine Fragen, sondern betonte immer wieder, dass er "italienischer Staatsbürger" sei und vom deutschen Rechtssystem, um das es gerade gar nicht ging, keine Ahnung habe. Vom italienischen Recht hatte er übrigens auch keine Ahnung oder gab sie zumindest nicht weiter. Das mag daran liegen, dass er eben nicht "Italiener" ist, sondern Südtiroler, und die würden nicht sagen: "Ich bin Italiener", sondern eben immer nur mit diesem leicht angewiderten Ausdruck: "Ich bin italienischer Staatsbürger." Warum sie den eingeladen hatten, keine Ahnung. Komik Christiansen: "Sie als jemand, der meint, auf alle Berge dieser Welt steigen zu müssen." Der Dignitas-Mensch verteidigte sich ständig hilflos gegen nicht ausgesprochene Vorwürfe, bekam aber kein Argument für seine Position zustande. Es mag ja welche geben. Michael Lesch verlangte, dass Ärzte gesetzlich dazu verpflichtet werden sollen, Menschen die tödliche Spritze zu geben. Vielleicht ein bisschen viel verlangt.

Themen der Sendung waren wohl:
Patientenverfügung
aktive Sterbehilfe
passive Sterbehilfe
Recht auf Selbstmord (hat eh jeder)
Bringt Dignitas Depressive um?
Palliativmedizin

Leider redete jeder über ein anderes Thema, und Frau Christiansen verlor den Überblick. Moment, jetzt müssten Sie mir vielleicht mal erklären...

Highlights:

Der zugeschaltete Mann mit dem Muskelschwund, dem Christiansen am Ende sehr feinfühlig wünschte, dass die Forschung doch noch schnell ein Wundermittel gegen seine Krankheit findet.

Der Mann mit der Frau im Wachkoma, der "Lebenshilfe statt Sterbehilfe" forderte. Erstens sprach er ein wunderbares Rheinisch, zweitens verweigerte er es, zu entscheiden, was lebenswert ist.

Herr Hüppe mit dem Argument: Wenn jetzt die anderen sagen, ich will früh sterben, damit ich keinem zur Last falle, kann ich doch schlecht sagen: Ich will aber gepflegt werden. Wies auf den gesellschaftlichen Druck hin.

(Den gibt es ja schon bei der Frage der Abtreibung behinderter Kinder. Sind Bekannte von mir nach der Geburt ihres Trisomie21-Kindes in der Kinderklinik von der Krankenschwester begrüßt worden: "Das wäre doch heute nicht mehr nötig." Pflege von Schwerstbehinderten, Schwerstkranken und Schwerstalten wäre bei gesetzlicher Förderung der Sterbehilfe auch "heute nicht mehr nötig.")

Verbreitete Irrtümer:
Selbstmord ist verboten.
Apparate Abschalten ist verboten.
Jemandem beim Selbstmord helfen ist verboten.
Weitere Behandlungen ablehnen ist verboten.

Bevor es hätte spannend werden können, musste Christiansen aufs Klo war die Sendung zuende.

Chœur #4

Die flotte zehnstimmige Fuge aus dem Scarlatti kann man auch mal zweieinhalb Stunden lang üben. Aus geheimen probentechnischen Gründen in einem grässlichen Staccato. Nein, eigentlich nicht. Marie-Odile et moi beherrschen unsere Stimme bereits impeccable. Marie-Odile weiß Bescheid und legt schon beim Einsingen ihren Sherlock Holmes bereit. Ich habe nicht daran gedacht, was zu lesen einzpacken und muss nun weglesen, was ich finde. Den Unicef-Weihnachtskarten-Katalog vom Tisch neben mir, alle Kassenbons in meinem Portemonnaie, das kleine Gipfelbuch, die Vokabeln in meinem privaten Französischbuch, mein neuer Führerschein - alles schnell aufgebraucht.

Hätte ich doch nicht die Staubsaugerbeutelpackung im Auto gelassen!

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