"...pas chaud, hein?"

Kaum fünf Minuten Autofahrt oberhalb von Anderswo sind die Wiesen verschneit, die Straße zwischen den Schneewehen gerade autobreit freigeräumt. Der Gegenverkehr bleibt rücksichtsvoll aus. Unbedingt in den aktiven Wortschatz aufnehmen: impeccable, bizarre. Anderswo ist es gegen halb elf minus drei Grad und sonnig, auf der Anhöhe minus fünf und sonnig, in der Marktstadt minus 5 und neblig. Die Gemüselage ist prekär, das rustikale Gemüseprekariat bietet glasig gefrorene Selleriestängel und Salatblätter an. Impeccable dagegen: Brot, Schinken, Fisch und keine Engländer. "Pas chaud", murmelt der Brotverkäufer, "pas chaud" grinst der Schinkenabschneider, "pas chaud" sagt der Schafskäsehändler, und seine Frau nickt dazu: "Fait pas chaud, hein?" Auch die Kohlhändlerin (choux fleur und choux frisée - Wirsing, wieder was dazu gelernt) findet es "pas chaud".
Das Geld schmilzt aus dem Portemonnaie wie im Sommer. Zum ersten Mal kaufe ich eine Portion Aligote, eine Käse-Kartoffelpampe. Der Aligote-Schmelzer rührt mit einem großen Holzlöffel in der heißen Pampe und findet es offenbar ausreichend chaud. Im Café de la Place ist es warm, voll, Grand Crème s'il vous plaît, dazu eine Chocolatine aus dem Bauchladen an der Ecke. Auf dem Weg nach draußen treffe ich einen Bekannten (klingt gut und ist gestrunzt), er fragt nach der Copine, on fait des bises, im Gehen höre ich ihn noch murmeln "... pas chaud, hein?"
sopran - Sa, 27. Jan, 16:06


