Blaumilchkanalarbeiten
Im Sommer wurde ein Rohr durch den Bach hinter unserem Haus gelegt. Die Arbeiten an der Kläranlage am Dorfausgang gehen weiter. "Une dizaine de mois" sollen die Bauarbeiten dauern, hieß es im April. Das ist noch zu erreichen. Im Voisinen-Eck am Place de la Ancien Bascule wird jeden Morgen die Straße aufgebaggert und jeden Abend wieder zugebaggert. Der kleine Hund, der zwischen den Bauarbeiten hin und her läuft, trägt seinen spitzigen Schwanz täglich anders, gestern war er grün, heute hat er das Pink, mit dem die Männer von Marquis Sade vor dem Zubuddeln die Gullideckel markieren.
Als sie an der Mongoliere Haus entlang gebaggert hatten, stand auf einmal deren Küche unter Wasser. Und das am Wochenende! Quelle catastrophe!
Aber das soll sie lieber selber erzählen.
Mit dem Teeren sollten sie bis zum Sommer warten, da können sie die geschmolzene Straße vor unserem Haus einfach in das Loch schieben. Das Hin- und Herfahren mit großen lauten Fahrzeugen ab dem frühen Morgen ist ja eine offensichtlich befriedigende Tätigkeit.
Seit meiner Kindheit träume ich von einem eigenen Bach. Ich habe ja schon einen, aber der Spaß beginnt natürlich erst, wenn er E.Coli-frei ist. Dann wird gestaut und umgeleitet, dann lernen die Kinder Füsick, dass es sich gewaschen hat. Der kleine Scheißhaufen an der kleinen Lücke zwischen Hausabfluss und Kanalisation wird bis dahin weiter für überdüngte Vegetation sorgen. Die Brennessel dankt.
sopran - Di, 12. Dez, 17:28


