Vergeblich
Ich wollte mögen, was die Jungs mochten, aber als ich das Matchbox-Auto durch den Sandkasten schob, blockierten die Räder. Da buddelten wir lieber ein Loch nach Neuseeland, mein Bruder und ich. Beim Pinkeln treffe ich heute noch oft meine Füße. Als die Jungs mich im Wald umzingelten und unter meinen Rock sehen wollten, war mein Bruder plötzlich weg, der kleine Feigling. Ich wusste nicht mal ein Wort für das, was sie zu sehen hofften. ICH sah da unten ganz normal aus. Sie zeigten mir nichts, aber das Gebammel kannte ich ja schon von meinem Bruder, das sollten sie ruhig in ihren kurzen Hosen behalten. Ästhetisch finde ich das mehr als überflüssig, auch wenn ich den biologischen Nutzen irgendwie anerkenne. Vorhautverengung, das Wort kannte ich schon mit vier.Penisneid hatte ich nicht, wohl ein großes gnädiges Penismitleid. Reiten, Radfahren, auf die Füße pissen, geht alles besser ohne. Wenig später, viel zu wenig später für meine Wünsche, litt ich an heftigem Busen-Selbstmitleid. Wofür sollten die gut sein? Mit elf sind Brüste überflüssig so überflüssig wie monatliche Bauchschmerzen. Auch bei den Brüsten musste ich den biologischen Nutzen anerkennen, zwölf Jahre später. Das Versöhnungsfest fand aber erst statt, als sie ihresgleichen fanden.
Ich flocht mir Zöpfe, erwählte Liebhaber, zwang mich in Kleider und bekam Kind um Kind und fand ganz anders, was mir zum Frausein fehlte.
sopran - Mi, 22. Nov, 13:01


