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Sonntag, 12. November 2006

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Aufklärungscomics von Erika Moen

Ausgegrabener Linktipp aus einem Weblog, ich weiß aber nicht mehr aus welchem. Verzeihung.

Dank XV

Romantisches Geschenk

Romantisches Geschenk

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Romantisches Geschenk

Zauberflöten am laufenden Band

produziert die Bonner Oper. Die erste sah ich 1979. Gestern schickte die Zeitung die Aushilfskritikerin zur dritten Wiederaufnahme der Inszenierung von 1996. Ich solle auf die Königin der Nacht achten, die sei neu. Ich will die Adele von neulich noch mal hören.

Während der Ouvertüre versuche ich, mir die Bildchen im Hintergrund zu merken, ich spiele "Am laufenden Band", vielleicht wird diese komische Zielscheibe noch mal wichtig sein, oder der rote Schuh. Ich schließe die Augen und repetiere: Dreieck mit Auge, Maurerkelle, roter Schuh, aufgeklappte Schachtel mit Kugel, Löwenkopf, Totenschädel, Bogen, Kescher, Schlange, Panflöte, Querflöte, ovales Bild mit Frauenkopf, Mond, Sterne, Sonne, Kringel, komische Schriftzeichen, blauer Vogel, grüner Fisch, Wasser mit drei Flammen, Pfeil, Ketten mit Fußfesseln, roter Schuh (Mist, doppelt), ich sollte darauf achten, wie das Orchester spielt, bisschen dumpf klingt es immer aus dem Graben, scheint ganz ok zu sein, ich werde jedenfalls nicht abgelenkt.

Auftritt Schlange. Die kommt mir weniger lächerlich vor als die letzten Male (zuerst 1996), es ist aber immer noch eine Türschlitzwurst von Ikea. Die nachte junge Frau, die der Schlange den Kopf führt zu Tamino möchte ich lobend erwähnen. Sie huscht nur für einen Moment durch die schiefe Schachtel, die das Bühnenbild ist. Pfeil war auch auf dem Bild, aber Taminos Kescher ist leer, und das wollte der Schikaneder auch so.

Die drei Damen treten dauernd auf ihre Kleider oder bewegen sich so, als träten sie dauernd auf ihre Kleider, auf dem Boden liegt faltiger Stoff, an den sie sich noch werden gewöhnen müssen im Verlauf der weiteren Aufführungen. Ist ja eine Art Premiere, wenn man das so nennen kann bei einer zehn Jahre alten Inszenierung. Ich mag die schiefe Schachtel, auch wenn es mir vorkommt, als sähe ich in dieser Oper immer schiefe Schachteln. Aber vielleicht war ich nur zu oft in der Zauberflöte. Die Kostüme möchte ich alle haben, aber wenn sie immer wieder und wieder wiederaufnehmen, werden sie die wohl nicht in die Versteigerung geben. Der Tamino trägt eine Art Schlafanzug mit Pferdchenmotiven, weißblau, die Pamina Lachs, gräßliche Farbe, aber Anna Virovlansky kann nichts entstellen. Ich frage mich, ob sie für jede Besetzung ein anderes bezaubernd schönes Bildnis herstellen, denn dieses sieht Anna Virovlansky deutlich ähnlicher als der ausgefallenen Julia Kamenik. Alle vier anderen Frauen tragen rot-schwarz, die Männer gelb, Ethno-Muster, die Löwen, sind die neu? Sarastro hat eine Gazelle gejagt, man hat sich was geliehen beim "König der Löwen"-Musical, stelle ich mir vor. Die Löwen sind dramaturgisch so unwichtig.

Papageno, die Damen und Tamino jonglieren mit Totenschädeln. Darf man das heutzutage noch?

Streichen sollte man den armen Monostatos. Zieht irgendwie runter, die Figur, keiner liebt mich, weil ich schwarz bin. Und ich denke: Nein, keiner liebt Dich, weil Du ein Langweiler bist mit einer langen weiligen Arie und die nicht mal besonders toll singst. Wie soll man diese Rolle auch nur annähernd p.c. inszenieren? Ohne ihn würde die Oper auch funktionieren und statt dreieinviertel Stunden nur dreieinhalb Stunden dauern. Tamino ist eine trübe Tasse und wird es bis zum Ende und darüber hinaus bleiben, da können die Maurer noch so in ihn investieren.

Aufgabe des Sarastro ist, möglichst tief zu singen, und das macht er wohl ganz gut. Aufgabe der Königin der Nacht ist es, möglichst hoch zu singen, dafür muss ein Gaststar engagiert werden, einer, der noch bezahlbar ist, wie die Dänin Louise Fribo, die die Rolle noch nicht an der Met gesungen hat. Sie macht das gut, trifft nicht immer ganz genau da oben, aber sie traut sich, bei diesen ganzen schnellen hohen Tönen immer weiter zu spielen, hübsch böse und bitter und rachsüchtig, ich mag das.

Ein Durchbruch der Frauenbewegung, dass die drei Knaben statt mit Sängerknaben oder drei selben oder weiteren Damen mit knackfrischen weiblichen Teenagern aus dem Jugendchor der Oper besetzt sind. Die drei tragen weiße Kniestrümpfe und bieten die beste Ensembleleistung des Abends. Ihre Vorstellung von Rhythmus deckt sich mit der des Dirigenten. Großer Spaß, die drei. Ihre Stimmen gerade noch kindlich, der zweite Knabe schon ziemlich kernig zu hören, das ist schön, da versteht man dann auch den Text richtig gut.

Publikujmsliebling ist wie immer der Papageno. 1996 war das Thomas Mohr, der mit Gipsbein spielte, der von gestern war nur erkältet, ließ er vorher ansagen, aber man hörte es nicht. Der Papageno darf nicht zu kultiviert singen, das geht erkältet vielleicht noch besser. Der Papageno darf alle an die Wand spielen. Tat er auch.

Zwischendurch dachte ich wie jedes Mal: Ach, so ist das, jetzt habe ich's verstanden. Dann erinnerte ich mich, dass ich es immer verstanden habe aber wegen egal immer sofort vergessen. Dieser ganze Maurerquatsch erschließt sich mir nicht, aber ich verstehe schon, dass sich das Libretto vom Schikaneder damals von dem anderen Liebe-Fürsten-Verwechslungs-Kram unterschieden hat. Die Sachen vom Anfangsbild tauchen alle genau so wieder auf, sie wirken als Requisite genau so hübsch bunt und selbstgebastelt, dass ich sie sofort wiedererkenne. Überhaupt alles so schön bunt, einmal huschen ein paar unvorteilhaft aufgepolsterte Menschtiere über die Bühne, warum auch immer, Hauptsache, es gibt immer was zu gucken. Die schiefe Schachtel wird auf unterschiedliche Art verkürzt und verlängert, perspektivisch immer so haarscharf daneben, dass man die Absicht spürt, es so haarscharf daneben zu zeichnen. Auch das gefällt mir. Der Regisseur hat sich der Aufgabe offensiv gestellt, die Zuhörer vom Einschlafen abzuhalten.

Der Opernschlaf ist ein anstrengender, wenn man wie ich zum Schnarchen neigt. "Da, jetzt kommt die Königin der Nacht", weckt meine Nachbarin ihren Begleiter, vielleicht hat er sie vorher darum gebeten. Der Mann neben mir atmet auch eine Weile ruhiger zwischendurch.

Eine gelbe Hand mit schwarzem Punkt, eine schwarze Hand mit gelbem Punkt. Auch auf dem Bild, die Maurerhandschuhe sind das. Einmal findet eine etwas zähe Abstimmung mit dem Männerchor statt, die lümmeln alle auf dem Boden an der Wand herum und sollen (erst mit dem schwarzen, dann mit dem gelben Händchen) entscheiden, ob der fahle Prinz seine Chance bekommt. Es wird doch sehr viel geredet.

Die Pamina ist auch als Pamina eine süße Adele ("Oh je, oh je, wie rührt mich dies", trällere ich schon wieder vor mich hin, im Opernhaus noch kopfintern, später lauter), nicht allzu deprimiert über die Gefangenschaft. Sie lässt sich von den weiblichen Knaben dann auch schnell überzeugen, sich lieber doch nicht umzubringen, und hat ihre gute Laune rasch wieder. Später hält der Tamino sie im Arm wie einen Pfosten. Ich könnt ihm das mal zeigen, wie man eine Frau im Arm hält. Wenn ich nicht so klein wäre.

Große Lyrik:
"Wahnsinn tobt ihr im Gehirn
Selbstmord steht ihr auf der Stirn."


Alle Frauen tragen diese roten Schuhe, die Schlangenfrau, die drei Damen, die Königin der Nacht, die Pamina (bis auf die Szene, in der sie im Nachthemd und barfuß ist) und die nicht mehr taufrischen Damen des Opernchores. Sehr schöne rote Schuhe, nichts für mich, aber trotzdem, holla. Am Chor verlieren sie etwas, aber an der nackten kahlen orangen Schlangenfrau.

Ein Schloss, ein Ei, eine Pyramide. Eine Schrift "Keine Rache".

Für das Wasser mit den Flämmchen bekomme ich eine Reise zum Ätna, für die Maurerkelle ein Gartenhäuschen, für den Bogen einen Jagdausflug, für die Schachtel eine Schachtel und für den Fisch einen Fisch. Die komische Zielscheibe ist der siebenfache Sonnenkreis.

Danke, Rudi.

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