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Freitag, 10. November 2006

Überzwerch - wer schützt mit?

Eine Wortpatenschaft bekamen Bass und ein anderer Mezzosopran neulich geschenkt. Seitdem schützen und verwenden sie mit besonderem Nachdruck den "Kammerton". Als hätte der es nötig!

Ich würde gerne das Wort überzwerch schützen. Auf http://www.wortpatenschaft.de erfahre ich, dass es noch frei ist. Als ich es anklicke, wird mir angezeigt, dieses Wort sei unbekannt. Was doch bedeutet, dass es eine Patenschaft verdammt nötig hat. Per Zufallsauswahl wird mir das Wort Aftermehl angeboten. Das hat es sicher auch nötig, denn das habe ich noch nie gehört.

Bald ist Weihnachten, und einmal im Jahr habe ich Geburtstag.

Vielleicht will mir ja jemand diese Patenschaft schenken. Oder sie an meiner Stelle selber übernehmen. Oder sich mit mir teilen. Ein unbekanntes Wort braucht wahrscheinlich einen ganzen Haufen Paten, um angemessen gepflegt und geschützt zu werden.

Wer schützt mit mir das Wort überzwerch?

(Siehe Kommentare: Jemand hat mir promptomat die Wortpatenschaft für überzwerch geschenkt. Was für eine Verpflichtung! Ich werde das Wort nun krampfhaft in meinen aktiven Wortschaft aufnehmen.

promptomat übrigens ein blödes Wort, von dem ich dennoch glaube, dass es auf der Straße existieren sollte. Es existiert in Ungarn, habe ich ergooglet, aber was bedeutet es da? Sonst hätte ich behauptet, ich habe es eben erfunden.

Aktuelles Wetter anderswo

immer noch sonnig bei 17 Grad, nimmt denn dieser Sommer nie ein Ende?
Hier hat sich der Herbst entschieden, ein goldener zu sein, jeden Morgen narrt er mich mit Gräue, und kaum bin ich den Berg hinunter, zeigt er sich blau mit gold. Da kann man auch mal eine Stunde am Rand der Schlittschuhbahn stehen mit einem okayen Museums-Cappuccino. Letzte Woche war der 400.000ste Besucher in der Guggenheim-Ausstellung, ich selber bin zwei davon. An der Caffelatteausgabestelle das übliche Publikum, ältere Frauen, paarweise angeordnet (darf man da Paar sagen?) in sehr praktischen doch schmucken Klamotten. Praktisch die Schuhe und die Hose, schmuck das Halstuch.

Die Gottesanbeterin von Giacometti hatte ich zwei mal sehen wollen, und die kleinen Frauen mit den breiten Hüften, die der blinde Degas getöpfert hatte. Sonst: TOO MUCH. Leute und Kunst und schrillstimmige Führerinnen. Mein erster Besuch war an einem Montagabend, interne Veranstaltung für gute Privatbankkunden, ich war Begleiterin und hatte mich für ein Rock-über-Hose-Outfit entschieden, weil ich das für angemessen kulturschnepfig hielt. Die normale Uniform war dann privatbankkundenschnepfig, ich sonnte mich in diesem beschiedenen Gefühl, dass da Damen Strümpfe trügen, die mehr Kosten als mein ganzes Outfit zusammen. Schuhe nicht mitgerechnet. Die acht Meter lange Stahlplatte, die hätte ich gerne im Schlafzimmer.

Die Drei hatte schulfrei, weil sie den vorangegangenen Rest der Woche im Schullandheim war. Zum Ausschlafen, meine Güte. Die Ponyhofisierung des Schülerlebens nimmt unaufhaltsam zu. Obwohl: Meine Ponyhofferien waren sicher die härteste Schule meiner Kindheit. Authentische Erlebnisse von Schlaflosigkeit, Hunger und Hämatomen. Bosniakenstute Blacky verwandelte meine sprießende linke Brust mit einem schnellen Biss für Monate in ein blau-schwarz-grün-gelbes Ding, das meine Mutter nicht sehen durfte. Erst später freundeten wir uns miteinander an. Erst Blacky und ich, Jähre später meine Brüste und ich. Es muss Jähre heißen, sonst hört es sich nicht lang genug an.

Nun also Schlittschuhlaufen zwischen den Museen, schön leer heute vormittag, bis auf die üblichen Erwerbsunfähigen Lebenskünstler. Es sind immer die selben Männer im noch eben besten Alter, die da ihre Runden ziehen und - böse Unterstellung - auf Frischfleisch warten. Zu nah kommen sie den irgendwie magnetischen Biestern. Und doch nie so nah, dass sich jemand beschweren könnte. Was sollte erwachsene Männer sonst dazu bringen, in jedem Winter ihre Tage auf dieser winzigen Eisbahn zu verbringen?

Die Drei und ihre Freundin spielen ein bisschen mit dem Übe-Zwerg. Der Übe-Zwerg war vorletztes Jahr noch nicht da, man kann sich an ihm festhalten und hinter ihm herrutschen, jedenfalls wenn man nicht viel größer ist als einen Meter. Das erinnert mich an Freund G., der - von beachtlicher Statur - das Rollschuhlaufen sonntags auf dem Parkplatz vom Euro-Spar hinterm Einkaufswagen her übte.

Frieren I habe ich für heute erledigt.
Frieren II folgt am Nachmittag. Martinszug mit der Vier.

In einer Woche werde ich wieder anderswo sein. Dort hat es nachts schon gefroren, anderes als hier. Ich werde den Ofen anmachen und mich mit Ölsardinen wärmen. 17 Grad am Tag.

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