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Samstag, 24. Juni 2006

Donnerstagmorgen bis Samstagmittag

Unvollständig, schlampig, parteiisch. Gerade gemerkt, dass ich Huonder vergessen habe, den Text nie gesehen, nichts gehört.
Donnerstagmorgen Für Norbert Miller:

Sigrid Behrens: Diskrete Momente (Auszug)

Der Roman ist übrigens schon verkauft und wird im Herbst erscheinen.

Anfang:
Na los, Karl: erzähl deine Geschichte.
Erzählen, als gäb es eine Handlung. Als hätte ich was erlebt.


Ende:
Später verzichteten wir, uns an diese Tage zu erinnern; als ihr Kollege im "Terminus" sie in meinem Beiseit fragte, wie ihr meine Stadt gefallen habe, sagte sie nur, sie habe die Sprache kaum verstanden.

Dazwischen:
Weiß ich nicht.

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Für Ilma Rakusa:

Bodo E. Hell: Stadt Land Berg und wieder: durchs Dickicht der Verweise nur eine kleine Schneise

Anfang:
Aarau/Armenien/ Ararat/Amazonas/Antonius Abbas/ Akonit / Anlageberater / Aeskulapnatter. Achtung, wir schließen: das teilen wir Ihnen ohne Umstände auf dieser unserer Aussendung ...

Ende:
Yokohama Yverdon-les-Bains / Yukatan / Yumari in Venezuele Y Garn in Wales Yllästunturi in Finnland (allesamt unbedeutende Erhebungen) (....) Yorkshire Terrier im Endspurt: wuff

In Köln/Bonn am Gate ein paar Fetzen aus der Diskussion aufgeschnappt. Corino: "Ich bin ein großer Freund der Maultrommel, aber ich bin der Meinung, dass der Text nicht auf der Höhe der Maultrommel ist." Hell ist der einzige, der sich in die Diskussion einschaltet. Dafür wird er von Grandits am Ende nach einem Schlusswort gefragt.

---

Silvio Huonder, wie gesagt vergessen.

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Aus dem erfolgreichen Rennstall März

Clemens Meyer: Reise zum Fluss

Anfang:
Wir nannten ihn "Boxer", weil seine Nase so platt geprügelt war, dass sie fast in seinem Gesicht verschwand.

Ende:
Ich presste das Taschentuch an meine Nase, schmiss die Kippe in den Fluss und ging nach Hause.

Dazwischen:
Keine Ahnung, ich saß noch im Flugzeug und habe auch nicht nachgelesen. Imagegerecht.
Radisch: Unterschichtskasperltheater.

Serifenschrift, etwa 14Punkt, einzeilig, passt zum raumgreifenden Auftreten.

Nachtrag: Im Wartezimmer des Kinderpsychologen habe ich die Geschichte gelesen. Sehr vorhersehbar, sehr einszueins, mit ein paar stilistischen Macken, bei denen ich nicht sicher bin, ob sie Stilmittel oder Panne sind. Eine klassische, runde Geschichte, aber die Tragik dringt zu mir nicht durch. Im Roman hänge ich gerade in der Mitte herum, habe ihn bis dahin fiebrig durchgehechelt, gespannt. Nach den ersten paarhundert Seiten war ich abgelenkt, das war noch vor Klagenfurt. Da fragte ich mich auf einmal: Wo ist denn da die Entwicklung? Es sind Sprünge drin von "wir, 16" zu "wir, 18" zu "wir, 19" oder so. Jemand wird tot sein, jemand im Gefängnis. Ich verstehe nicht, wozu die Sprünge gut sind, warum nicht einfach chronologisch erzählt wird, denn die Sprünge bieten kaum Erklärungen und sind wegen ihrer geringen Zeitabstände unübersichtlich.
Bei der Landung N. getroffen und gemeinsam auf ein Taxi gewartet. Am Flughafen. Irgendwie. Eigen. Im Hotel tausche ich mein Gepäck gegen ein Fahrrad. Vorm ORF treffe ich Juliette.

Donnerstagnachmittag

Auf Einladung von Ursula März

Angelika Overath: Das Aquarium

Anfang:
Damals also begannen die Tage, an denen Tobias das Wort "Fußgelenk" nicht mehr ertragen konnte. Auch nicht Fessel, Armbeuge, Nacken, Haar. Immer, wenn er spürte, daß so ein Wort bedrohlich auf ihn zukam, versuchte er wegzutauchen.

Ende:
Sie aber hatte zögernd begonnen, vor sich hin zu springen, selbstvergessen, wie es Kinder auf der Straße tun über gemalten Kreidekästchen, und hatte nur "nichts" gesagt, nein: nichts, das war nichts, das waren nur so Geschichten.

Dazwischen viel Aquarium, Aquarianer sind ja per se irgendwie randständig, der Salzwasseraquarianer, der nach dem Tod des Vaters ins Ehebett umgezogen ist usw. Ich will das noch mal in Ruhe lesen, könnte gut sein. Evtl. Preis, Preiskandidatin.

Spinnen: "Das ist amour fou minus amour minus fou minus alles plus Fische."
Strigl: "Das Anstrengende an der Frau ist, dass sie - im Gegensatz zu den Fischen - redet."
Nochmal Spinnen: "Aquarium ist Modelleisenbahn in vivid und liquid."

Überhaupt sehr viel Fisch dieses Jahr. Fisch is the new Synästhesie.

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Für Ilma Rakusa:

Kevin Vennemann: In Komponierhäuschen (Auszug)

Anfang:
Als Kind an einem einzigen Tag ein Rudel erfrorener Rehe als Resonanzkörper in eine Senke unweit des Komponierhäuschens zusammengeschleift, mit Ästen und Moos sorgsam bedeckt, mich frierend und weinend zu den eiskalten Körpern gelegt ohne zu erfrieren, als Kind bereits das Komponierhäuschen und sowieso Mahler nie wirklich gemocht, wie sie wissen, wissen Sie überhaupt, alle Sinfonien, dieses so ewige wie endlose Bedächtig.

Ende:
Alles Lüge, ruft Pflüglers Verteidiger also noch in die Verhandlung, alles Lügner.

Dazwischen: Später vielleicht mehr zum Plot, eine Täter-Opfer-Geschichte, Nazibezug, jedenfalls spielt alles in Klagenfurt, das muss man wissen, Corino weiß, Komponierhäuschen liegt am anderen Ufer, an Maria Loretto vorbei, das weiß ich inzwischen, ein Mehl-Attentat auf die Wehrmachtsausstellung wird erwähnt, der Titel ist Plural, merkt März. In Komponierhäuschen wie: In Plüschgewittern. Die Kärtnerinnen unter uns leiden, sie mögens auf eine neblige Art nicht, dass ein Fremder über Kärnten schreibt und dann nicht weiß, dass es in Osttirol keinen Wein gibt. Sprachlich zumindest, ähm, mutig. So sagt man hier.

Vennemann hat keine Angst vor Konsonanten (Pflügler), leidet aber, wie schon im Buch, an lästigem Absatzmangel. Leidet tatsächlich, sonst würde er nicht versuchen, den beim Lesen zu heilen durch komplett bekloppte Kunstpausen.

Corino: "Da schmeißt einer mit der braunen Wurst nach der Speckseite des Bachmannpreises."
März: "Direkt neben der Polyvalenz ist die Nebelmaschine."

(Radisch: Ratlos, aber Corino kann ihr alles erklären. Vielleicht meint sie dann nochmal von vorne los?)

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RP online: Der Fußballticker

.. Minute
Boateng vertändelt den Ball auf der rechten Abwehrseite gegen Beasley. Der PSV-Stürmer flankt wunderschön flach auf den langen Pfosten und da nimmt Dempsey das Ding direkt. Einseins.

.. Minute
Pimpong fällt und Merk pfeift. Doch warum nur?

Der Text riskiert etwas, experimentell, reduziert.

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Für Nüchtern:

Andreas Merkel: Aus dem Unterholz

Anfang:
Moment, ich nehm dich kurz raus.
Gehring griff nach dem Handy und zog es aus der Halterung der Freisprechanlage neben dem GPS, während Völkl einfach weiterredete.


Ende:
Zwei Stockwerke tiefer erkannte er eine Silhouette, die in einem hellerleuchteten Büro am Fenster stand und regungslos auf den Parkplatz blickte. Wahrscheinlich dachte sie, warum zum Teufel fährt er nicht los oder wann fährt er endlich los.

Dazwischen:
Beraterjob, Zweitwagen, die persönliche Ansprache durch die Dame vom GPS, alles so aktuell, dass es schon wieder konventionell ist.

Siehe unten.


(Das ist jetzt so ein dämlicher Satz, ich begnüge mich damit, dass es mir nicht gefallen hat, ich hab aber auch nicht aufgepasst.)

---

Pimpong wird auf der Trage abtransportiert, kaum am Spielfeldrand angekommen, hüpft der juge mann quicklebendig von der Bahre und steht wieder auf dem Feld. Noch Fragen?
Freitagmorgen

liege ich noch im Bett, versuche vergeblich, dem Fernseher das Bachmann-TV abzuringen, kommt aber nur Frühshopping und Dachsteinwetter, schaue ein bisschen am teuren Stream.

Für Detering:

Claudia Klischat: Stillstand

Anfang:
Fechter stand am Fenster und schaute zu, wie sich zwei Männer vor dem stillgelegten Glaswerk prügelten.

Ende:
Er wünschte, der Regen würde nie enden, aber am nächsten Morgen schien die Sonne, und wie immer, wenn sie schien, schien sie um diese Uhrzeit auf das Glaswerk, das ein halbes Jahr später abgerissen werden würde, denn es war schon vor Jahren stillgelegt worden. Es stand still, geisterhaft still.

Dazwischen:
Wird nachgereicht. Das Bucht fand ich spontan viel, viel stärker, aber ich muss noch mal ausgeschlafen lesen. Die Jury hat das hoffentlich auch getan, am Freitagmorgen um Neun (dem Morgen nach der Schlossparty) hatte sie mit diesem Arbeitslosen-Sozialdramolett keine Chance beim Publikum.

Times, anderthalbzeilig, breiter Rand, Blocksatz, Absatzeinzug

---
Wie habe ich es so schnell vom Bett ins Theater geschafft? Ein Kaffee und ein Hefeteilchen im ORF.

Für Spinnen:

Thomas Melle: Nachtschwimmen

Anfang:
Die ästhetische Erfahrung eines Swimmingpools konnte mich schon immer begeistern. Das krasse Türkis, das mein Auge, kaum klebt es fest, mit seiner grellen Patina überzieht, zeitrafferschnell, Neon rostet auf der Hornhaut; ...

Ende:
Bianca wuchtet sich mit ihrem ganzen Oberkörper über seinen Kopf und grunzt. Ich sehe in den Wald, der dunkelblau ist und zu pulsieren scheint. Je stärker Timo sich wehrt, desto lauter lacht Bianca.

Dazwischen:
"Rollenprosa", die Ich ist eine Studienstiftlerin, in Brilon im Sauerland auf Russischkurs. Wenn man jetzt denkt: Swimmingpool, Ästhetik, Türkis, Hockney, GÄÄÄHN, dann ist das gewollt, denn so sind sie nun mal, die kleine Studienstiftlerinnen. Ton gut getroffen. Für mich in der engeren Auswahl. Willner vielleicht. Strigl spricht Brilon erst französisch aus.

Neue Rechtschreibung. Blocksatz, Times, etwa 8 Punkt, wenig Rand

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Für Detering:

Dirk von Petersdorff: Anfang

Anfang:
Als ich während der Geburt an der großen schwarzen Brille der Ärztin vorbeisah zum Fenster, riss der Himmel auf: Ein gezacktes Lock mitten im Grau, aus dem es gelb herausfiel, war zu sehen, auch rotes Licht in Strahlen dahinter.

Ende:
Auf die Unruhe legt sich Balsam, Muskeln sinken dann zurück, und ich kann liegen, kann schlafen, Balsam, denke ich, ist gut.

Irgendwo:
Ich saß auf einem Stuhl, Max mir gegenüber in einem Sitz, der Wipper heißt und in dem sie normalerweise überhaupt nicht still hielten, heraus wollten.

Die Lesung höre ich unten, fassungslos, das sagt Radisch gar nicht mehr, schade. Gehe dann ins Theater, weil ich gerne der Schlachtung beiwohnen möchte.

Nüchtern: "Kinder machen doof, das ist im Sinne der Arterhaltung wichtig."

Siehe unten. Gefallen oder Nichtgefallen ist wohl weniger Geschmacks- als Hormonfrage. Ich befinde mich vielleicht schon im Zustande der Prä-Menopause und fand es schrecklich. Nüchtern: "Das ist ein Ton, der ist lürisch, aber lürisch mit ü."

Wer was Schönes zu dem Thema lesen will:
Birgit Vanderbeke: Gut genug

---

Für Radisch:

Paul Brodowsky: Aufnahme

Anfang:
Wie schlafend. Gestern Abend, oder war es vorgestern oder einer der anderen Abende, gestern Abend, seit Tagen fahre ich und versuche alles zusammenzubringen, konzentrier dich, sagte sie, über mir muss die Kreuzung sein....

(Ich breche hier ab, der Punkt kommt erst im unteren Drittel der Seite.)

Ende (der Satz beginnt etwa eine Seite vor dem Schluss):
...das aus vielen Stücken zusammengenähte Hemd umhüllte ihren Körper wie eine Decke, ihr Kopf lag schief, zur Seite gekippt, die Augen geschlossen, wie schlafend.

Dazwischen:
Siehe unten, habe es nicht ganz gelesen.

Alte Rechtschreibung
Tafelspitz und Radler (masc.) bei Augustin.

Freitagnachmittag

Für Ebel:

Annette Mingels: Nachbeben

Anfang:
Am frühen Nachmittag erreichten sie das Dorf, das weiße Dorf, wie es im Reiseführer genannt wird (tatsächlich ist es hell: die schmucklosen Häuser, die Brunnen, der blasse Stein der Straßen und Plätze), und Ellen beugt sich vor und fragt, wann sind wir endlich da?

Ende:
Und sie rennen die paar Schritte zu ihrem Ferienhaus, halten sich an den Händen, sie lachen heiser und wie erleichtert auf, als sie das Haus erreichen, das führerlose Schiff, in dem ihre Kinder schlafen, dem nächsten Tag entgegentreibend, nichts ahnend von der Gefahr.

Ich habe ehrlich gesagt weder zugehört noch den Text gelesen.
Radisch: "Lindas Regenjacke war gelb" - ist ihr zu viel Information
Detering vermisst das "Rauhe", Corino sagt "Konfektion".
März spricht von einem "biblischen Motiv: Die Verdunkelung der Welt."

Corino (Achtung, Kracher): "Was soll daran biblisch sein? Das passiert mir jeden Abend."

Ebel ist überfordert und spricht über seinen Urlaub.

Neue Rechtschreibung

---

Für Strigl:

Hanno Millesi: Werktagsüber

Anfang:
Vormittag gehe ich im Park spazieren. Mittlerweile kenne ich die Anlage bis ins Detail. An zahlreichen Bäumen befinden sich Hinweisschilder, die über die jeweilige Baumart, Baumrasse oder -familie Auskunft geben. Ich halte das für eine hervorragende Einrichtung...

Ende:
Wärmen kann ihn bestenfalls eine Suppe, ein nahrhafter Bissen, eine Mütze oder ein kräftiger Schluck von einem alkoholischen Getränk.

Dazwischen: Siehe unten.

Neue Rechtschreibung.

---

Für Radisch:

Norbert Scheuer: Überm Rauschen

Anfang:
Die Urft fließt direkt unter dem Küchenfenster unseres Elternhauses vorbei. Flußabwärts, wo das Wasser für die Zehnermühle abzweigt, ist das Rauschen.

Ende:
Der Abendzug fährt an der Gaststätte vorbei in den Stiftbergtunnel.

Siehe unten.
Alte Rechtschreibung
Samstagmorgen

Für Klaus Nüchtern

Katja Huber: Sofija Kapitel aus Katja Hubers zweitem Roman (ohne Titel). P. Kirchheim Verlag

Anfang:
Seit einer Woche nun gab sich diese nichtsahnende Deutsche - überaus erfolgreich - die größte Mühe, sie von ihrem Plan abzuhalten, und das kurz vor der Vollendung. Nur noch lächerliche zwei Besuche hatte sie vor: bei Nummer 52 - Ilja Ilf [1] - und bei Nummer 147 - Aleksej Tolstoj.

(Das in der eckigen Klammer ist der Verweis auf die erste von fünf Endnoten.)

Ende:
Tanja bückt sich, nimmt eine Plastikblume vom Nebengrab, legt sie auf der nackten Erde vor sich ab. Sie richtet sich auf und verläßt den Friedhof.

Dazwischen: War ich noch im Bett unter der Dusche auf dem Fahrrad im Pressezentrum.
Der Jury gefiel es eher nicht so. Rakusa angepisst wegen schlechter Slawismuskenntnisse.

---

Auf Einladung von Strigl:

Kathrin Passig: Sie befinden sich hier

Anfang:
Wenn man im Winter in eine missliche Lage gerät, weil es beispielsweise früher dunkel wird als gedacht, Schneetreiben einsetzt oder man den Weg verloren hat, gibt es zwei Möglichkeiten. Ist damit zu rechnen, dass man in absehbarer Zeit gefunden und gerettet wird, vergräbt man sich im Schnee und wartet ab.

Ende:
(Ist so gut, dass ich es leider nicht verraten kann.)

Dazwischen: Viel Schnee, viel Klugschiss, viel unnützes Wissen. Lachen und Gruseln.

Detering: "Endlich!"

Später noch was zum Vorstellungsfilm. Am besten einfach anschauen. Wolfgang Herrndorf als Bettler im Kelag-T-Shirt.
---

Für Norbert Miller:

Kai Weyand: Paso Doble

Anfang:
Hätte er anders geheißen, wäre es gar nicht so weit gekommen. Im Grunde genommen, hängt die ganze Geschichte mit seinem Namen zusammen. Sein Name war schuld.

Ende:
Theo Von stand auf, steckte die Hände in die Hosentaschen und sagte: Ich würde mir das Zimmer gerne einmal ansehen.

Dazwischen:
Ich habe nicht richtig zugehört, weil ich die Fotos von Kathrins Lesung flickrte, das dauerte eine Weile, die ich zum Frühstücken nutzte, ich schnappte ein paar Witze auf, die nicht schlecht waren, aber doch irgendwie alles so Schlüsselreizwitzchen. Sitzpisser und die Sache mit dem Namen, "Theo von was, fragte ich."

---

Für Spinnen:

Ina Strelow: ARREST Erzählung von Ina Strelow

Anfang:
Nein, dieser Tag war ihr nicht gelungen.
Sie hatte nicht einmal einen Spagat nötig. Sie ist abgerutscht in ihm, nachdem sie in das Grinsen dieses Mannes gefallen war.


Ende:
Zuerst muss ich mich kümmern. Zwei Literflaschen Wasser, ein Teller Reissalat, eine Schale Erdbeeren, ein Handtuch und eine Schere. Und dann in den Keller. Das ist schon eine Freude, gebraucht zu werden. Sie soll sich die Haare abschneiden.

Dazwischen: Aß ich beim Augustin eine geröstete Nudel mit Salat, trank einen Radler und einen Verlängerten und teilte mit Astrid Topfennockerln.

bachmannpreis tage der deutschsprachigen literatur klagenfurt 2006 ingeborg-bachmann-preis

Hinweis:

Hier nun die schlampigen Zusammenfassungen zu allen Lesungen.
http://sopran.twoday.net/stories/2231197/ Und Hier bitte abstimmen für den Publikumspreis.

Die Literaten spielen Fußball gegen die Techniker vom ORF, zur Halbzeit führt das Radio 2:0, verdient natürlich. Es stehen zehn Auswechselspieler am Rand, einer davon vom ORF, beim Wechseln werden Schuhe getauscht, weil das Literaturpack sich nicht vorbereitet hat, die Mädchen haben sich in den Schatten gegossen, Grandits gibt alles, aber ohne funktionierenden Fanblock.

Hier im Pressezentrum ist es leer und kühl, oben wird geputzt, die Schreibmaschine habe ich nicht gefunden. Die Jungliteratin gibt Interviews, aufgeregte Journalistinnen zierten sich in der Mittagspause am Telefon mit der Redaktion, hach, sag ich's, bin mir fast sicher, aber neine, ich trau mich nicht. Ich habe mich bei Kathrins Lesung endgültig in meine Hochstaplerrolle gefunden, die andere Fotografin hat auch so eine Amateurkamera wie ich, dafür noch eine Zweite aber to-tal unprofessionelle Objektive, bin schon angesprochen worden, ob meine Bilder schon beim ORF auf der Seite abrufbar sind. Vielleicht kann ich doch noch die Reisekosten reinholen. Man muss ja nicht sein Leben lange Hochstapler bleiben.

bachmannpreis tage der deutschsprachigen literatur klagenfurt 2006 ingeborg-bachmann-preis

Meine Mutter

rief mich im Anschluss an Kathrins Lesung an, um ihre Ekstase zu ventilieren. Mein Telefon war an und auf laut.

Sie hatte mich im Fernsehen gesehen, ich hockte verzückt und stolzgeschwollen vor der ersten Reihe und knipste herum. Ich brauche mich weder zu bremsen, noch brauche ich was zu schreiben über den Text.

"sopran grient vor Begeisterung und Wohlwollen. Süß" schreibt jemand in Berlin in ein Internet hinein.

Detering fing an, um ENDLICH zu sagen. Wenn sie auch noch wüssten, wie sehr das alles Kathrin ist.

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Ich brauch gar nichts zu schreiben. War eh gut. Fand die Jury auch, mit vorsichtiger Ausnahme von Karl "Dasabermakaber" Corino. Sein Fazi: "Der Text wird hier trotzdem seinen Weg machen".

bachmannpreis tage der deutschsprachigen literatur klagenfurt 2006 ingeborg-bachmann-preis

Einar

heißt der Igel in Brodowskys Milch Holz Katzen, auf der Fahrt aus der Stadt zum Schlosshotel traf ich einen, Fotos morgen. Schlosshotel klingt more glitzy than ist, die Güterzüge fahren durchs Schlafzimmer, die Einrichtung ist Restjugoslawien.

Ich möchte an dieser Stelle davor warnen, von mir noch irgendwelche sinnvollen Analysen zu Texten zu erwarten. Dies ist Urlaub, ich treffe ein paar Menschen, die für Klagenfurt vorsichtig das Internet verlassen haben, es gibt Bier, Fußball, Strandbad, zum Lesen habe ich überhaupt keine Geduld, Litera-Live-Ticker an anderem Ort.

Um zehn liest Kathrin Passig, und dafür sind wir hier, ich habe einen freundschaftlichen Gutfindetrieb, den ich nicht zu unterdrücken gedenke. Deshalb wahrscheinlich kein Wort zu ihrem Text. Es ist ihr erster Belletristischer, heißt es, also keine Prognose außer: Schreiben kann sie ja.

Ich schreib das mal vorher, wenn ich's nachher schrübe, sähe es aus, als hätt's mir nicht gefallen.

Ich geh jetzt einfach mal früh schlafen.

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