Kathrin Passig, warum sie schreibt:
"Ich schreibe, damit man meine Finger beim Tippen filmen kann".
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sopran - Mi, 21. Jun, 20:00
Ich wache um 5 auf mit der Idee, ich schaffe meine Arbeit nicht. Vergesse, vermassle, versetze. Laufe ein bisschen durchs Haus, kann nichts ändern, denn die Termine für den Tag sind fix. Fleisch kaufen für den Kindergarten, Vier bringen, Amtsgericht Neuss, mitten am Vormittag, so dass die Zeit vorher zu kurz ist, ich aber jetzt im Auto sitze und mir leid tue. Die Arbeit liegt im Büro.
Dass mich ein Text zum weinen bringen soll, wünsche ich mir auf der Fahrt, nehme es aber gleich zurück. Ich bin leicht zu rühren durch Worte, gestern weinte ich über die 5000 ecuadorianischen Fans, sie stehen an Reisebüros an, hatten alle die Rückflüge direkt nach der Vorrunde gebucht. In Santiago de Chile sangen wir im Armenviertel, die Menschen kamen erst unwillig aus den Hütten, bis wir hinausgingen aus der kleinen Holzkirche und ein Lied sangen auf der lehmigen Straße. Sie verpassten das Länderspiel Chile Brasilien, um uns zu hören, sie weinten über Brahms, lachten über Lorca und jubelten dem seltsamen Jazztrio zu.
Worte und Filme bringen mich leicht zum Weinen, oft leider unter Niveau, mit billigsten Tränendrüsenschlüsseln. Bei Musik schlage ich zuverlässiger und sehr viel seltener aus. Wenn ich da weine, dann stand der Himmel offen, worauf Du einen lassen kannst. Oder die Hose.
sopran - Mi, 21. Jun, 10:12