Andreas Merkel: Das perfekte Ende
Ein Berlin-Roman, 151 Seiten im Großdruck. Absätze: Jede Menge. Punkte: Jede Menge. Von 2002, vielleicht inzwischen erwachsen geworden. Dicker Student aus Kiel wird von seiner Ex-Freundin nach Berlin eingeladen, trifft aber erstmal nur ihren Neuen, einen Musiker.Merkel zitiert auf Seite Null David Bowie und Thomas Bernhard, nach den ersten 21 Seiten kommt mir das anmaßend vor. Holzfällen! Vielleicht im Zitatenschatz des Internets nach "Großstadt" gegooglet?
Ich gebe aber so früh noch nicht die Hoffnung auf, dass sich die Ironie noch einstellt. Also: Ein bisschen mehr Ironie, irgendwas META. Kassette aufnehmen für ein Mädchen, das meint der natürlich nicht ernst und der Aufnehmer findet es nachher auch blöd, aber das reicht nicht. Zu platt.
Die Kapitel heißen Prolog und Eins und Zwei, wahrscheinlich auch Drei und Vier, aber bis da komme ich nicht, ich ahne es schon am Anfang.
Zwei fängt an mit Berlin-Schlüsselreizen: Ostkreuz, die Plattenbauten Friedrichshains, später: Gedächtniskirche, mehrere McDonalds. Platte.
Die zweite Hauptfigur, "Willberg", hat eine Statistenrolle in einem Stalingrad-Film, da gab es auf der taz-Wahrheit-Seite mal einen Text, aber der war doch nicht von ihm?
Hunger bekomme ich ab Seite 23, aber ich kann jetzt schlecht ins Haus gehen und die Cellolehrerküche durchsuchen. Auf dem Esstisch sah ich eine kaum angebrochene Packung Mozartkugeln, aber die könnte den Kindern gehören, dann wären die Kugeln abgezählt.
Die Sprache ist ... nachlässig. Mich beleidigt, dass mir durch kursiv vorgeschrieben soll, welche Wörter ich beim Lesen betonen soll. Soll er halt so schreiben, dass ich auch so merke, was ihm wichtig ist. Bin gespannt, was er für ein Vorleser ist, vielleicht so ein "Schülervorlesewettbewerb"-Betoner.
Ich mag nicht weiterlesen, die Geschichte interessiert mich nicht mehr, ich muss dauernd Notizen machen, damit ich nicht weiterlesen muss, dann schau ich mich im Garten um, am Wäscheständer vier Jeans in je einer Größe. Wenn es anfängt zu regnen, was passieren kann, wird der Cellolehrer rauskommen und die Wäsche abhängen.
Ich denke an die Mozartkugeln.
Der Ich heißt Kristofer, ich denk, immer diese Namen, die irgendwie glitzy sein sollen, Andreas würde besser passen, aber Kristofer ist der Nachname.
Mozartkugel ade, gerade ist die Tochter heimgekommen.
Das Buch ist von Amazon, Neupreis 2,95 Euro, portofrei, Wiederverkaufspreis z.Zt. 12 Cent, auf Seite 30 kleben zwei kleine Insekten auf braunen Flecken.
Ich lese jetzt noch weiter, bis er diese Lou trifft, seine Ex-Freundin.
Berlin-Roman: Für mich persönlich uninteressant. Vielleicht habe ich auch bloß eine Abneigung gegen verlassene Männer.
Anfang:
Prolog Ein halbes Jahr, nachdem sie mich verlassen hat, ruft sie an und lädt mich nach Berlin ein.
Neue Rechtschreibung.
bachmannpreis tage der deutschsprachigen literatur klagenfurt 2006 ingeborg-bachmann-preis
sopran - Di, 6. Jun, 19:45


