Bergabwind
Fahrradfahren in der Sonne, ungebremst bis Poppelsdorf, sonst gilt es nicht. Schönes leichtes klares Denken - das Auto verführt zum Grübeln, je nach Musik. Sinfonia Spirituosa nicht, kein Grüblen bei Telemann, aber die Dichterliebe, fahrender Gesell, irgendein Brahms brachte mich ein paarmal der Leitplanke näher.Der Wind rauscht so schön an den Ohren vorbei, da kann man singen vor sich hin und hat das Gefühl, es hört keiner. Ich wohne am Berg, ich weiß, wie es sich anhört, wenn einer laut singt auf dem Fahrrad beim ungebremst bergab fahren. Ich freue mich immer darüber, so
Ich fahre nach Beuel ins Kino, wird bestimmt leer sein bei dem Wetter (ist dann auch so), immer schön, mit dem Fahrrad zu fahren, IMMER schön, mit dem Fahrrad HINzufahren, zurück geht es ja hoch, und das ist auch immer schön gemacht zu haben, nie so anstrengend, wie es sich anfühlt, wenn ich unten im Tal das Fahrrad aufschließe, schon auf der Poppelsdorfer Allee nicht mehr. Es könnte regnen, aber ich habe jetzt ein cooles Innenstadtbüro, ein Büro, in dem man mal ein Fahrrad übernachten lassen kann, sogar selber übernachten könnte, eine Geliebte empfangen, eine Dose warm machen, Radio hören. Und wenn man keine Geliebte hat und sich zur Not auch das Taxi nach Hause leisten kann oder einfach zehn Minuten strampeln, dann kann man dort auch einfach arbeiten. So halte ich es zur Zeit, und es ist ja auch schön, Arbeit zu haben. Jedenfalls an den guten Tagen mit den leichten schönen Gedanken beim Fahrradfahren.
An anderen Tagen müsste ich mal wieder Kaffeetassen spülen, liegen Unterlagen herum und ich auf dem Sofa, und neben mir auf dem Sofa dieses Hochstaplergefühl, dieses HOFFENTLICH MERKT KEINER WAS und HOFFENTLICH RUFT KEINER AN, dann ruft jemand an, ich freue mich, bin souverän und kompetent, es ist alles in Ordnung. Das Hochstaplergefühl schrumpft bei jedem weiteren Erscheinen.
Aber heute ist ja ein guter Tag, die meisten Tage sind gute Tage.
sopran - Sa, 6. Mai, 01:21


