Vorgestern. Wuppertal.
Keine Parkplätze am Gericht, dafür Sonne, das Gericht hat die Adresse Eiland 1 und Eiland 2, es liegt auf einer bin versucht zu schreiben, ach ich tu's, einmal darf man (sic!) Insel zwischen Wupper und einem Abwasserkanal oder Wupperarm oder Bach.Schon das Gericht sehr schön, neu/alt, nur das mit den zwei Preisen für Bedienstete und andere kannte ich noch nicht. Kaffee 1,80, nach Gerichtskantinenmaßstäben ein Wucherpreis. Der Termin läuft nicht so, der von mir vertretene Beklagte steht im Stau, der Kläger wird ausführlichst vernommen (=informatorisch angehört). Mal wieder die Frage, wessen Versicherung zu zahlen hat, bleibt alles im großen Kreislauf.

Dieses Jahr könnte das Jahr der erfüllten Kindheitsträume sein, denn aus dem Gericht kommend, sah ich dies:

Von herber Niedlichkeit ist Wuppertal, gegenüber die Licht-Heilanstalt, das Gerichts-Eiland, das putzige Pendeln und Peitschen und Sirren der Schwebebahn über der Wupper. Ich fahre hin und her mit der Schwebebahn, neben mir dreht einer eine Zigarette und begleitet diese Tätigkeit mit perkussivem Räuspern, einem vokalreichen Räuspern, das da tönt: Hock! und Öpk! und Rök!
Auf den Höhen noch Schnee, hier unten im Wuppertal, in Barmen und Elberfeld Sonne und der Blick auf die Rückseite der Stadt. Der mir ja auch das Rudern auf französischen Kanälen so reizvoll macht. Die Höfe, die kaputten Fabriken. Keine Kosmetik, höchstens ein bisschen Werbung. Auf dem Bayer-Gelände die Dienstfahrräder, mit Stange, ohne Stange, mit doppelter Stange - ein hierarchisches System, jedenfalls früher mal. Die mit doppelter Stange waren für die Besseren Arbeiter, diese Fahrräder durften das Gelände verlassen. Ist vielleicht immer noch so oder war nie so, und ich habe eine Legende gehört.
Sonnborner Straße, immer im Schatten der Schwebebahn, alle zwei, drei Minuten dieses Peitschen.

Sachsenröder. Textilfabrik? Der "Fabrikant aus Wuppertal", ist im Bergischen so gängig wie "die Lück va Kölle" in der Eifel. Sie bauten Jagdhütten und Wochenendhäuser, und manche Jagdhütte im planungsrechtlichen Außenbereich wurde über die Jahrzehnte unter den Augen der dankbaren Dorfbevölkerung zum Landhaus, baurechtswidrig, da gibt es nur Abriss, wenn die Kreisverwaltung drauf kommt. Dorthin zog sich der Hanno Buddenbrook der Familie zurück, ist Naturgesetz, dass die vierte Generation nicht mehr taugt zum Fabrikanten. (Weiß ich aus meiner Zeit beim Verwaltungsgericht)

Bayer also, Sachsenröder, Ford Zumhoff, verblasse Fassadenwerbungsfresken, kein Fußweg entlang der Wupper, das ist ja auch nur ein Bach, dafür Backsteinmauern, kaputte Fenster, Pipeline. In der Bahn japanische Touristen, Kindergartengruppen, Rentner, Pendler. Pendler sind sie alle, die vielen Kurven.
sopran - Fr, 24. Mrz, 09:58


