Carcassonne 12 Grad, Regen.
Bonn 19 Grad, leicht bewölkt.
Vorhersage: Wenn ich in Cenne ankomme, kommt Camille aus dem Haus. Drei Bises, rechts links rechts. Sie erzählt mir was von Soleil und guter Luft, legt die Hand aufs faltige braune Dekolletée und atmet tief ein und aus. Wie gut, dass die armen Kinder mal aus der Stadt herauskommen!
Unter Deutschland stellt sie sich so was vor wie Manchester in den 60er Jahren. Wenn ich sage, in Bonn schien die Sonne, als wir losfuhren, es war wärmer als hier, legt sie den Kopf schief und lächelt. Incrrroyaple. Irre soll man gewähren lassen.
Zwischen mir und Cenne liegen noch ein paar Akten, ein Gerichtstermin und mehrere Mittelgebirge. Autoroute du soleil, Languedocienne, Entre deux mers. Klingt besser als A7, A9, A 61.
sopran - Mi, 5. Okt, 09:39
Ich fahre mit den Töchtern in mein französisches Anderswo, morgen Abend vielleicht, oder erst am Donnerstagmorgen.
Fleecepullover und wollene Leibchen müssen eingepackt werden, dicke Socken. Eiskratzer ins Auto.
Morgens auf dem Klo blättere ich im Globetrotter-Katalog nach den Schneschuhen. Die Pyrenäen sind nicht weit.
Lesen:
Patricia Duncker: James Mirandy Berry
(Duncker muss ganz in der Nähe wohnen, Montagne Noire oder Minervois)
Uwe Johnson: Skizze eines Verunglückten
Thomas Bernhard: Holzfällen
Dave Eggers: Ihr werdet (noch) merken, wie schnell wir sind
Nick Hornby: A long way down
Schauen: Höllentour (nochmal)
Letztes Mal trieb mich die Sehnsucht nach blutigen Pathologen-(oder forensische Anthropologinnen-)Krimis durchs Dorf, vergeblich. In der kalten Zeit (die gerade dort zuverlässiger und ausdauernder ist als hier), lese ich, wozu mir zu Hause die Geduld fehlt. Am einzigen warmen Platz im Haus, vor dem Holzofen in der Küche.
Ich fahre 1200 Kilometer nach Süden, um abends zu lesen.
Weil das Telefon nicht klingelt. Das Internet umständlich ist. Keine Zeitung kommt. Fernsehen: Fehlanzeige. Kein Einkaufsdienst im Kindergarten. Post: EDF und France Telecom. Facture verstehe ich. Oder ein Kontoauszug der Banque Populaire des Pyrénées Orientales, de l'Aude et de l'Ariège. Damit ich mich mehr von dort fühle.
Lange liegenbleiben, im Bett ist am wärmsten. Ofen anmachen. Frühstück: Das Brot, Die Aprikosenmarmelade, Der Schinken. Spülen. Holz nachlegen. Mittwoch Markt in Bram. Samstag Markt in Revel. Freitag der Fleischerwagen am kleinen Platz. Holz nachlegen. Das alberne verstimmte Glockenspiel um zehn nach acht zehn nach eins Holz nachlegen zehn nach sieben. Die Lastwagen, die morgens durch mein Schlafzimmer donnern. Voisinen auf einen Café, ein Bier, einen Skat. Lesen. Holz nachlegen. Lesen.
Höchstens 48 Stunden. Dann von anderswo.
sopran - Mi, 5. Okt, 01:12