Selige Inseln: Das Müvész kávéház in Budapest
Frau Modeste erinnert mich an das Müvesz kávéház.Unser Café für diese paar seligen Oktobertage wählte uns par chance. Denn ein zweiter guter Vorsatz neben "einfach glücklich sein" hatte mit Torten und Kaffeehäusern zu tun. Der B. ist ein verhinderter Patissier, Inspiration tat Not. Es goss und war schon dunkel, als wir mit dem Bus zum ersten Mal am Müvesz gegenüber der Oper vorbeifuhren und uns ohne Worte einig waren. Es sieht dem Café Osterspey von außen ziemlich ähnlich, wenn auch die Andrassy ut vielmals prachtvoller ist als die obere Luxemburger.
Wunderbare Torten, selbstverständlich, Dobos und Esterhazy, Strudel und Kugeln und und und Kellnerinnen, die so dünn und so schlecht gelaunt waren, dass es eine postsozialistische Freude war. Für jede Tortenbestellung gab es einen vorwurfsvoll abschätzenden Blick, den wir schon am zweiten Tag nicht mehr missen wollten.
Am letzten Tag bestellte ich Retes, sprich: Rätäsch mit Sahne, das war in den Augen dieses entzückenden braunhaarigen Drachen ein Fehler.
"Rätäsch wiss kriem ISNOGUD",
sagte sie, aber ich bestand drauf, und natürlich war es wunderbar. Dass ich noch acht Stücke zum Mitnehmen für die heimische Großfamilie orderte, besänftigte sie kaum. Erst beim Bezahlen strahlte sie mich an, als hätte ich eine Prüfung bestanden.
So erfüllten wir beide Vorsätze.
sopran - Di, 13. Sep, 15:30


