Letzte letzte Chorprobe
Debussy: Dieu, qu'il la fait bon regarderArezzo 1986, Qualifikationsrunde im Concorso Polifonico Guido d'Arezzo. "Guck mal, die singen Meisterwerke", sagte P., "und wir nur drei Liedchen". So schön habe er das Wort "Dieu" noch nie gehört, sagt der französische Juror. Auf den Noten immer noch sichtbar meine lang geübte Schülerinnen- Unterschrift. Ich, 18 und tagelang glücklich.
Hugo Wolf: Komm, Trost der Welt, Du stille Nacht
Gorizia 1987. Der Karlsruher Chor sang wunderschön, nur konnte ich nicht verstehen, in welcher Sprache. Eine Turnhalle als Wettbewerbsort, der Schweiß lief beim Singen durch die Kniekehlen in die Schuhe. Für P. war es später eine Wegmarke, ein Gipfel, das Lied zum ersten Mal aufzuführen. Später: Rückenmarkstück. Ich, 19 und zwischen allem.
Rossini: La Passeggiata
Weimar 1990, Schillergymnasium oder Goethegymnasium? Hier war La Teneuse zur Schule gegangen in den ersten Tagen der DDR. Nun: Woche eins nach DDR. Ich, 22 und fast verlobt.
Ernst Pepping: Das Lob der Träne
Muffendorf 1993, 20-jähriges Chorjubiläum. Sie zeigt uns schon das Paradies hinieden, bis unsre letzte fällt vom Aug herab. Ein kurzes verwirrendes Wiedersehen. Ich, 25, Kind, Examensvorbereitung, Stillstand.
Leonard Lechner: Gott b'hüte Dich
Tokyo 1995, Ostergottesdienst der evangelischen Kirche. Mitsingen freigestellt, P. wollte den Müden einmal die Chance zum Zuhören geben. J weinte ihrem japanischen Sandkastenfreund nach, ich weinte mit. Ich, 27 und schwanger mit Kind 2.
Robert Schumann: Der traurige Jäger
Adendorf 2002, Romantik im Burghof, Weltmeisterschaftsendspiel gegen Brasilien, das Konzert um eine Stunde verlegt. P. hatte sich wieder erholt von der Krankheit nach dem Wettbewerb. Ich, 34, schwanger mit Kind 4 und lief zu auf ein kleines Ende.
sopran - Fr, 17. Jun, 15:15


